Viele Unternehmen besitzen zwar riesige Datenmengen, können deren Potenzial aber nur eingeschränkt nutzen.
Das deutsche Deep-Tech-Unternehmen The Green Bridge will dieses Problem mit intelligenten Datenräumen lösen, die Informationen aus unterschiedlichen Systemen in einen gemeinsamen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang bringen.
Wenn Daten vorhanden sind, aber ihr Zusammenhang fehlt
ERP-Systeme, CRM-Plattformen, Produktionssoftware, Sensoren, Geoinformationssysteme und Dokumentenmanagement speichern täglich große Mengen an Informationen. Das Problem: Die Daten liegen häufig getrennt voneinander vor und folgen unterschiedlichen Strukturen und Begrifflichkeiten.
Dadurch entstehen Datensilos, redundante Informationen und zahlreiche Schnittstellen. Für Unternehmen wird es zunehmend schwierig, ein vollständiges Bild ihrer Prozesse und Geschäftsabläufe zu erhalten. Analysen dauern länger, Anwendungen müssen individuell angebunden werden und die Grundlage für den Einsatz künstlicher Intelligenz bleibt häufig lückenhaft.
Die Folge: Selbst große Datenbestände liefern nicht automatisch bessere Entscheidungen. Erst wenn Informationen miteinander verknüpft und eindeutig eingeordnet werden können, entsteht daraus ein belastbarer digitaler Kontext.
Ein digitaler Zwilling für die Datenlandschaft
The Green Bridge setzt bei diesem Problem mit einem digitalen Cluster-Twin an, den das Unternehmen Clustwino nennt. Er soll bestehende Systeme nicht ersetzen, sondern miteinander verbinden.
Die Daten verbleiben dabei grundsätzlich dort, wo sie gespeichert sind und von den zuständigen Fachbereichen verwaltet werden. Eine übergreifende Integrationsschicht stellt jedoch Zusammenhänge zwischen den Informationen her. Dabei werden fachliche, räumliche und zeitliche Beziehungen berücksichtigt.
So können beispielsweise Daten aus der Produktion mit Informationen aus ERP-Systemen, Sensoren, Geodaten oder Dokumenten gemeinsam betrachtet werden. Die bestehenden Anwendungen bleiben erhalten, während darüber eine einheitliche Sicht auf die operative Realität entsteht.
Damit soll die Grundlage für Analysen, Automatisierung, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge geschaffen werden.
Standardisierte Identifikatoren als gemeinsame Sprache
Ein zentraler Bestandteil der Technologie sind offene Standards. Open AreaSeals soll Informationen mit eindeutigen räumlichen Referenzen versehen. Open geoGRIM wiederum stellt ein generisches, maschinenlesbares Datenmodell bereit.
Auf diese Weise lassen sich Beziehungen zwischen Orten, Objekten, Ereignissen und Prozessen systemübergreifend abbilden. Informationen werden dadurch nicht mehr nur isoliert betrachtet, sondern in ihrem jeweiligen Kontext.
Das kann den Aufwand für individuelle Schnittstellen reduzieren. Neue Anwendungen müssen nicht für jeden Anwendungsfall eigene Datenmodelle und Integrationen aufbauen. Stattdessen können sie auf eine bereits strukturierte Informationsbasis zugreifen.
Davon könnten unter anderem Business-Intelligence-Systeme, KI-Anwendungen, automatisierte Prozesse und digitale Zwillinge profitieren.
Daten bleiben unter Kontrolle der jeweiligen Organisation
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Datensouveränität. Clustwino soll sowohl zentral als auch föderiert eingesetzt werden können. Unternehmen und Organisationen behalten damit die Kontrolle darüber, wo ihre Daten gespeichert sind, wer auf sie zugreifen darf und welche Informationen mit externen Partnern geteilt werden.
Das ist insbesondere für Branchen relevant, in denen Daten besonders sensibel sind. Dazu zählen unter anderem die Industrie, kritische Infrastrukturen und öffentliche Verwaltungen. Auch in internationalen Kooperationen kann die Möglichkeit, Daten verteilt zu verwalten und dennoch gemeinsame Zusammenhänge herzustellen, eine wichtige Rolle spielen.
Von der Datenanalyse zur automatisierten Handlung
Der entscheidende Schritt besteht darin, Daten nicht nur zusammenzuführen, sondern sie für operative Entscheidungen und automatisierte Abläufe nutzbar zu machen.
Wenn Systeme Informationen in ihrem richtigen Zusammenhang verstehen, können sie Entwicklungen früher erkennen, Entscheidungen vorbereiten und definierte Prozesse automatisch auslösen. Aus verstreuten Daten wird damit eine gemeinsame digitale Grundlage für die Organisation.
Intelligente Datenräume sollen so die Lücke zwischen vorhandenen Daten und deren tatsächlichem Nutzen schließen. Für Unternehmen bedeutet das im Idealfall nicht nur bessere Analysen, sondern auch weniger Integrationsaufwand, schnellere digitale Projekte und eine stärkere Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur.
(red/The Green Bridge)