Der „Human Layer“

Warum IT-Innovationen an Kommunikation scheitern

Innovation

IT-Modernisierung wird oft als technische oder finanzielle Herausforderung gesehen. Doch die größte Hürde für Innovation ist weder das Budget, noch die Komplexität – es sind Neid, Bescheidenheit und Angst vorm Scheitern.

In den aktuellen Diskussionen rund um Innovationen in der IT steht meist die technologische Komplexität im Vordergrund. Fehlendes Wissen und starre Strukturen werden treffend als Modernisierungshindernisse identifiziert. Doch wer den Blick auf Corporate Start-ups richtet – also junge Unternehmen oder Innovationseinheiten, die von etablierten Konzernen gegründet werden, um disruptive Technologien zu entwickeln –, erkennt ein tieferliegendes Problem, das sich auch auf viele andere Innovationen übertragen lässt. Start-ups scheitern meist nicht an mangelhafter Technik oder knappen Budgets, sondern an einer defizitären Kommunikation. Diese als strategisches Management-Tool zu sehen, das den Erfolg neuer Ideen erst ermöglicht, bringt einen entscheidenden Business-Vorteil.

Anzeige

Der Culture Clash: Wenn der „Hoodie“ auf den „Anzug“ trifft

Ein zentrales Problem bei der Gründung von agilen IT-Einheiten ist die räumliche und kulturelle Trennung vom Mutterkonzern. Corporate Start-ups ziehen oft in urbane Metropolen, um Zugang zu spezialisierten Talenten zu erhalten, was jedoch in den Konzernzentralen schnell zu Irritationen und Entfremdung führt. In diesem Spannungsfeld entsteht der bildliche „Culture Clash“ zwischen Old und New Economy – Hoodie gegen Anzug.

Innerhalb der Stammbelegschaft werden diese neuen Einheiten häufig als „privilegierte Newcomer“ wahrgenommen. Während die IT-Abteilungen im Haus mit Legacy-Systemen, Compliance-Vorgaben und Budgetkürzungen kämpfen, agieren die Corporate Ventures scheinbar losgelöst von diesen Zwängen mit moderner technischer Ausstattung und agilen Methoden. Ohne eine begleitende Kommunikationsstrategie entwickelt sich daraus eine toxische Neid-Kultur. Und diese wirkt wie ein Bremsklotz für jede Vision: Synergien werden blockiert, der Wissenstransfer zwischen den Einheiten kommt zum Erliegen und das Start-up wird vom internen „Immunsystem“ des Konzerns abgestoßen .

Die Bescheidenheitsfalle: Warum Technik allein nicht überzeugt

Viele IT-Spezialisten leiden unter einer ausgeprägten Tendenz zur technischen Zentriertheit. Sie gehen davon aus, dass die technologische Überlegenheit einer neuen (hybriden) Infrastruktur für sich selbst spricht. Wir nennen das die „Bescheidenheitsfalle“: Hier wird lieber über Ergebnisse gesprochen als über Visionen. Die Lösung steht im Mittelpunkt, nicht die Story.  Doch im Kontext großer Organisationen birgt das Schweigen ein hohes Risiko. Wo Informationen über den Sinn und Zweck einer Innovation fehlen, füllen Gerüchte und Skepsis das Vakuum. Und wo eine Storyline rund um technische Innovationen, beispielsweise im KI-Bereich, fehlt, übernimmt eine grundsätzliche Abwehrhaltung oft das Ruder.

Anzeige

Erfolgreiches IT-Management erfordert daher, die eigene Vision intern aktiv zu „verkaufen“. Es reicht nicht aus, einen Business-Case auf Papier zu haben; das IT-Venture benötigt eine klare Vision und Mission, die über rein ökonomische Kennzahlen hinausgeht. Führungskräfte müssen lernen, das „Why“ hinter der Modernisierung so zu kommunizieren, dass es für die Stakeholder im Mutterkonzern nachvollziehbar wird. Kommunikation muss hier als Komplexitätsreduzierer wirken, indem sie den strategischen Nutzen der neuen Technologie in den Vordergrund rückt und nicht nur deren technische Spezifikationen.

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.

Offene Kommunikation: Ein strategisches Tool zur Akzeptanzsteigerung

Die Akzeptanz für IT-Innovationen lässt sich nicht verordnen, sondern muss durch eine transparente Strategie erarbeitet werden. Das bedeutet für das IT-Management konkret, dass sie Kommunikation als festen Bestandteil ihrer Architektur begreifen muss – ähnlich wie die IT-Security. Ein Corporate Start-up darf nicht als abgeschottetes Labor agieren, sondern muss durch regelmäßige Austauschformate und offene Kommunikation Vertrauen aufbauen.

Ein wirkungsvoller Hebel ist hierbei das Personal Branding der verantwortlichen Führungskräfte. Wenn IT-Leads als nahbare Experten sichtbar werden – sowohl öffentlich auf Plattformen wie LinkedIn als auch intern in Townhall-Meetings und Sprechstunden –, steigert dies die Glaubwürdigkeit der gesamten Transformation. Eine authentische Kommunikation über Herausforderungen und Learnings reduziert die im Konzern oft vorherrschende Angst vor dem Scheitern und fördert eine moderne Fehlerkultur. Am Ende entscheiden nicht die Zeilen Code über den Erfolg einer Digitalisierungsstrategie, sondern die Fähigkeit der IT-Profis, als „Dolmetscher“ zwischen den Kulturen aufzutreten und die gesamte Organisation auf die Reise zur Modernisierung mitzunehmen .

How-to Innovationskommunikation:

Sichtbarkeit statt Bescheidenheit: Das Problem ist nicht, dass es zu wenig Innovationen gibt. Das Problem ist, dass zu wenig über Innovationen gesprochen wird. Das gilt es zu ändern!

Brücken bauen: Kulturvermittler können den Graben zwischen Old und New Economy schließen und treten so als interne Dolmetscher auf.

Nutzen vor Features: Was verändert die Innovation? Was macht sie einfacher, wo hilft sie im Alltag? Innovationskommunikation heißt Vorteilskommunikation.

Personal Branding: Menschen hören gerne anderen Menschen zu. Eine visionäre Gründerfigur oder Spokes Person hilft, die Innovation nach außen zu tragen.

Friese

Eva

Friese

Geschäftsführerin

Storypark

Eva Friese ist eine Expertin für Kommunikation an der Schnittstelle von Konzern und Innovation. Als Geschäftsführerin der Agentur Storypark betreut sie Innovationseinheiten von DAX-Konzernen und großen Mittelständlern. Gemeinsam mit Storypark Co-Geschäftsführer Markus Mayr veröffentlichte sie bei Springer Gabler das Buch „Von Konzernkindern zu Marktmeistern“.
Anzeige

Artikel zu diesem Thema

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.