Kritische Infrastruktur, kritische Lücken

Jedes zweite Energieunternehmen erleidet Cyberangriff mit Millionenschaden

Cyberrisiko

Die Digitalisierung verändert die Energiebranche. Moderne Technologien ermöglichen effizientere Netze, präzisere Wartung und eine bessere Integration erneuerbarer Energien. Gleichzeitig entstehen jedoch neue Sicherheitsrisiken.

Eine Studie des Sicherheitsunternehmens Kaspersky gemeinsam mit VDC Research zeigt, dass Cyberangriffe im Energiesektor inzwischen erhebliche wirtschaftliche Folgen haben können.

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Hohe Kosten durch Cybervorfälle

Nach Angaben der Studie „Powering Cyber Resilience in the Energy Sector“ war bereits etwa jedes zweite Energieunternehmen von einem Cybervorfall betroffen, dessen Schäden über eine Million US-Dollar lagen. Dabei entstehen nicht nur direkte Kosten für die Untersuchung von Sicherheitsvorfällen oder mögliche Lösegeldzahlungen. Auch Produktionsausfälle spielen eine große Rolle.

Ein erfolgreicher Angriff kann beispielsweise dazu führen, dass Betreiber den Zugriff auf zentrale Systeme verlieren. In solchen Fällen kann die Energieproduktion zeitweise stillstehen. Laut Studie führten Sicherheitsverletzungen bei den befragten Unternehmen im Durchschnitt zu rund 19 Stunden Produktionsunterbrechung.

Gleichzeitig befindet sich die Branche noch mitten im digitalen Wandel. Weniger als fünf Prozent der Energieunternehmen gelten derzeit als vollständig digitalisiert. Allerdings rechnen etwa drei Viertel der befragten Organisationen damit, diesen Stand innerhalb der nächsten zwei Jahre zu erreichen.

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Der Antrieb für die Digitalisierung liegt vor allem in wirtschaftlichen Zielen. Unternehmen möchten Produktionsprozesse effizienter gestalten, Betriebskosten senken und ihre Systeme widerstandsfähiger gegenüber Störungen machen.

Neue Technologien im Energiesystem

Um diese Ziele zu erreichen, setzen Betreiber zunehmend auf moderne digitale Technologien. Dazu gehören unter anderem KI-gestützte Analysen, digitale Zwillinge und Systeme für vorausschauende Wartung. Sie helfen dabei, Anlagenzustände frühzeitig zu analysieren und mögliche Ausfälle zu verhindern.

Auch automatisierte Drohnen oder Roboter werden immer häufiger eingesetzt, etwa für Inspektionen von Energieanlagen oder Stromnetzen. Solche Technologien können Wartungsarbeiten sicherer und effizienter machen.

Gleichzeitig unterstützen sie Netzbetreiber dabei, wichtige Kennzahlen zur Versorgungszuverlässigkeit zu verbessern. Dazu zählen beispielsweise die durchschnittliche Dauer von Stromunterbrechungen oder deren Häufigkeit innerhalb eines Versorgungsnetzes.

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Mehr Vernetzung bedeutet mehr Angriffsfläche

Mit der zunehmenden Digitalisierung wächst jedoch auch die Zahl potenzieller Angriffspunkte. Vor allem die stärkere Vernetzung von industriellen Steuerungssystemen und Betriebstechnologien erhöht die Angriffsfläche für Cyberkriminelle.

Diese Entwicklung stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Systeme, die ursprünglich isoliert betrieben wurden, sind heute häufig mit Unternehmensnetzwerken oder Cloud-Diensten verbunden. Dadurch entstehen zusätzliche Sicherheitsanforderungen.

Fachkräftemangel bremst Sicherheitsstrategien

Neben technischen Herausforderungen sehen viele Unternehmen auch organisatorische Probleme. Laut der Untersuchung betrachten 45 Prozent der Energieunternehmen den Mangel an Fachkräften für industrielle Cybersicherheit als eines der größten Hindernisse ihrer digitalen Transformation.

Hinzu kommt eine oft unklare Verantwortungsverteilung innerhalb der Organisationen. In rund 65 Prozent der Fälle liegt die Verantwortung für Sicherheitsrichtlinien im Bereich der IT. Nur ein kleiner Teil der Unternehmen sieht hingegen die Betriebstechnik selbst in einer führenden Rolle bei der Absicherung industrieller Systeme.

Aus Sicht von Kaspersky sollten Energieunternehmen stärker auf integrierte Sicherheitskonzepte setzen. Da IT-Systeme, Betriebstechnologie und industrielle IoT-Geräte zunehmend zusammenarbeiten, sei eine gemeinsame Sicherheitsstrategie notwendig.

Ebenso wichtig sei die Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern, die sowohl industrielle Steuerungssysteme als auch regulatorische Anforderungen der Branche kennen. Zusätzlich empfehlen die Experten den Einsatz spezieller Sicherheitslösungen für industrielle Umgebungen, die einen Überblick über alle Anlagen ermöglichen und ungewöhnliche Aktivitäten frühzeitig erkennen können.

Die Digitalisierung wird den Energiesektor in den kommenden Jahren weiter verändern. Intelligente Netze, automatisierte Anlagen und datenbasierte Steuerungssysteme eröffnen neue Möglichkeiten für eine stabile und nachhaltige Energieversorgung.

Damit diese Entwicklung erfolgreich bleibt, müssen Unternehmen jedoch auch die Sicherheitsseite im Blick behalten. Cyberresilienz entwickelt sich damit zu einem zentralen Bestandteil moderner Energieinfrastruktur.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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