Die S/4HANA-Migration ist für die meisten DACH-Unternehmen längst Alltag. Eine Valantic-Studie zeigt, wohin sich die SAP-Landschaft entwickelt.
Die Mehrheit der SAP-Kunden im deutschsprachigen Raum hat die Migration auf S/4HANA hinter sich oder steckt mittendrin. Das geht aus der jährlichen SAP-Studie des Beratungshauses Valantic hervor, die mit dem Analystenhaus Techconsult erstellt wurde. Befragt wurden 409 Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- 70 Prozent der Unternehmen haben die S/4HANA-Migration abgeschlossen oder sind aktiv dabei, nur fünf Prozent planen sie gar nicht
- 64 Prozent setzen auf Private Cloud, On-Premises sinkt von 20 auf elf Prozent
- 67 Prozent nutzen bereits KI, 25 Prozent davon als festen Bestandteil ihrer Geschäftsprozesse
- 60 Prozent sehen die SAP Business Data Cloud als integralen Bestandteil ihres Datenmanagements
- 57 Prozent halten die Projektkosten der Cloud-Migration für hoch, nach dem Go-live attestieren aber 51 Prozent einen kosteneffizienten Betrieb
Private Cloud baut Vorsprung aus
Beim Betriebsmodell zeichnet sich ein deutlicher Trend ab. 64 Prozent der Befragten setzen auf eine Private-Cloud-Umgebung, ein Plus von sechs Prozentpunkten gegenüber 2025. Die Public Cloud kommt auf 25 Prozent. Klassische On-Premises-Installationen verlieren dagegen massiv an Boden: Nur noch elf Prozent betreiben SAP komplett im eigenen Rechenzentrum, gegenüber 20 Prozent im Vorjahr.
Die Zurückhaltung bei der Public Cloud erklärt sich vor allem aus den Anforderungen klassischer Industriebranchen. In der diskreten Fertigung, der Lebensmittelindustrie sowie in Transport und Logistik stehen hohe Individualisierungsgrade, komplexe Produktions- und Supply-Chain-Logik sowie regulatorische Vorgaben einer schnellen Standardisierung im Weg.
Cloud-Migration: Teuer, aber lohnend
Bei der Bewertung laufender Migrationsprojekte herrscht keineswegs Euphorie. 57 Prozent der Befragten halten die Projektkosten für hoch, in der Versorgerbranche sogar 63 Prozent. Rund 30 Prozent empfinden die Migrationskomplexität als zu hoch, in der Chemie- und Pharmaindustrie schnellt dieser Wert auf 44 Prozent hoch. Die Studie identifiziert dabei ein bekanntes Problem: Es ist nicht die Cloud-Technik selbst, die bremst, sondern die Überführung historisch gewachsener Prozesse und proprietärer Eigenentwicklungen in standardisierte Cloud-Umgebungen.
Nach dem Go-live ist die Stimmung allerdings besser. 51 Prozent attestieren ihrer Cloud-Lösung einen kosteneffizienten Betrieb, jedes zweite Unternehmen lobt die bessere Zugänglichkeit der Systeme. Vor allem in der Logistik (69 Prozent) und im Handel (46 Prozent) spielt der einheitliche Zugriff auf zentrale Plattformen seine Stärken aus.
KI etabliert sich schneller als erwartet
Das größte Wachstumsfeld ist Künstliche Intelligenz. 67 Prozent der Befragten setzen KI bereits ein, davon 42 Prozent in ersten Anwendungen und 25 Prozent als festen Bestandteil ihrer Geschäftsprozesse. Besonders weit ist die Automobilindustrie mit 53 Prozent integrierter KI-Nutzung. Bei den konkreten Wünschen an SAP und Partner stehen KI-Agenten ganz oben (42 Prozent), gefolgt von KI-gestützter Planung sowie in SAP-Anwendungen eingebetteten KI-Funktionen.
Damit KI überhaupt Wert liefern kann, braucht es saubere, integrierte Daten. Hier kommt die SAP Business Data Cloud ins Spiel, die sich offenbar schneller etabliert als erwartet. 60 Prozent der Befragten sehen die Plattform als integralen Bestandteil ihres Datenmanagements. Auffällig ist die Konsolidierungstendenz: Der Anteil der Unternehmen, die auf vergleichbare Datenarchitekturen außerhalb des SAP-Portfolios setzen, ist von 40 auf 30 Prozent gesunken. Konkurrenten wie Snowflake, Databricks oder Microsoft Fabric verlieren in diesem Segment Marktanteile.
Fazit
Die Studie zeichnet das Bild einer Branche im pragmatischen Umbau. Die große Aufbruchstimmung ist verflogen und durch nüchterne Projektarbeit ersetzt. Die Private Cloud setzt sich als Kompromiss zwischen Modernisierung und Kontrolle durch, KI etabliert sich schneller als andere Hype-Themen der vergangenen Jahre, und die Datenplattform-Strategie konsolidiert sich rund um SAP-eigene Lösungen. Offen bleibt, wie viele Projekte tatsächlich den versprochenen Mehrwert liefern und ob die zunehmende Bindung an das SAP-Ökosystem langfristig die richtige Entscheidung ist.