Anzeige

Ransomware

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die noch nie eine Nachricht von einem nigerianischen Prinzen in ihrem Spamordner gefunden haben, der dringend eine gewaltige Geldsumme in Sicherheit bringen muss und dafür Hilfe braucht. Wahlweise kann es sich auch um einen Stammesfürsten oder einen Unternehmer handeln.

Diese Betrugsmasche ist bereits seit Jahrzehnten im Umlauf und dürfte den meisten Angeschriebenen nur noch ein müdes Lächeln entlocken. Das könnte auch der Grund sein, warum die Absender sich jetzt nach einem neuen Betätigungsfeld umsehen. Einem aktuellen Bericht der Sicherheitsforscher von Abnormal Security zufolge scheinen sie dieses mit Ransomware gefunden zu haben. Das ist an und für sich nicht weiter verwunderlich, schließlich lockt Ransomware mit großen Gewinnen und lässt sich für wenig Geld im Darknet mieten. Das Vorgehen der Kriminellen ist in diesem Fall jedoch eher ungewöhnlich und dürfte wohl kaum von einem kriminellen Mastermind erdacht worden sein, um es einmal vorsichtig auszudrücken.

Anstatt Angestellte mit ausgefeiltem Social Engineering dazu zu bringen, eine Datei zu öffnen, die dann wiederum die Ransomware installiert, schreiben die Angreifer potenzielle Opfer über LinkedIn oder andere öffentlich zugängliche Kontaktmöglichkeiten an und fragen höflich nach, ob sie nicht Interesse daran hätten, die Ransomware DemonWare auf den Systemen ihres Arbeitgebers zu installieren. Im Gegenzug wird dafür ein Prozentsatz des Lösegeldes versprochen. Im von Abnormal Security beschriebenen Fall boten die Kriminellen eine Million Dollar und damit 40 Prozent der anvisierten 2,5 Millionen Dollar. Bei Interesse solle man sich per E-Mail oder Telegram melden.


Das könnte Sie auch interessieren:

eBook

Ransomware-Abwehr mit Unified Security

Das Aufkommen von Ransomware, der vielleicht lukrativsten Methode der Cyberkriminalität, markiert einen deutlichen Wandel in der Art und Weise, wie Internetkriminelle aus den Daten ihrer Opfer Profit schlagen.

Download

Deutsch, 8 Seiten, PDF 769 KB, kostenlos


Genau das taten die Sicherheitsforscher und fanden schnell heraus, dass man es nicht unbedingt mit Ransomware-Profis zu tun hatte. So wurde das erwartete Lösegeld schnell auf 120.000 Dollar gesenkt und damit auch die Summe, die der potenzielle Komplize erhalten sollte. Auch wurde behauptet, dass für den Komplizen kein Risiko bestehe, erwischt zu werden, denn die Ransomware würde alle Spuren inklusive Überwachungskameras verschlüsseln. Die Sicherheitsforscher spielten trotzdem weiter mit und erhielten schließlich eine funktionierende Version der Ransomware DemonWare, angeblich eine Eigenentwicklung der Angreifer. Diese Behauptung ist jedoch ganz offensichtlich falsch, denn DemonWare steht auf dem Portal GitHub ganz einfach zum Download zur Verfügung.

Nun wollten die Sicherheitsforscher natürlich herausfinden, wer hinter dieser etwas dilettantischen Masche steckt und verfolgten die angegebenen Kontaktdaten zurück. Diese führten schließlich zu einer Trading-Webseite, auf der die nigerianische Währung Naira gehandelt wird, sowie zu einer russischen Social-Media-Plattform. Mit diesen Informationen fragten die Sicherheitsforscher beim Angreifer nach, ob er aus Nigeria stamme, was dieser unumwunden zugab. Laut Abnormal Security erklärt das auch die Vorgehensweise der Cyberkriminellen. Sie würden die grundlegenden Taktiken, die sie seit Jahren in ihren Spam-Kampagnen anwenden, nun auf das Gebiet der Ransomware übertragen, um am Boom dieser Malware teilzuhaben, auch wenn die Erfolgsaussichten dieser Kampagne wohl eher mäßig sind.

Trotzdem sollte diese Vorgehensweise auch Unternehmen zu denken geben, denn es kommt immer wieder vor, dass Ransomware-Gangs Hilfe von Insidern haben. Ein weiteres Beispiel sind Verbreiter der LockBit-Ransomware, die immer wieder nach Komplizen sucht, um sich Zugang zu Unternehmensnetzwerken zu verschaffen. Schutz vor solchen Insider-Angriffen, aber auch vor ganz „normalen“ Ransomware-Attacken bieten beispielsweise eingeschränkte Nutzerprofile ohne Admin-Rechte für alle Mitarbeiter. Regelmäßige Security-Updates, eine aktuelle Antiviren-Software sowie ein bewährtes Back-up-Konzept sollten ohnehin selbstverständlich sein.

www.8com.de


Artikel zu diesem Thema

Hacker
Aug 21, 2021

Skrupellos, aber schusselig: Fünf belustigende Ransomware-Pannen

Skrupellos, organisiert, vernetzt: Ransomware ist längst kein Gelegenheitszeitvertreib…
Darknet
Mai 13, 2021

Soziale Netzwerke im Darknet

Wenn wir an soziale Netzwerke denken, ist das Darknet vielleicht die letzte Assoziation,…

Weitere Artikel

Hacker Corona

Corona-Virus als Treiber für Cyberangriffe

Tenable hat die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, nach der 78 % der deutschen Unternehmen die jüngsten geschäftsschädigenden Cyberangriffe auf Schwachstellen in Technologien zurückführen, die während der Corona-Pandemie eingeführt wurden.
Cyber Security

Cybercrime: Worum sich Unternehmen jetzt kümmern sollten

Online-Betrug ist so präsent wie nie zuvor. Allein im Bereich E-Commerce sind neun von zehn Händlern in Deutschland, Österreich und der Schweiz im vergangenen Jahr mit Betrug oder entsprechenden Versuchen konfrontiert worden, wie die Studie „Betrug im…
LKW

Fortschrittliche LKW-Technologie begünstigt Cyberangriffe

Je mehr Hightech in LKW-Flotten verbaut wird, desto effizienter wird das Flottenmanagement. Hinzu kommen Sicherheitsaspekte im Straßenverkehr. Doch mit der Vernetzung steigen auch die Risiken für einen Cyberangriff auf die Logistikbranche.
Digitale Forensik

Digitale Forensik gewinnt an Bedeutung

Die Digital Forensics Umfrage 2021 vor beschäftigt sich mit der Professionalisierung des Berufszweigs und der Bewertung der Fähigkeiten durch die Befragten. Die Umfrage zeigt, dass die meisten der 370 Umfrage-Teilnehmer grundlegende Fähigkeiten und Wissen…
Bundestagswahl

So angreifbar ist die Bundestagswahl

Aufgrund des analogen Wahl- und Auszählverfahrens gilt die Bundestagswahl als relativ sicher gegen direkte Manipulationsversuche durch Hacker. Doch auch wenn es für Cyber-Kriminelle kaum möglich sein dürfte, die Wahl direkt zu beeinflussen, gibt es im Vorfeld…
Cyberangriff

Cyberbedrohungen 2021: Phishing und Identitätsdiebstahl am wichtigsten

Das SANS Institute, Anbieter von Cybersecurity-Trainings und -Zertifizierungen, stellt die Ergebnisse seines SANS 2021 Top New Attacks and Threat Reports vor.

Anzeige

Jetzt die smarten News aus der IT-Welt abonnieren! 💌

Mit Klick auf den Button "Zum Newsletter anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.