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Mann auf Erfolgskurs

Die Bewältigung der Corona-Krise birgt die Chance, zugleich die Weichen für künftige Erfolge zu stellen. Arne Petersen, Vorstand & Chief Commercial Officer der Brainloop AG, erklärt, welche Unternehmen gestärkt aus der Pandemie hervorgehen werden, was er von Kontrollgremien erwartet und warum es gerade jetzt auf Nachhaltigkeit und Modern Governance ankommt.  

Herr Petersen, die Infektionszahlen sind zuletzt wieder gestiegen. Viele Unternehmen befinden sich deshalb weiter im Notfall-Modus: Debatten über Hygiene-Konzepte, personelle Engpässe und Liquiditätssicherung bestimmen in vielen Chefetagen noch immer den Arbeitsalltag. Besteht die Gefahr, dass strategische Fragen zu kurz kommen? 

Arne Petersen: Absolut. Auch wenn es angesichts der oft hohen Arbeitsbelastung schwierig ist, müssen sich Entscheider dringend wieder mit der Zukunft beschäftigen. Schadensbegrenzung allein darf nicht ihr Anspruch sein. Eine der entscheidenden Fragen lautet nun: Wie wird das Unternehmen nach der Pandemie dastehen? Ich bin überzeugt, dass die Krisenbewältigung große Chancen birgt.

Inwiefern?

Arne Petersen: Mit den richtigen Konzepten können Verantwortliche nicht nur die Krise meistern, sondern zugleich den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft legen. Es gilt deshalb jetzt, das Ende der Krise zu antizipieren und Unternehmen bestmöglich für die Zeit danach aufzustellen.  

Das klingt fast nach der Maxime der EU-Kommission und der Bundesregierung: Die aktuellen Konjunkturpakete sollen nicht nur die Nachfrage und damit die Wirtschaft ankurbeln, sondern zugleich die Weichen für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem stellen.

Arne Petersen: In der Tat gibt es da interessante Parallelen. Denn auch politische Entscheider versuchen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Das zeigt zum Beispiel das 50 Milliarden Euro schwere Zukunftspaket in Deutschland, mit dem die Bundesregierung unter anderem die Energie- und die Verkehrswende beschleunigen will. Eine der geplanten Maßnahmen ist eine sogenannte Innovationsprämie für den Kauf von Elektroautos.

Arne Petersen

 

 
„Wir wollen die Krise nicht nur überleben, sondern gestärkt aus ihr hervorgehen. Nachhaltigkeit und Modern Governance gewinnen deshalb weiter an Bedeutung.", so Arne Petersen, Vorstand & Chief Commercial Officer der Brainloop AG. (Bildquelle Brainloop)    

 

Unter Ökonomen ist diesbezüglich von einem „doppelten Booster“ die Rede: Krisenbewältigung und Nachhaltigkeit sollen ineinandergreifen. Kann das gelingen?  

Arne Petersen: Das hängt von der konkreten Umsetzung ab. Anspruch und Zielsetzung sind jedenfalls richtig. Entscheider in den Unternehmen sollten sich deshalb in dieser Hinsicht an der Politik orientieren. Das Ziel muss ebenfalls lauten: Wir wollen die Krise nicht nur überleben, sondern gestärkt aus ihr hervorgehen. Nachhaltigkeit und Modern Governance gewinnen deshalb weiter an Bedeutung.     

Was können Unternehmen konkret machen?

Arne Petersen: Ein wichtiger Baustein nachhaltiger Strategien sind Investitionen in grüne Technologien. Der Zeitpunkt dafür ist günstig, denn die aktuellen „Doppel-Booster“-Konjunkturpakete sehen neue Zuschüsse und Steuervorteile vor. Unternehmen können also die politische Corona-Krisenbewältigung nutzen, um sich für steigende CO2-Preise sowie das Stakeholder-Value-Zeitalter zu wappnen.

„Stakeholder-Value-Zeitalter“: Was meinen Sie damit?

Arne Petersen: Bereits seit einigen Jahren rückt der gesellschaftliche Beitrag von Unternehmen immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Für das Renommée und die Wettbewerbsfähigkeit kommt es deshalb verstärkt darauf an, ob Unternehmen dazu beitragen, gesellschaftliche Herausforderungen wie den Klimawandel zu meistern – und wie sie mit Kunden, Lieferanten und anderen Stakeholdern umgehen. Die Corona-Krise beschleunigt diese Entwicklung deutlich.

Es geht also nicht mehr vorrangig darum, maximale Renditen für die Anteilseigner zu erwirtschaften. Aber dominiert nicht gerade in börsennotierten Unternehmen weiter das Gewinnmaximierungsprinzip – auch auf Druck der Aktionäre?

Arne Petersen: Immer mehr Investoren sind langfristig orientiert, analysieren ESG-Kriterien und drängen auf nachhaltige Strategien. Unabhängig davon habe ich den Eindruck, dass auch in börsennotierten Unternehmen viele operative Entscheider die Zeichen der Zeit erkannt haben. Wo das noch nicht der Fall ist, sind jetzt in besonderem Maße die Aufsichtsräte gefordert.

Was sollten sie Ihrer Ansicht nach machen?

Kontrollgremien müssen dafür sorgen, dass der Paradigmenwechsel vom Shareholder Value zum Stakeholder Value in der unternehmerischen Praxis verankert wird. Dazu sind detaillierte Informationen über den Status Quo im Unternehmen unerlässlich. Denn nur auf deren Basis ist es möglich, Chancen und Risiken früh zu erkennen und im Sinne einer Modern Governance zu adressieren.

Eine aktuelle Chance haben Sie bereits angesprochen: Green-Tech-Investitionen, um das Unternehmen vor steigenden CO2-Preisen zu schützen. Können Sie weitere Beispiele für gelebten Stakeholder Value in der Krisenbewältigung nennen?

Arne Petersen: Viele Entscheider bauen derzeit stabilere Lieferketten auf und nutzen verkürzte Arbeitszeiten, um Mitarbeiter weiterzubilden. Solche Maßnahmen bringen Unternehmen und Stakeholder gleichermaßen voran, womit sie klassischer Ausdruck des Shareholder-Value-Prinzips sind.

Was droht Verantwortlichen, die solche Weichenstellungen versäumen?

Arne Petersen: Sie könnten bald feststellen, dass das Unternehmen zwar die Krise überstanden hat – aber denkbar schlecht aufgestellt ist für die Nach-Corona-Zeit. Aufsichtsräte müssen deshalb sicherstellen, dass Vorstände und Geschäftsführer nicht nur Risiken minimieren, sondern auch Chancen identifizieren – und nutzen.  

Herr Petersen, vielen Dank für das Gespräch!

https://brainloop.com/de-de/


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