Smart City Index

Stuttgart ist Deutschlands digitalste Großstadt

Stuttgart

Stuttgart hat München im diesjährigen Smart City Index überholt und steht erstmals an der Spitze des Rankings der deutschen Großstädte.

Der baden-württembergischen Landeshauptstadt gelingt der Sprung auf Platz eins vor allem deshalb, weil sie in allen fünf untersuchten Bereichen zu den zehn stärksten Städten gehört.

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Stuttgart punktet über alle Bereiche hinweg

Mit 92,8 von 100 Punkten setzt sich Stuttgart knapp vor München mit 92,0 Punkten und Hamburg mit 91,5 Punkten. Auf den weiteren Plätzen folgen Nürnberg mit 91,3 Punkten und Düsseldorf mit 90,9 Punkten. Aachen schafft mit 85,5 Punkten erstmals den Sprung in die Top 10 und verbessert sich um sechs Positionen.

Stuttgarts Stärke liegt dabei weniger in einem einzelnen Vorzeigeprojekt als in der Breite der Digitalisierung. Bei Energie und Umwelt erreicht die Stadt den ersten Platz, bei der Verwaltung Rang drei. In den Bereichen IT und Kommunikation, Gesellschaft und Bildung sowie Mobilität landet Stuttgart ebenfalls unter den besten zehn.

Der Digitalverband Bitkom hat den Smart City Index in diesem Jahr zum achten Mal erstellt. Insgesamt wurden 83 deutsche Großstädte mit mindestens 100.000 Einwohnern untersucht.

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Das Spitzentrio rückt näher zusammen

Das Rennen um die vorderen Plätze wird zunehmend enger. Zwischen Stuttgart auf Rang eins und Hamburg auf Rang drei liegen lediglich 1,3 Punkte. Im Vorjahr betrug der Abstand zwischen den drei führenden Städten noch 2,2 Punkte.

Gleichzeitig steigt das allgemeine Digitalisierungsniveau. Die untersuchten Großstädte erreichen durchschnittlich 73,8 Punkte und damit drei Punkte mehr als im Vorjahr. Für einen Platz unter den zehn besten Städten waren inzwischen 85,5 Punkte erforderlich. 2023 hätten dafür noch 76,6 Punkte genügt.

Damit reicht es nicht mehr aus, den eigenen Digitalisierungsstand konstant zu halten. Städte müssen ihre Angebote und Strukturen weiterentwickeln, wenn sie im Vergleich nicht zurückfallen wollen.

Smart City Index
Bildquelle: Bitkom
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Erlangen und Hildesheim machen große Sprünge

Besonders dynamisch entwickeln sich einige Städte aus dem Mittelfeld. Erlangen verbessert sich um 19 Plätze auf Rang 56. Ausschlaggebend ist unter anderem die Verwaltung: Dort steigt die Stadt um 43 Positionen. Sämtliche abgefragten OZG-Leistungen sind inzwischen digital verfügbar, hinzu kommen digitale Terminbuchungen sowie weitgehend digitalisierte interne Prozesse und Bezahlvorgänge.

Auch Hildesheim macht 19 Plätze gut und landet auf Rang 60. Die Stadt setzt unter anderem auf elektronische Akten, Dokumentenmanagement und den Einsatz künstlicher Intelligenz in den Ämtern. Ergänzt wird die Digitalisierung durch eine digitale Wärmeplanung und eine ausgebaute Ladeinfrastruktur.

Noch weiter nach vorne geht es für Mönchengladbach. Die Stadt verbessert sich um 18 Plätze auf Rang 12 und erreicht damit erstmals die Top 20. Vor allem bei der Mobilität macht sie Fortschritte, unter anderem durch eine KI-gestützte Verkehrssteuerung, ein digitales Verkehrsschildkataster und WLAN im öffentlichen Nahverkehr.

Auch Bremen setzt seinen Aufwärtstrend fort. Mit 78,9 Punkten steigt die Stadt um 13 Plätze auf Rang 29 und erreicht damit ihre bislang beste Platzierung im Index.

Fortschritte können schnell wieder verloren gehen

Nicht alle Städte entwickeln sich in die gleiche Richtung. Paderborn, Heilbronn und Koblenz verlieren jeweils 16 Plätze. Dresden fällt um zwölf Positionen auf Rang 30 zurück. Noch 2023 hatte Dresden Platz sechs und damit einen Rang unter den Top 10 erreicht.

Auch Darmstadt rutscht um elf Plätze auf Rang 28 ab, obwohl die Stadt in der Kategorie Gesellschaft und Bildung den ersten Platz belegt. Im Gesamtranking zeigt sich damit, dass eine hohe Leistung in einem einzelnen Bereich nicht automatisch für eine Spitzenposition sorgt.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst beschreibt die Entwicklung als zunehmenden Wettbewerb: Digitalisierung sei in vielen Rathäusern inzwischen von der Projektarbeit zu einer dauerhaften Aufgabe geworden. Wer bei diesem Prozess langsamer vorankomme, könne im Ranking schnell von anderen Städten überholt werden.

Die besten Lösungen liegen nicht nur an der Spitze

Der Blick auf die einzelnen Kategorien zeigt, dass sich digitale Vorreiter nicht ausschließlich unter den führenden Gesamtplatzierungen finden. Nürnberg und Krefeld teilen sich mit jeweils 100 Punkten den Spitzenplatz in der Verwaltung. Stuttgart führt bei Energie und Umwelt, während Hamburg bei IT und Kommunikation sowie bei der Mobilität vorn liegt. Darmstadt erreicht in Gesellschaft und Bildung den ersten Platz.

Auch Osnabrück, Braunschweig, Berlin, Kiel und Gelsenkirchen erzielen in einzelnen Kategorien deutlich bessere Ergebnisse als im Gesamtranking. Magdeburg etwa verbessert sich bei Gesellschaft und Bildung um 40 Plätze auf Rang zwölf, liegt insgesamt jedoch nur auf Rang 73.

Für Bitkom zeigt sich daran, dass Kommunen voneinander lernen können. Erfolgreiche Lösungen in einzelnen Bereichen könnten als Vorlage für andere Städte dienen.

Digitalisierung soll auch Krisenfestigkeit erhöhen

Welche konkreten Anwendungen dahinterstehen, zeigen Beispiele aus der kommunalen Praxis. Dortmund hat beispielsweise ein Messnetz mit 76 Stationen aufgebaut, um die Hitzebelastung im Stadtgebiet zu erfassen. Die Daten werden über ein Dashboard dargestellt und sollen dabei helfen, besonders betroffene Gebiete frühzeitig zu erkennen.

Solingen arbeitet dagegen an einer digitalen Erweiterung der Krisenkommunikation. Das Projekt SMARTKRIS soll Bürgerinnen und Bürger während einer Krisensituation nicht nur über deren Beginn und Ende informieren, sondern auch ortsspezifische Informationen, Ansprechpartner und Kontaktdaten bereitstellen.

Bitkom fordert angesichts solcher Projekte, erfolgreiche kommunale Digitalisierung langfristig abzusichern. Viele Lösungen sind bislang aus zeitlich begrenzten Förderprogrammen hervorgegangen. Nach Ansicht des Verbands braucht es deshalb dauerhaft finanzierte digitale Basisinfrastrukturen, offene Standards und einfachere Möglichkeiten für Kommunen, bereits erprobte Lösungen einzusetzen.

Bayern führt bei den Bundesländern

Auf Ebene der Bundesländer ergibt sich ein anderes Bild als beim Vergleich der Einzelstädte. Bayern löst Baden-Württemberg als stärkstes Bundesland ab. Die bayerischen Großstädte erreichen im Durchschnitt 79,9 Punkte, Baden-Württemberg kommt auf 78,9 Punkte.

Dahinter folgen Hessen mit 74,1 Punkten, Niedersachsen mit 73,6 Punkten und Sachsen mit 73,4 Punkten. Nordrhein-Westfalen verbessert sich zwar deutlich auf 72,1 Punkte, liegt damit aber weiterhin unter dem Gesamtdurchschnitt.

Größere Städte haben insgesamt weiterhin Vorteile. Städte mit mehr als einer Million Einwohnern erreichen durchschnittlich 87,5 Punkte. Bei Städten mit 100.000 bis 149.999 Einwohnern sind es 66,8 Punkte. Allerdings holen die kleineren Großstädte auf: Ihr Durchschnitt steigt gegenüber dem Vorjahr um 4,4 Punkte und damit stärker als in den größeren Stadtklassen.

14.442 Datenpunkte bilden die Grundlage

Für den diesjährigen Smart City Index wurden 14.442 Datenpunkte ausgewertet. Bewertet wurden 83 Städte anhand der fünf Bereiche Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft und Bildung.

Diese Bereiche umfassen insgesamt 39 Indikatoren und 174 einzelne Parameter. Berücksichtigt werden unter anderem digitale Verwaltungsleistungen, Breitbandversorgung, Sharing-Angebote, Umweltsensorik und digitale Fortbildungen.

Die Kommunen konnten eigene, belegte Daten zur Digitalisierung einreichen. Laut Bitkom beteiligten sich erneut alle untersuchten Städte. Anschließend wurden die Angaben durch Expertinnen und Experten des Verbands überprüft und validiert.

Das Ergebnis zeigt ein insgesamt steigendes Digitalisierungsniveau – aber auch, wie unterschiedlich die Städte ihre Schwerpunkte setzen. Stuttgart führt das Ranking an, während andere Kommunen in einzelnen Bereichen Lösungen entwickeln, die über ihre Gesamtplatzierung hinaus als Beispiele für die weitere Digitalisierung deutscher Städte dienen können.

(red/Bitkom)

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