Der Einsatz generativer KI scheitert in vielen Unternehmen und Behörden nicht an mangelndem Interesse, sondern an Sicherheits- und Datenschutzbedenken.
Gerade Organisationen, die mit vertraulichen Informationen arbeiten, stehen vor dem Problem, dass herkömmliche Cloud-Modelle häufig eine Auslagerung sensibler Daten erfordern. KEEQuant, Collaider und noris network haben nun gemeinsam einen Demonstrator vorgestellt, der einen anderen Weg aufzeigt.
KI näher an die eigene Infrastruktur bringen
Die drei Unternehmen setzen auf ein Konzept, das moderne KI-Funktionen mit einer kontrollierten Infrastruktur und quantengesicherter Kommunikation verbindet. Ziel ist es, Organisationen eine Alternative zwischen vollständig lokalen Lösungen und klassischen Public-Cloud-Angeboten zu bieten.
Davon könnten insbesondere Behörden, Betreiber kritischer Infrastrukturen, Finanzdienstleister, Gesundheitseinrichtungen sowie Unternehmen mit schützenswertem Know-how profitieren. Diese Bereiche benötigen leistungsfähige KI-Werkzeuge, gleichzeitig spielen Fragen der Datenhoheit und Nachvollziehbarkeit eine zentrale Rolle.
Quantensichere Kommunikation als Grundlage
KEEQuant steuerte die Sicherheitsarchitektur des Demonstrators bei. Dabei kommen über Quantenschlüsselverteilung erzeugte Schlüssel zum Einsatz, die den geschützten Kommunikationspfad zwischen einem Browser und dem serverseitigen Sprachmodell absichern.
Imran Khan, Geschäftsführer von KEEQuant, sieht darin einen wichtigen Schritt für den praktischen KI-Einsatz in sensiblen Umgebungen. Er erklärt: „Für viele Organisationen scheiterte KI nicht an mangelndem Interesse, sondern am Fehlen eines Modells, das sie für sensible Arbeiten verantwortungsvoll nutzen können.“
Fokus auf konkrete Anwendungen statt Chatbots
Collaider brachte die Anwendungsebene in das Projekt ein. Statt eines allgemeinen Chatbot-Szenarios lag der Schwerpunkt auf spezialisierten KI-Anwendungen, die sich in bestehende Arbeitsprozesse integrieren lassen.
Michael Klieber, Geschäftsführer und Mitgründer von Collaider, betont:„Auf der Anwendungsebene geht es nicht einfach darum, ob KI funktioniert, sondern ob sie auf eine Weise genutzt werden kann, die berücksichtigt, wie Organisationen tatsächlich mit sensiblen Prozessen und Informationen umgehen.“
Nach Ansicht des Unternehmens wird KI vor allem dann interessant, wenn sie sich in geschützte Arbeitsumgebungen und branchenspezifische Abläufe einfügt.
Sichere Betriebsumgebung aus Deutschland
Die notwendige Infrastruktur stammt von noris network. Der IT-Dienstleister betreut seit Jahren Kunden mit hohen Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit, darunter Banken, Versicherungen, Behörden sowie Unternehmen aus dem Gesundheitswesen und dem Bereich kritischer Infrastrukturen.
Zertifizierungen wie ISO 27001, BSI-Grundschutz, BSI C5 und EN 50600 sollen die Voraussetzungen für den Betrieb solcher Umgebungen schaffen. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in den Ausbau KI-fähiger Rechenkapazitäten in Deutschland.
Joachim Astel, Mitbegründer und Chief Regulatory Officer von noris network, verweist auf die langjährige Zusammenarbeit mit KEEQuant: „Organisationen in sicherheitssensiblen Sektoren benötigen mehr als nur Zugang zu einem Modell. Sie brauchen eine Betriebsumgebung, der sie auch im Zeitalter des Post-Quanten-Computings vertrauen können.“
Die Partner betrachten den Demonstrator als Ausgangspunkt für zukünftige souveräne KI-Dienste. Das Konzept ersetzt zwar keine Governance- und Compliance-Vorgaben, soll aber eine zentrale Hürde beim Einsatz generativer KI beseitigen: das Fehlen eines vertrauenswürdigen Sicherheits- und Infrastrukturmodells.
Damit könnte sich für Organisationen mit hohen Datenschutzanforderungen ein Weg eröffnen, moderne KI-Technologien einzusetzen, ohne die Kontrolle über Daten, Workloads und Kommunikationswege aus der Hand zu geben.
(red/noris network)