Buy Now Pay Later – Apples Pläne werden zum Fintech-Schreck

Apple Pay
Bildquelle: Primakov / Shutterstock.com

Heute kaufen, später bezahlen – Ratenkredite, insbesondere bei kleineren Summen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Unter dem Slogan „Buy Now Pay Later“ haben diverse Fintech-Unternehmen – große wie kleine Player – in den letzten Jahren Services ausgerollt, die es Kunden einfach und komfortabel ermöglichen, mit nur wenigen Klicks einen Kauf auf Kredit abzuschließen. Das freut nicht nur Zahlungsabwickler, sondern auch Einzelhändler, denn mit dem Trend verbessert sich die Conversion Rate und auch Warenkörbe werden nicht selten voller.

BNPL – Wachstumstrend mit Tücken

Der FIS Global Payments Report rankt BNPL hinter digitalen Wallets (wie etwa PayPal) im Jahr 2021 bereits als die beliebteste Zahlungsart im Onlinehandel mit beachtlichen 19,7 Prozent. Das Angebot spricht dabei in erster Linie jüngere Kunden an, was zuletzt auch eine Debatte um die soziale Verantwortung der Anbieter auslöste. Gerade im Zuge des eCommerce-Hypes, welcher durch die Covid-Pandemie ausgelöst wurde, konnten BNPL-Anbieter beachtliche Bewertungen erzielen, während auch diverse etablierte Zahlungsverkehrsanbieter darauf bedacht waren, eigene Angebote zu entwickeln und zeitnah zu launchen.

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Mittlerweile ist die Euphorie um den Bezahltrend BNPL merklich abgeflacht. Die Wachstumszahlen im Bereich eCommerce und digitales Bezahlen blieben zuletzt hinter den Erwartungen zurück. Wachstumszahlen aus der Pandemie ließen sich nicht fortschreiben, während zuletzt auch das makroökonomische Umfeld deutlich nachließ. Ein schwaches Konsumklima drückt die Umsätze. Noch dramatischer könnte jedoch sein, dass im Zuge der schlechteren Wirtschaftslage, der höheren Inflation und durch anziehende Zinsen mehr und mehr Verbraucher ausstehende Raten nicht mehr begleichen können dürften. Gerade das Zinsumfeld birgt Tücken, da viele Anbieter bisher den Verbrauchern einen bestimmten Zeitraum einräumen, auch ohne Zinsen ihre Raten abzutragen. Steigt nun das Zinsumfeld, dürfte diese Praxis für viele Anbieter noch einmal deutlich schwieriger zu finanzieren sein. 

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Bildquelle: FIS
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Bildquelle: FIS

Starke Positionierung bedroht Konkurrenz

In dieser merklich komplexeren Marktlage hat nun ausgerechnet Tech-Gigant Apple seinen Hut in den Ring geworfen und angekündigt, ebenfalls im umkämpften BNPL-Markt Fuß fassen zu wollen. Apple Pay ist bereits seit Jahren als digitales Wallet bei vielen Nutzern – insbesondere in den USA sehr beliebt und erfreut sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Mit der Ausweitung des Angebots auf „Buy Now Pay Later“ wird die Nutzerfreundlichkeit des Dienstes nun weiter gestärkt und gerade für jüngere Nutzer noch attraktiver. Die Aussichten für den Bezahldienst gelten gemeinhin als ausgezeichnet, da Apple ein weiterer Trend in die Karten spielt: Onlinekäufe werden verstärkt über mobile Endgeräte getätigt, auf denen den Lösungen Apples natürlich prominent platziert sind. Schon heute bestehen Rechtsstreitigkeiten, inwieweit Apple seine „Hausmacht“ auf eigenen Geräten gegenüber anderen Wallet-Betreibern ausspielen darf.

Die Ankündigung von Apple ist für die Fintech-Konkurrenz in verschiedener Hinsicht bedrohlich. Über die Marktmacht des Services bestehen schon heute wenig Zweifel, hinzu kommt, dass Apple über eine extrem starke Bilanz verfügt, deutlich weniger anfällig für makroökonomische Schwankungen ist als diverse Konkurrenten. Apple setzt stärker denn je auf Eigenregie und will die Bereiche Bonitätsprüfung und Kreditvergabe selbst übernehmen. Der Riese aus Cupertino hat dazu ein eigenes Tochterunternehmen namens Apple Financing LLC gegründet. Man scheint gewillt zu sein, die eigene Finanzkraft gegen die Konkurrenz zu nutzen und das von Investoren besonders geschätzte Servicegeschäft weiter auszubauen. Apple-Nutzer dürften darüber hinaus zu einkommensstärkeren Nutzergruppen gehören. Für andere Anbieter besteht die Gefahr, dieses besonders attraktive (weil weniger von Ausfällen betroffene) Segment zu verlieren. 

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Fintech-Konsolidierung voraus? 

Die Pläne werden die Akzeptanz von Apple Pay weiter verbessern, dem Unternehmen somit neue Datenzugänge ermöglichen und darüber hinaus die Position von Apple gegenüber Händlern weiter stärken. So scheinen die Chancen gut, dass es Apple gelingt, den Bezahldienst in den nächsten Jahren weiter erfolgreich auszubauen. Längst ist klar, dass die US-Amerikaner dem Zahlungsverkehr eine gewichtige Rolle in der zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens zugestehen. Vor Monaten hatte man bereits einen Softwareplayer übernommen, mit dessen Hilfe Apple-Endgeräte als Zahlungsterminals genutzt werden können. Somit wird es spannend sein zu sehen, welche weiteren Schritte in Cupertino geplant werden. 

Für die Fintechbranche bedeuten die Ambitionen solcher Branchenriesen nach der Hochphase der Pandemie einen echten Stresstest. So ist davon auszugehen, dass die nächsten Jahre eher von einer Phase der Konsolidierung geprägt sein werden. Für Tech-Riesen aber auch für etablierte Großbanken dürften sich hier Chancen ergeben, das eigene Ökosystem strategisch zu ergänzen. 

Bernd Richter FIS

Bernd Richter

FIS -

Experte für Zahlungsverkehr

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