Das sind die größten Herausforderungen

Quantencomputer in Unternehmen: Zwischen Hype und harter Realität

Quantentechnologie

Quantencomputer könnten komplexe Unternehmensprobleme revolutionär schnell lösen, doch technische Grenzen, fehlende Standards und hohe Kosten machen die Technologie zur Herausforderung.

Von der Optimierung logistischer Abläufe bis zur Materialforschung – die Technologie weckt große Erwartungen. Gleichzeitig sollten Unternehmen die Hürden und Risiken kennen, um hohe Kosten und ausbleibende Ergebnisse zu vermeiden. NTT DATA, Anbieter für KI- und Technologie-Services, ordnet ein, worauf es beim Einstieg ankommt.

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Technische Grenzen und Qubit-Herausforderungen

Quantencomputer arbeiten mit Qubits, die anders als klassische Bits gleichzeitig mehrere Zustände einnehmen können. Das Potenzial für Parallelberechnungen ist enorm, doch die aktuelle Hardware ist noch stark limitiert. Viele Systeme verfügen nur über wenige Hundert Qubits. Dazu kommen Stabilitätsprobleme: Fehler und Störungen treten besonders bei komplexen Berechnungen häufig auf. Erst wenn die Zahl der Qubits steigt und die Systeme stabiler werden, können Unternehmen das volle Potenzial für geschäftliche Anwendungen ausschöpfen.

Unterschiedliche Plattformen erschweren die Nutzung

Die Quantencomputer-Hersteller setzen auf verschiedene Hardware-Designs und proprietäre Software-Stacks. Eine plattformübergreifende Nutzung ist bisher kaum möglich, was Unternehmen zwingt, Ressourcen mehrfach zu investieren: eigene Algorithmen für unterschiedliche Systeme entwickeln und ständig an neue Hardware anpassen. Erste Ansätze für systemübergreifende Frameworks existieren, sind aber noch unvollständig und unterstützen nur wenige Plattformen.

Hinzu kommt, dass Experten für Quantencomputing rar sind. Unternehmen müssen Wissen intern aufbauen, wobei die Technologie sich schnell weiterentwickelt. Schulungen konzentrieren sich meist auf einzelne Plattformen, sodass Fachkräfte schnell veralten könnten. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass gut ausgebildete Mitarbeitende abgeworben werden.

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Unklare Anwendungsfälle

Die Praxisrelevanz vieler Quantencomputing-Anwendungen ist noch unklar. Optimierungen, Materialforschung, KI oder Kryptografie bieten theoretisches Potenzial, doch die Zahl praxistauglicher Algorithmen ist gering, meint NTT Data. Unternehmen müssten daher zuerst ermitteln, welche Probleme sich mit Quantencomputing überhaupt lösen lassen, bevor sie in teure Prototypen investieren.

Investitions- und Regulierungsrisiken

Quantencomputer sind teuer und werden häufig über Cloud-Dienste genutzt. Selbst dann entstehen hohe Kosten für Know-how-Aufbau und Algorithmenentwicklung. Zudem könnte der Zugang zu Hardware oder Software von geopolitischen Entscheidungen betroffen sein, etwa durch Restriktionen von Ländern wie den USA oder China. Europäische Quantencomputer bieten Alternativen, sind aber derzeit noch im internationalen Vergleich schwächer.

Chancen nutzen, Risiken abwägen

„Quantencomputing ist zu disruptiv, um es zu ignorieren“, erklärt Christian Nietner, Innovation Center Lead for Quantum Computing bei NTT DATA DACH. Unternehmen, die sich früh mit der Technologie beschäftigen, können Wettbewerbsvorteile sichern. Gleichzeitig ist ein strategischer, gut geplanter Einstieg entscheidend: Unabhängige Beratung, Nutzung von Pilotprojekten und gezieltes Testing reduzieren Risiken und Kosten, während Wissen und Erfahrung aufgebaut werden.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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