Fast zwei Drittel der Firmen hierzulande wollen in den kommenden zwölf Monaten einen neuen Cybersecurity-Anbieter suchen oder ziehen zumindest einen Wechsel ernsthaft in Betracht.
Das geht aus einer neuen Studie der PR-Agentur The Hoffman Agency hervor. Der Anteil liegt mit 64 Prozent zwar knapp unter dem internationalen Schnitt von 67 Prozent, ist aber trotzdem bemerkenswert hoch, zumal die Unternehmen gleichzeitig ihre Budgets für IT-Sicherheit ausweiten wollen: Auch hier planen 64 Prozent mehr Investitionen.
Für die Untersuchung mit dem Titel „Fast Decisions, High Stakes“ hat das Marktforschungsinstitut Coleman Parkes Research im April 2026 im Auftrag von Hoffman insgesamt 500 Cybersecurity-Entscheider in Deutschland, Großbritannien, den USA und Frankreich befragt. Die Teilnehmer stammten aus Finanzdienstleistungen, Technologie, Telekommunikation, Medien, Gesundheitswesen, Einzelhandel und dem öffentlichen Sektor und hatten alle in den vergangenen zwölf Monaten größere Technologieanschaffungen getätigt.
Investitionen fließen vor allem in KI-Sicherheit und IAM
Weltweit stecken Unternehmen frisches Geld bevorzugt in KI-Sicherheit, Security Operations und Identity and Access Management. Bei Network Security, Endpoint Security und Security Analytics dagegen wird besonders häufig über einen kompletten Anbieterwechsel nachgedacht.
Der mit Abstand wichtigste Investitionsgrund bleibt die klassische Bedrohungsabwehr: 55 Prozent der weltweit Befragten nennen die Reaktion auf Angriffe wie Phishing, Malware, Ransomware und Social Engineering als Haupttreiber. Der Schutz von KI-Systemen selbst folgt international mit 38 Prozent auf Platz zwei, in Deutschland liegt dieser Anteil mit 33 Prozent etwas niedriger. Kostendruck und Fachkräftemangel runden die Liste der wichtigsten Investitionsgründe ab.
Einkaufsprozesse laufen schneller als man denkt
Trotz der Tragweite der Investitionen entscheiden Unternehmen vergleichsweise zügig: Im Schnitt vergehen sieben Monate zwischen der Erkenntnis, dass ein neues Sicherheitsprodukt benötigt wird, und der eigentlichen Anbieterauswahl. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) schließt den Prozess sogar in weniger als sechs Monaten ab.
Anbieter kommen dabei früh ins Spiel: 65 Prozent der potenziellen Käufer nehmen schon vor der Shortlist-Phase Kontakt zu Herstellern auf. Nur 9 Prozent warten bis zur finalen Entscheidungsrunde.
LLMs spielen bei der Anbieterwahl bereits eine Rolle
Bemerkenswert ist der Einfluss von Sprachmodellen auf den Einkaufsprozess: 20 Prozent der weltweit befragten Entscheider setzen LLMs sowohl in der Recherchephase als auch bei der finalen Auswahl ein, in den USA sind es mit 24 Prozent sogar noch etwas mehr. Bei der ersten Informationsbeschaffung dominieren allerdings weiterhin klassische Quellen: direkte Peers (35 Prozent), Analysten (32 Prozent), Branchenveranstaltungen (28 Prozent) und Fachmedien (26 Prozent).
Bei der endgültigen Entscheidung verschiebt sich das Bild leicht zugunsten von Branchenanalysten, Branchenevents, Peers und Unternehmensberatern, die jeweils zwischen 22 und 23 Prozent der Nennungen erhalten. Unter den Content-Formaten schneiden Analystenberichte mit Vendor-Erwähnung am besten ab (39 Prozent), gefolgt von Konferenzpanels (32 Prozent), Fallstudien und LLM-Ausgaben (jeweils 29 Prozent).
Integration und Preis-Leistung schlagen reine Kosten
Bei den harten Kaufkriterien zeigt sich ein klares Bild: 89 Prozent der Befragten nennen sowohl eine einfache Integration in bestehende Systeme als auch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis als wichtigste Faktoren. Knapp dahinter folgt der Nachweis erfolgreicher Implementierungen bei vergleichbaren Unternehmen mit 87 Prozent. Auffällig ist, dass Preis-Leistung den Befragten wichtiger ist als der reine Einkaufspreis.
Enno Hennrichs, Managing Director DACH bei The Hoffman Agency, ordnet die Zahlen ein: Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischer Spannungen bleibe die Investitionsbereitschaft hoch, Cybersecurity habe sich von einer reinen Risikofrage zu einer strategischen Priorität entwickelt. Für Anbieter bedeute die hohe Wechselbereitschaft der Kunden zugleich Chance und Aufgabe: Wer in Ausschreibungen bestehen wolle, müsse die gesamte Buyer Journey verstehen und auf eine breite Palette an Informationskanälen setzen, von Analystenberichten über Fachmedien bis hin zu LLMs.
(red)