Backup, Multi-Faktor und Co.

Welche Cybersecurity-Lektionen IT-Profis auf die harte Tour lernen mussten

Incident Response Team, Cybersecurity

In einer Reddit-Diskussion teilen IT-Experten und Anwender folgenschwere Cybersecurity-Fehler und die daraus gezogenen Lehren für den Alltag.

In einer Diskussion auf der Social-Media-Plattform Reddit berichten zahlreiche IT-Systemadministratoren und Cybersicherheits-Experten von ihren einschneidendsten Erlebnissen im Berufsalltag. Ein dominierendes und wiederkehrendes Thema ist das falsche Vertrauen in automatisierte Backup-Systeme. Viele Administratoren schildern Fälle, in denen die zentralen Backup-Dashboards über Monate hinweg fehlerfreie, grüne Statusmeldungen anzeigten. Die Software signalisierte tägliche, erfolgreiche Absicherungen aller Unternehmensdaten.

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Erst beim tatsächlichen Systemausfall, verursacht durch einen plötzlichen Hardware-Defekt oder eine gezielte Verschlüsselung durch eine Ransomware-Gruppe, stellte sich das wahre Ausmaß der Katastrophe heraus. Beim Versuch, die Daten wiederherzustellen, brachen die Prozesse ab. Die gesicherten Datenblöcke waren auf den Speichermedien unbemerkt korrumpiert, oder vitale Datenbankkomponenten waren aufgrund fehlerhafter Ausschlussregeln in der Konfiguration niemals real gesichert worden.

Ein betroffener IT-Leiter schilderte ein Szenario, bei dem eine Schadsoftware im Netzwerk unbemerkt zuerst die online erreichbaren Backup-Server kompromittierte und alle darauf befindlichen Systemabbilder löschte, bevor der eigentliche Angriff auf die primären Produktionsserver gestartet wurde. Die im Netzwerk verknüpften Sicherungen waren dadurch vollständig wertlos. Ein Diskussionsteilnehmer fasste die fundamentale Erkenntnis aus diesen schmerzhaften Erfahrungen in einem prägnanten Satz zusammen: „Ein Backup existiert erst, wenn die Wiederherstellung erfolgreich getestet wurde.“ Die Experten betonen in ihren Berichten, dass eine Datensicherung ohne regelmäßige, dokumentierte Wiederherstellungsübungen auf völlig isolierten, vom Netzwerk getrennten Speichermedien kein verlässlicher Schutz gegen totalen Datenverlust ist.

Umgehung der Multi-Faktor-Authentifizierung in der Cybersecurity

Ein weiterer Schwerpunkt der Praxisberichte liegt auf der gezielten Aushebelung von modernen Schutzmechanismen durch psychologische Manipulation und technische Raffinesse. Obwohl die Multi-Faktor-Authentifizierung als einer der wichtigsten Sicherheitsstandards gilt, berichten Sicherheitsanalysten von erfolgreichen Angriffen, die diese Barriere komplett bedeutungslos machten. Ein häufig genanntes Szenario ist das sogenannte MFA-Fatigue-Push-Flooding. Hierbei erlangen Angreifer zunächst die primären Passwörter der Mitarbeiter durch klassische Phishing-Seiten.

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Da der Zugriff jedoch durch eine Bestätigungs-App auf dem Smartphone geschützt ist, bombardieren die Täter das Mobiltelefon des Opfers mitten in der Nacht im Sekundentakt mit dutzenden Authentifizierungsanfragen. Viele Nutzer bestätigen die Anmeldung irgendwann aus purem Schlafmangel, Unachtsamkeit oder in der fälschlichen Annahme, es handele sich um einen technischen Systemfehler der Firmensoftware, um das ständige Vibrieren des Geräts zu stoppen.

Zudem weisen die Fachleute auf die stark steigende Gefahr von Adversary-in-the-Middle-Angriffen hin. Dabei schalten die Angreifer eine gefälschte Anmeldeseite direkt zwischen den Nutzer und den echten Dienst. Gibt der Mitarbeiter dort seine Daten und das kurzzeitig gültige MFA-Token ein, fängt die Infrastruktur der Angreifer diese Informationen ab. Die Täter stehlen das im Hintergrund generierte, gültige Sitzungs-Cookie des Browsers. Mit diesem Cookie können sich die Kriminellen von jedem beliebigen Computer weltweit ohne erneute Passwort- oder MFA-Abfrage in das Firmennetzwerk einloggen.

In der Diskussion wird deutlich, dass rein technische Barrieren wirkungslos bleiben, wenn Mitarbeiter nicht fortlaufend und praxisnah auf diese hochentwickelten Betrugsmuster geschult werden. Insbesondere die Nutzung von SMS-basierten Codes wird aufgrund der Anfälligkeit für SIM-Swapping-Angriffe, bei denen Mobilfunkkarten von Kriminellen gekapert werden, als veraltet und unsicher eingestuft.

Menschliche Fehlgriffe und fatale Tippfehler mit Administrationsrechten

Die Erfahrungsberichte verdeutlichen, dass beträchtliche Schäden in IT-Infrastrukturen oft nicht durch externe Angreifer, sondern durch interne Flüchtigkeitsfehler unter hohem Zeitdruck entstehen. Mehrere Systembetreuer teilen Berichte über das versehentliche Ausführen von destruktiven Löschbefehlen im falschen Terminal-Fenster. Häufig hatten die Administratoren mehrere Verbindungen zu verschiedenen Servern gleichzeitig geöffnet. Da die Fenster visuell identisch aufgebaut waren, wurde ein radikaler Löschbefehl oder ein Formatierungsskript auf dem produktiven Hauptserver statt auf der dafür vorgesehenen, isolierten Testumgebung ausgeführt. Dies führte zur sofortigen, unwiderruflichen Löschung aktiver Kundendatenbanken.

Ein weiteres, weit verbreitetes Problem ist das unabsichtliche Veröffentlichen von geheimen Zugangsdaten, API-Schlüsseln und kryptografischen Zertifikaten in öffentlichen Quellcode-Verzeichnissen wie GitHub. Entwickler integrieren diese sensiblen Schlüssel während der Programmierphase oft direkt in den Code, anstatt sie in separaten, geschützten Umgebungsvariablen auszulagern. Wird das Projekt anschließend auf eine öffentliche Plattform hochgeladen, ist der Schaden kaum noch abzuwenden.

Spezialisierte, automatisierte Bots von Cyberkriminellen scannen diese Quellcode-Plattformen rund um die Uhr nach Mustern von Cloud-Zugangsdaten ab. In vielen dokumentierten Fällen wurden die offengelegten Schlüssel bereits weniger als drei Minuten nach dem Hochladen missbraucht. Die Diebe nutzen die Zugänge sofort, um im Namen des geschädigten Unternehmens extrem teure Hochleistungs-Recheninstanzen in der Cloud zu starten, um damit Kryptowährungen zu schürfen. Dies verursacht innerhalb kürzester Zeit finanzielle Schäden im fünfstelligen Bereich.

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Unbemerkte Sicherheitsrisiken durch Schatten-IT und Altsysteme

Ein wiederkehrendes strukturelles Problem in vielen Unternehmensnetzwerken ist die Existenz vergessener Hardware. Systemadministratoren berichten von schweren Netzwerkeinbrüchen, die über alte, im Serverraum physisch vergrabene Testrechner oder unautorisiert beschaffte Geräte der Belegschaft erfolgten. Häufig handelte es sich dabei um einfache Netzwerkspeicher, veraltete Router oder intelligente Labor- und Gebäudesteuerungsgeräte, die von einzelnen Abteilungen für den Eigenbedarf ohne Absprache mit der zentralen IT-Abteilung direkt an die Netzwerkdosen angeschlossen wurden.

Da diese Geräte von den automatisierten Inventarisierungswerkzeugen der IT-Abteilung nicht erfasst wurden, erhielten sie über Jahre hinweg keine Firmware-Updates oder Sicherheits-Patches. Sie wiesen somit öffentlich bekannte und leicht auszunutzende Sicherheitslücken auf. Cyberkriminelle scannen Netzwerke gezielt nach solchen Schwachstellen ab. Sobald sie die Kontrolle über ein solches vergessenes Gerät erlangt haben, nutzen sie es als Brückenkopf.

Von dieser Position aus bewegen sie sich lateral durch das gesamte interne Netzwerk, spähen weitere Systeme aus und versuchen, administrative Rechte für die zentrale Domänensteuerung zu erlangen. Die Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass eine lückenlose und kontinuierliche Erfassung aller mit dem Netzwerk verbundenen Geräte die absolute und unverzichtbare Basis für jede funktionierende Sicherheitsarchitektur bildet.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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