Anzeige

Phishing

Jüngst kam es zu einer Reihe von Spear-Phishing-Angriffen einer seit Mitte 2009 operierenden cyberkriminellen Bande. Die Techniken, welche dabei verwendet werden, basieren auf gezielt gesammelten Informationen. 

Die Attacken finden in Kombination mit der Nutzung von Microsofts Newsletter-Dienst Sway statt, um Führungskräfte dazu zu bringen, ihre Office 365-Zugangsdaten zu übermitteln.

Die Gruppe, die gerade auf Grund des Einsatzes von Microsoft Sway als „perSwaysion“ benannt wird, hat erfolgreich die Office 365-Zugangsdaten von Führungskräften in über 150 Unternehmen gestohlen. Die Gruppierung scheint in erster Linie den Finanzsektor ins Visier genommen zu haben, der mehr als die Hälfte der Opfer ausmachte.

Der einfache Betrug verwendet einen nicht bösartigen PDF-Anhang, der auf eine Microsoft Sway-Seite verweist, die dann wiederum auf eine gefälschte Office 365-Anmeldeseite verweist, auf der die Anmeldedaten der Führungskräfte gesammelt werden. Ist dies erfolgreich, so ist das Unternehmen in Gefahr. Es konnten viele Übernahmen von E-Mail-Konten beobachtet werden, die zu massiven finanziellen Verlusten geführt haben, wovon auch bei den perSwaysion-Angriffen auszugehen ist. Office Sway ist eine Präsentations-Webanwendung und Teil der Microsoft-Office-Reihe. Sway ermöglicht es Anwendern, Text und Medien zu einer Präsentation zu verarbeiten. Eine Sway-Präsentation kann mittels eines Web-Browsers über eine Webanwendung in Microsoft Office Online oder Windows 10 angesehen und bearbeitet werden. Andere Anwender benötigen lediglich den Link, um sie zu sehen.

Nach Angaben des Sicherheitsanbieters Group-IB, der diese neue Angriffsgruppe entdeckt hat, werden E-Mails über API gedumpt und die hochrangigen Geschäftsverbindungen des E-Mail-Kontoinhabers aufgebaut und dokumentiert. Die Angreifer führen dann eine Art Insel-Hopping durch, bei dem neue PDFs erstellt werden, die von dem ursprünglich kompromittierten Konto an andere hochrangige Führungskräfte von Geschäftspartnern, außerhalb der Organisation, gesendet werden.

Die PerSwaysion-Operationen waren nicht anspruchsvoll, aber dennoch äußerst erfolgreich. Die Hacker nutzen bei ihren Angriffen keine Schwachstellen oder Malware, sondern verließen sich stattdessen auf eine klassische Spear-Phishing-Technik.

Sie schickten mit „Sprengladungen“ versehene E-Mails an Führungskräfte der Zielunternehmen in der Hoffnung, hochrangige Führungskräfte dazu zu bringen, auf gefälschten Anmeldeseiten Anmeldedaten für Office 365 einzugeben.

Das gesamte Schema von PerSwaysion kann auf einen einfachen dreistufigen Prozess eingegrenzt werden:

  • Die Opfer erhalten eine E-Mail mit einer sauberen PDF-Datei als E-Mail-Anhang. Wenn die Opfer die Datei öffnen, werden sie gebeten, auf einen Link zu klicken, um den eigentlichen Inhalt zu sehen.
  • Der Link würde die Benutzer zu einer Microsoft Sway-Seite (Newsletter-Dienst) umleiten, wo das Opfer in einer ähnlichen Datei aufgefordert würde, auf einen anderen Link zu klicken.
  • Dieser letzte Link leitet die Exekutive zu einer Seite weiter, die die Anmeldeseite von Microsoft Outlook imitiert, auf der Hacker die Zugangsdaten des Opfers sammeln würden.

Diese Art von Erfolg unterstreicht die Notwendigkeit, dass selbst Führungskräfte ein kontinuierliches Security-Awareness-Training absolvieren müssen, um potenziell bösartige E-Mails identifizieren zu können. Sie müssen Phishing-Tests unterzogen werden, um den Sicherheitsteams eine Feedback-Schleife zu bieten, damit sie wissen, ob die Führungskräfte ein Risiko für das Unternehmen darstellen.

Um sich gegen solche Attacken zu wappnen, sollten Unternehmen in den Aufbau einer „menschlichen Firewall“ investieren. Dafür müssen alle Mitarbeiter mit einem fortgeschrittenen Security-Awareness-Training und darin enthaltenen regelmäßig durchgeführten simulierten Phishing-Tests geschult werden. Die Trainings unterstützen die Mitarbeiter dabei bösartige E-Mails und Webinhalte zu erkennen. Verbunden mit den Erfahrungswerten, die Mitarbeiter im Laufe der Zeit im Umgang mit diesen Angriffen entwickeln, erhöhen sich die Chancen für eine erfolgreiche Abwehr eines Angriffs. Mitarbeiter können ein Plug-In namens Phish-Alert-Button in ihr Outlook installieren. Dies ist ein Knopf, bei dem die Betroffenen bedrohlich wirkende E-Mails direkt und einfach melden können, sodass der Absender direkt bei allen Geräten der Organisation in Quarantäne gesetzt wird und erst nach Überprüfung darüber entschieden wird, ob Mails von ihm weiterhin geöffnet werden dürfen. Der Button vereinfacht diesen Prozess erheblich.

Jelle Wieringa, Security Awareness Advocat
Jelle Wieringa
Security Awareness Advocat, KnowBe4

Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!

 

Weitere Artikel

Hacker Computer

Sinkendes Vertrauen unter Cyberkriminellen

Trend Micro, ein Anbieter von IT-Sicherheitslösungen, hat neue Erkenntnisse zu cyberkriminellen Aktivitäten sowie dem Handel mit Produkten und Dienstleistungen im Cyber-Untergrund veröffentlicht. Demnach schwindet das Vertrauen unter Cyberkriminellen…
Web-Traffic

Web-Traffic erholt sich nach COVID-19-Einschränkungen

Die Corona-Pandemie wirkt sich weiterhin auf die Auslastung des Internets und die Cyber-Sicherheit aus. In den Branchen Finanzdienstleistungen, Sport und Tourismus steigt der Datenverkehr aber wieder. Das sind die wichtigsten Ergebnisse des Cyber Threat Index…
Umfassende Security-Lösung

Zentrale Kontrolle von On-Premises-, Cloud- und IoT-Umgebungen

Wie wäre es mit einem Produkt mit leistungsstarken Funktionen zur Zusammenführung von Bedrohungsdaten und der zentralen Kontrolle von On-Premises-, Cloud- und IoT-Umgebungen? Ein solches Produkt mit dem unförmigen Namen Reveal(x) 360 kündigt ExtraHop an.
E-Commerce

Account-Übernahme-Angriffe im E-Commerce steigen

Jedes zehnte Kundenkonto ist in Deutschland innerhalb des letzten Jahres von Betrügern übernommen worden – das gibt fast die Hälfte (44 Prozent) von 100 deutschen Online-Händlern an.
DSGVO und Richterhammer

Hacker-Angriff auf Easyjet - Vermutlich keine hohen Strafen

Die britische Fluglinie EasyJet ist Opfer eines Cyberangriffs geworden. Betroffen sind angeblich E-Mail-Adressen und Reisedaten von rund neun Millionen Kunden. Außerdem fielen den Angreifern mehr als 2.000 Kreditkartendaten in die Hände.

Anzeige

Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!