Freigrenze fällt weg

EU-Zollreform: So ändert sich der Paketversand nach Europa

Zoll Paket
Bildquelle: Claudio Divizia/Shutterstock.com

Ab Juli 2026 macht die EU Schluss mit zollfreien Billigpaketen. Drei Euro pro Artikel, dazu bald zwei Euro Bearbeitungsgebühr. Was bedeutet das für Shein, Temu und Co. ?

Wer regelmäßig bei Temu oder Shein bestellt, hat bisher von einer stillen Subvention profitiert: Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro kamen zollfrei in die EU. Das ändert sich zum 1. Juli 2026 grundlegend. Dann greift eine neue EU-Regelung, die auf Pakete aus Drittstaaten pauschal drei Euro Zollabgabe pro Produktkategorie erhebt, unabhängig vom Warenwert. Darüber informiert aktuell der Logistikdienstleister Spring GDS, der Teil der PostNL-Gruppe ist.

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Warum jetzt?

Der Anstoß für die Reform ist schnell erklärt: Das Volumen der geringwertigen Pakete aus Nicht-EU-Ländern ist schlicht explodiert. Täglich landen rund zwölf Millionen Sendungen unter der 150-Euro-Schwelle in der EU, aufs Jahr gerechnet sind das über 4,6 Milliarden Pakete. 91 Prozent davon kommen aus China, größtenteils über Marktplätze wie AliExpress, Shein und Temu. Allein nach Deutschland gehen laut Handelsverband Deutschland täglich rund 400.000 Pakete von Shein und Temu.

Die bestehenden Zollstrukturen waren auf dieses Volumen schlicht nicht ausgelegt. Betrug, fiskalische Ungleichheit gegenüber europäischen Händlern und der massenhafte Missbrauch der Niedrigwertregelung haben die Reform politisch beschleunigt.

Was konkret gilt

Die neue Regelung sieht eine Pauschale von drei Euro je Produktkategorie innerhalb eines Pakets vor. Enthält eine Sendung also T-Shirts und Handyhüllen, fallen die drei Euro zweimal an. Ab November 2026 soll zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Paket dazukommen. Die genauen Bedingungen dafür stehen noch unter dem Vorbehalt endgültiger Leitlinien der Europäischen Kommission.

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Wichtig: Die Regelung gilt nicht nur für chinesische Plattformen, sondern für alle Sendungen aus Nicht-EU-Ländern, also auch aus Großbritannien. Die neue Pauschalsteuer ist außerdem als Übergangslösung gedacht. Eine umfassendere Zollreform soll voraussichtlich 2027 folgen.

Parallel dazu führen einzelne EU-Mitgliedsstaaten bereits eigene Gebühren ein. Frankreich, Rumänien und Italien erheben schon nationale Verwaltungsabgaben.

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Was das für den E-Commerce bedeutet

Für Händler mit hohen Versandvolumina und niedrigen Margen trifft die Reform empfindlich. Geschäftsmodelle, die auf dem Versand vieler billiger Einzelartikel basieren, geraten unter Druck, denn jeder Artikel, der bisher zollfrei ankam, kostet nun extra. Bei einem fünf Euro teuren Artikel macht die Zollpauschale bereits 60 Prozent des Warenwerts aus.

Spring GDS sieht darin allerdings weniger eine Krise als einen Strukturwandel. „2026 ist ein struktureller Wendepunkt”, sagt Stefan Böhler, Managing Director Germany bei Spring GDS. „Händler müssen weg von reaktiver Logistik hin zu strategischer Supply-Chain-Planung mit kalkulierbaren Checkout-Kosten, Klarheit an den Grenzen und einer zuverlässigen Zustellung bis an die Haustür.“

Für Händler bedeutet das: Wer weiter wettbewerbsfähig in der EU verkaufen will, muss seine Lieferkette neu denken. Regionale Fulfillment-Lager innerhalb der EU werden attraktiver, weil sie die neuen Zollhürden umgehen. Logistikpartner, die regulatorische Komplexität aktiv managen, werden zum strategischen Faktor.

(lb/Spring GDS)

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