Interview mit Mathias Golombek, Exasol

Daten-Demokratisierung – Hoffnung oder Hype?

Wenn es um das aktuelle Thema Daten-Demokratisierung geht, spalten sich die Meinungen. Auf der einen Seite der Datenschutz, auf der anderen Seite benötigen die Mitarbeiter Zugriff auf Daten. Ein Interview mit Herr Golombek, CTO der Exasol AG.

Mathias Golombek: Momentan gibt es zwei Lager. Eine Gruppe sagt, dass Daten nur dann sinnvoll strategisch das Business vorantreiben können, wenn alle Mitarbeiter Zugang zu den Informationen haben und gleichermaßen auch befähigt werden, sie zu nutzen. Die andere Gruppe jedoch meint, dass das schon rein aus Datenschutzgründen nicht ginge. Und deshalb auch nicht sinnvoll, sei. Schließlich ist das Risiko, Daten ohne das nötige Know-how fehlzuinterpretieren, viel zu groß.

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Natürlich sind diese Thesen hinlänglich bekannt und die Argumentation ist nachvollziehbar: Daten sind heute das wertvollste Gut eines Unternehmens – und das entscheidende Differenzierungsmerkmal in einem globalen, digitalen Markt. Mit datenbasierten Entscheidungen lassen sich Prozesse optimieren und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Und Technologien wie das Internet der Dinge, oder Maschinelles Lernen werden so überhaupt erst möglich.

Um einen echten Mehrwert bieten zu können, müssen die Daten jedoch nicht nur erfasst und gespeichert, sondern darüber hinaus analysiert, interpretiert und dementsprechend zur Verfügung gestellt werden. Die wichtigen Stichworte sind also Daten-Analyse und Daten-Demokratisierung.

Daten-Demokratisierung heißt also, alle Daten sind für alle da?

Mathias Golombek: Nein, das heißt es eben nicht. Daten sind vor allem dann von Nutzen, wenn sie umfassend, im richtigen Moment einfach abgerufen und in die gewünschten Korrelationen gebracht werden können. Und genau dieser Zusammenhang steckt hinter dem Begriff Daten-Demokratisierung: Es sollen möglichst viele Mitarbeiter eines Unternehmens umfassend und unkompliziert auf die Daten zugreifen können. Auf diese Weise kann jede Fachabteilung ihre Entscheidungen auf Basis der vorhandenen Daten treffen, lange Freigabewege entfallen.

Funktioniert das schon oder ist dies Zukunftsmusik?

Mathias Golombek: Wie man es nimmt: Die grundsätzlich gute Idee scheitert im Unternehmensalltag oft an übergreifenden, strategischen Fragen. Oder ganz praktischen Dingen. Den meisten Unternehmen fehlt eine Daten-Strategie, die definiert, welche Daten für welchen Zweck erfasst oder künftig erhoben werden sollen. Zudem regelt eine solche Strategie, wer die Verantwortung trägt und wer in welcher Form Zugriff auf bestimmte Daten hat. Es ist recht verständlich, dass beispielsweise Daten aus der Buchhaltung nicht für jeden Mitarbeiter zugänglich sein sollten. Gleichzeitig müssen aber auch die Zeiten vorbei sein, in denen Reports bei der IT-Abteilung angefragt werden. Auch spielen Datenschutzaspekte eine wichtige Rolle, ebenso wie Governance-Vorgaben und prozessuale Abhängigkeiten. Dennoch: Eine Daten-Strategie sollte über eine reine Authentifizierungs-Lösung hinausgehen. Vielmehr muss sie sich an den Unternehmenszielen ausrichten und darf auf der anderen Seite auch nicht zu sehr eingrenzen.

Wie sieht es heute in den Unternehmen tatsächlich aus?

Mathias Golombek: Unsere Umfrage, die wir mit Sapio Research durchgeführt haben, gibt Aufschluss. Wir haben mehr als 500 Entscheidungsträger nach mehreren Aspekten zur Daten-Demokratisierung befragt. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es noch erhebliche Probleme gibt: So sind beispielsweise 84 Prozent der Befragten der Meinung, dass ihre derzeitige IT-Infrastruktur die Demokratisierung von Daten eher erschwert. lnsbesondere die Vielzahl neuer Datenquellen, die integriert werden müssen, bereitet den Verantwortlichen Sorge – 28 Prozent nannten diesen Aspekt als spürbares Hemmnis. Die wachsenden Datenmengen und die eigene veraltete Infrastruktur bezeichneten 25 bzw. 23 Prozent als große Herausforderung. Fast ebenso häufig wurden mangelnde Agilität, zu wenig Budget und begrenzte Performance genannt (22, 19, 19 Prozent).

Dies zeigt: Die volle Demokratisierung von Daten ist in Unternehmen kaum möglich. Es zeigt aber auch, wie wichtig es ist, sich ausführlich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn nur eine gut durchdachte Daten-Strategie führt letztlich zur sinnvollen Aufrüstung der Infrastruktur und damit zur effektiven Nutzung von Daten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mathias Golombek

Exasol AG -

CTO

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