Anzeige

5G Mobilfunk

5G ist derzeit das Thema für Mobilfunkbetreiber. Bis zu 100 Mal schnellere Datenübertragung als 4G, geringere Antwortzeit und weniger Probleme mit Netzüberlastung: Der Hype um die 5. Mobilfunkgeneration ist groß. 4G hat ausgedient, so scheint es.

Dass es nicht ganz so einfach ist, wie es klingt, lässt sich erahnen. Vier Gründe, warum wir 4G nicht aus den Augen verlieren dürfen:

1. 4G stemmt noch immer den Großteil der Verbindungen

Es ist zu früh, 4G als "veraltete" Technologie zu bezeichnen. Noch 2018 war 4G in Europa für etwa 48% der gesamten Verbindungen verantwortlich, weitere 33% fielen auf 3G und 19% auf 2G. Schätzungen der Industrievereinigung für Mobilfunkanbieter GSMA zufolge könnte 5G im Jahr 2025 erst für 15% der Verbindungen sorgen - Die meisten Verbindungen würden weiterhin auf 4G basieren.

2. 5G-Anlagen sind noch nicht ausgereift

5G läuft nur auf sehr kurzwelligen, d.h. höheren Frequenzen (derzeit bis zu 3,7 Gigahertz; 4G bisher max. 2,6 GHz). Je höher die Frequenz, desto geringer aber die Reichweite. Die hohe Kapazität und extrem schnellen Up- und Downloadraten von 5G sind dementsprechend nur über wenige Hundert Meter möglich, wobei eine direkte Verbindung zur Zelle erforderlich ist: Fenster, Wände oder Bäume werden also zum Hindernis. Zudem benötigen 5G-Anlagen weiterhin 4G-Verbindungen: Letztere fungieren als „Zubringer“, um Verbindungen an 5G weiterzuleiten.

3. 4G-Ausbau bringt kurzfristig realistische Verbesserungen

Im Frühjahr 2019 hatte die Deutsche Telekom über 300 neue LTE-Standorte in Deutschland eingerichtet. 51.000 Haushalte erhielten dadurch endlich LTE. In Kaufungen bei Kassel z. B. verkürzte sich die durchschnittliche Latenzzeit damit von 63 ms auf nur 24 ms. Eine derartige Verbesserung lässt z.B. Video Calls, Online Gaming oder Netflix – generell alle Dienste, die auf Streaming basieren – bemerkenswert flüssiger und in angemessener Qualität laufen.

Dieses Beispiel zeigt: Upgrades auf 4G sind für die flächendeckende Versorgung und zeitgemäße Mobilfunkgeschwindigkeiten immer noch nötig und sinnvoll. Hinzu kommt: Die meisten Handys sind heute mit LTE-erweiterten Funktionen kompatibel, ganz im Gegenteil zu den bislang wenigen und auch teureren, die 5G-Frequenzen unterstützen.

4. Nicht jeder profitiert von 5G

Die Mehrheit der Bürger*innen im ländlichen Raum Deutschlands setzt nach wie vor große Hoffnung in die Digitalisierung, um gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land sicherzustellen. Die aktuellen und geplanten 5G-Implementierungen beschränken sich aber zum Großteil noch auf Stadtgebiete. 5G wird zwar auch die ländlichen Regionen erreichen aber bis dahin dauert es noch. Eine konsistente Netzabdeckung mit leistungsstarkem 4G-Dienst sollte also weiterhin größte Relevanz genießen, damit auf dem Weg in eine weiter vernetzte Zukunft auch alle gleichermaßen profitieren.

Fazit

Zweifellos hat 5G großes Potenzial. Allerdings wird es bis zur zuverlässigen 5G-Verbindung noch bis zu 10 Jahre dauern. Bis dahin werden vor allem neu entstehende Anwendungsgebiete – z. B. autonome Fahrzeuge oder Smart Factories – von 5G-Verbindungen profitieren. In absehbarer Zukunft werden wir also eine Koexistenz von 4G und 5G benötigen. Die Betreiber stehen in den kommenden Jahren dementsprechend vor der Herausforderung, 4G weiter auszubauen, während sie gleichzeitig mit der 5G-Entwicklung schritthalten müssen.

www.tutela.com


Artikel zu diesem Thema

Automation
Aug 26, 2020

IT-Automation: Kräfte freisetzen für die Digitalisierung

Betrieb und Management heterogener Systemlandschaften binden in Unternehmen mit…
Mobile Security Hack
Aug 13, 2020

Mobilfunkanrufe jahrelang nicht abhörsicher

Forscher der Ruhr-Universität Bochum können dank einer gravierenden Sicherheitslücke…

Weitere Artikel

künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist die Mondlandung des 21. Jahrhunderts

Wie sieht die Welt von morgen aus? Wie können wir sie mit intelligenten Lösungen besser machen? Darüber spricht unsere Co-CEO Ana Campos in der neuen Interview-Reihe mit Persönlichkeiten, die Antworten haben.
Hotel

Digitalisierung unabdingbar für Erholung des Gastgewerbes

Das Gastgewerbe nimmt den Betrieb wieder auf. Doch in der Zwischenzeit sind die Anforderungen in den Bereichen Technologie und Digitalisierung gehörig gewachsen. Einige Betriebe der Branche konnten in punkto Digitalisierung durch die Entwicklung von…
5G

Mobilfunkbetreiber bauen weltweit eigene 5G-Kernnetze auf

Etwa die Hälfte der Mobilfunkbetreiber installiert bereits ein eigenes 5G-Netz oder plant dies konkret. Das zeigt eine weltweit durchgeführte IDG-Umfrage unter Service-Providern im Auftrag von F5.
Digitalisierung

Unternehmensnetzwerke: 54% hinken digitaler Transformation hinterher

Das letzte Jahr und der Trend in Richtung Home-Office hat Unternehmen gezeigt, dass sie die Relevanz programmierbarer, automatisierbarer und performanter Netzwerke für Digitalisierungs-Technologien wie IoT, Edge Computing oder Multi Cloud unterschätzt haben.
Meetings

Meeting Management Software: Der Status quo des Top-Managements

Mit zunehmender Digitalisierung nimmt die Anzahl an neuen Kommunikations- und Informationswegen auch für Großunternehmen zu. Fast jeder greift dabei auf digitale Lösungen zurück, um orts- und zeitunabhängig verbunden zu sein.

Anzeige

Jetzt die smarten News aus der IT-Welt abonnieren! 💌

Mit Klick auf den Button "Zum Newsletter anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.