Budgets für Quantencomputing bleiben einer Branchenumfrage von Quera zufolge weitgehend stabil. Doch Unternehmen und Behörden verlangen zunehmend belastbare Ergebnisse statt bloßer Versprechen.
Der Markt für Quantencomputing tritt in eine neue Phase ein. Statt mit Wettbewerbsdruck und Zukunftsversprechen lassen sich Budgets immer seltener rechtfertigen. Das geht aus dem zweiten Teil des 2026 Quantum Readiness Report des US-Anbieters QuEra Computing hervor, für den im Dezember 2025 insgesamt 291 Fachleute aus mehr als 25 Ländern befragt wurden.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
- 46 Prozent der Befragten erwarten 2026 stabile Quantenbudgets, 44 Prozent rechnen mit steigenden Ausgaben, 10 Prozent mit Rückgängen.
- Nur neun Prozent nennen erfolgreiche Pilotprojekte als wichtigsten Grund für höhere Investitionen.
- 28 Prozent sehen staatliche Förderprogramme als zentralen Treiber, Behörden und Verteidigung gelten als stärkster Wachstumsmotor der nächsten drei Jahre.
- 62 Prozent berücksichtigen technologische Souveränität aktiv bei Beschaffungsentscheidungen.
- 37 Prozent nennen den Fachkräftemangel als größte Hürde, noch vor Hardware und Algorithmen.
Vorstände bremsen, Techniker drücken aufs Tempo
Die Studie zeigt eine deutliche Diskrepanz innerhalb der Organisationen. Führungskräfte bewerten steigende Quantenbudgets zurückhaltender als Forschende und technische Fachkräfte. Investitionen werden zunehmend nach klassischen Kriterien wie Kapitalallokation und Wirtschaftlichkeit geprüft. Begeisterung für die Technologie reicht für eine Freigabe nicht mehr aus.
„Potentielle Kunden wollen heute weniger Versprechen und mehr Nachweise“, sagt Yuval Boger, Chief Commercial Officer bei QuEra. Bei rund hundert Quantenunternehmen am Markt stellten Führungskräfte vor allem zwei Fragen: Welche Firmen seien finanziell stark genug für die Langstrecke, und wer könne wissenschaftlich überzeugend einen Weg zu leistungsfähigeren Systemen aufzeigen.
Öffentliche Hand als zentraler Geldgeber
Auffällig bleibt die Rolle des Staates. Bei der erwarteten Marktentwicklung liegen Behörden und Verteidigungsorganisationen mit 24 Prozent vorn, gefolgt von Großunternehmen (20 Prozent) sowie Pharma und Life Sciences (11 Prozent). Die einst als Vorreiter gehandelte Finanzbranche landet mit fünf Prozent am Ende. Der Sektor scheint auf vollständig fehlertolerante Systeme zu warten, bevor er wieder ernsthaft einsteigt.
Souveränität und Fachkräftemangel als Engpässe
Geopolitik schlägt zunehmend auf Einkaufsabteilungen durch. In den USA dominieren leistungsorientierte, globale Beschaffungsstrategien, in der EU wiegen Souveränität, robuste Lieferketten und regionale Kompetenzen schwerer. Wer den europäischen Markt adressieren will, kommt an regionalen Partnerschaften kaum noch vorbei.
Die größte Hürde für die breite Einführung ist laut Umfrage nicht die Technik, sondern das Personal. Besonders eng wird es bei der Quantenfehlerkorrektur, einem Schlüsselthema auf dem Weg zu fehlertoleranten Systemen. Weltweit gibt es nur wenige Spezialisten in diesem Feld, und der Ausbau der Ausbildungskapazitäten an Hochschulen kommt der Nachfrage nicht hinterher.
(lb/Quera)