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Bild: Knowbe4

Frauen sind in der Cybersicherheit unterrepräsentiert und das obwohl die ersten EDV-Berufe lange bevor es den Begriff IT-Sicherheit gab, in den USA und Deutschland vornehmlich von Frauen ausgeübt wurden. Diese Entwicklung endete jedoch noch bevor es das Internet gab.

Inzwischen ist das Bild des Informatikers vor allem von männlichen Stereotypen geprägt. Doch seit einigen Jahren wandelt sich das Bild von der Männerdomäne hin zu einem innovativen und für beide Geschlechter interessanten Berufsfeld – das liest man allenthalben.

Doch ist das tatsächlich so? Mittlerweile sollen weltweit 20 % Frauenanteil in der Cybersecurity tätig sein. Ich weiß nicht, wie Sie als wahrscheinlich männlicher Leser dieses Artikels das empfinden, aber wenn ich an Konferenzen oder Messen im Kontext IT-Sicherheit denke, dann sehe ich eine fast ausschließlich durch Männer besuchte Veranstaltung. Die überwiegende Anzahl der Damen auf diesen Events bekleiden einen Job als Hostess. Traurig aber wahr! Und das im 21. Jahrhundert. 

Dabei hatte alles ganz vielversprechend angefangen. Kennen Sie Ada Lovelace (1815-1852)? Die Dame war Mathematikerin – für Ihre Zeit mehr als außergewöhnlich – und man sagt ihr nach, das erste Programm für eine Maschine geschrieben zu haben. Das geschah in den 30iger Jahren des 19. Jahrhunderts - 100 Jahre vor der Erfindung des ersten Computers. Und auch nach ihr kamen viele Frauen, die maßgeblich an der Entwicklung desselben mitgewirkt haben. Doch wie bei vielen erfolgreichen Frauen der vergangenen 200 Jahre sind ihre Namen in der Regel nicht bekannt, was hinsichtlich der gesellschaftlichen Stellung der Frau in diesen Zeiten auch nicht verwundert. 

Ich habe mir einmal den Spaß gemacht und bei den einschlägigen Social Media Kanälen der Berufswelt nach CISOs zu recherchieren. Das Ergebnis ist sicherlich keine repräsentative Studie und doch zeichnet es ein Gesellschaftsbild in der IT-Industrie nach. Die ersten 30 Seiten bei LinkedIn – es gibt weit mehr - umfassen 300 Personenprofile, die als Verantwortung CISO hinterlegt haben. Bei meiner Suche habe ich dabei 16 Frauen identifiziert, davon sage und schreibe eine in Deutschland. Ganz schön mager! Nun kollidieren hier womöglich gleich zwei Faktoren: IT-Industrie und Führungsposition – da sehen wir Frauen doppelt schlecht aus, jedenfalls in Deutschland. 

Dabei haben wir tolle Frauen in diesem Land! Hochintelligent, hervorragend ausgebildet! Woran liegt es also, dass nach wie vor so wenig Frauen diesen Karriereweg einschlagen? Kennen Schulabsolventinnen gegebenenfalls nicht die Vielfalt an Expertisen, die „frau“ in einen Beruf der IT-Sicherheit einbringen und ihn bereichern kann? 

Im Idealfall sollten Programme zur Förderung des Interesses an der Cybersicherheit für beide, Jungen wie Mädchen bereits an der Schule beginnen. Zugegeben hat diese Forderung bei dem aktuellen Zustand der digitalen Ausstattung unserer Schulen in Deutschland eine gewisse Ironie, wie wir spätestens seit Corona wissen. Dennoch – zumindest für die Zukunft muss das unser Anspruch sein!  

Dabei sollte vor allem die „Security Awareness“ Bestandteil sein, also das eigene Einhalten einer grundlegenden Cyber-Hygiene. Über hinaus: Wie funktionieren Social-Engineering-Attacken – also Angriffe auf den Menschen und nicht die Infrastruktur – und wie sind sie zu erkennen. Das Vermitteln dieser Kompetenz ist schließlich für jeden privaten Nutzer von größter Wichtigkeit und lässt nebenbei unsere neuen Generationen zu verantwortungsvollen digitalen Bürgern heranwachsen.  

Darüber hinaus könnten aber auch technische Schulungen angeboten werden, um Programmiersprachen für Cloud-Umgebungen wie „Python“, „Java“ oder „Go“ in Grundzügen zu vermitteln. Mit solchen Initiativen kann es für eine junge Frau viel greifbarer werden, sich für MINT-Studienfächer und damit auch für einen Job in der Cybersicherheit zu entscheiden.

Nichtsdestotrotz wäre es aber eine wichtige, ja zwingende Entwicklung, wenn Sie, liebe Leser, als Verantwortliche in der Cybersecurity, Frauen fördern! Machen Sie über Programme in Ihrem Unternehmen auf Ihren so spannenden Arbeitsbereich aufmerksam, um auch Quereinsteigerinnen zu identifizieren. Das ist Marketing für Ihren Bereich und bringt Ihnen gute Leute - im übrigen auch Aufmerksamkeit bei der Geschäftsführung. Das kann ihrem eigenen Erfolg ganz gewiss nicht schaden. 

Fazit

Cybersicherheit sollte divers sein und noch deutlich vielfältiger werden. Dabei geht es nicht darum, einfach nur mehr Frauen für die Cybersicherheit zu begeistern. Es geht vielmehr auch darum aufzuzeigen, dass weibliche Experten andere Ansatzpunkte, Denk- und Herangehensweisen in die Profession einbringen. Hier liegt ein unschätzbarer Mehrwert für die gesamte Security Community und die Weiterentwicklung der unterschiedlichen Berufe in der Cybersicherheit. Genauso wie jede andere Industrie ist die Cybersicherheit nur ein Abbild des normalen Alltags in dem sich Geschlechterrollen auflösen und eine neue Gesellschaft bilden muss. Spätestens dann wird es keine Artikel wie diesen hier mehr benötigen.

Christine Kipke, Senior Advisor
Christine Kipke
Senior Advisor, KnowBe4

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