Die Cloud war nie unsichtbar

Souveräne Notfallpläne – Blinder Fleck der Cyberresilienz

Notfallplan

Die AWS-Rechenzentren im Nahen Osten waren in der vergangenen Woche offline. Zwei von drei Verfügbarkeitszonen in me-central-1 waren betroffen. 109 Dienste waren beeinträchtigt. Banken, Fahrdienst-Apps, KI-Plattformen – alle waren nicht erreichbar.

Daraufhin riet AWS seinen Kunden dringend, Workloads in alternative Regionen zu migrieren.

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Viele fragten sich daraufhin: Die alternativen Regionen? Irland, Virginia, Singapur?

Sebastian Scheele, CEO und Co-Gründer von Kubermatic, weist aus diesem Anlass auf blinden Fleck der Cyberresilienz hin:

„Genau hier liegt das Problem. Saudi-Arabiens Datenschutzgesetz (PDPL) verbietet die Übermittlung personenbezogener Daten außerhalb des Königreichs ohne Genehmigung. Die Bankenaufsicht der VAE schreibt vor, dass Finanzdaten innerhalb der Landesgrenzen verbleiben müssen. Das Datenschutzgesetz von Bahrain verlangt eine ausdrückliche Einwilligung für grenzüberschreitende Datenübermittlungen.

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Ein CTO einer Regionalbank stand somit vor der Wahl: Offline bleiben und Millionen pro Stunde verlieren oder in eine andere Region migrieren, den Dienst wiederherstellen und dabei riskieren, gegen die Anforderungen an den Datenspeicherort zu verstoßen.

Diese Lücke schließen die meisten Souveränitätsrahmenwerke nicht. NIS2, PDPL, DIFC, ADGM – sie alle definieren, wo Daten im Normalbetrieb gespeichert werden müssen. Keine dieser Lösungen definiert, was passiert, wenn eine Region nicht mehr verfügbar ist und der Anbieter die Nutzer zum spontanen „Umzug“ auffordert.

Drei architektonische Lehren daraus sollten Unternehmen daraus ziehen:

  • Ein Multi-AZ-Ansatz (Multi-Availability Zone) bietet Ausfallsicherheit gegen Hardwareausfälle, nicht aber gegen regionale Störungen. Fällt eine ganze Region aus, sind auch Ihre drei Verfügbarkeitszonen betroffen. Die Notfallplanung muss Szenarien jenseits von Infrastrukturausfällen berücksichtigen.
  • Datensouveränität ist eine Architekturentscheidung, nicht nur eine Compliance-Anforderung. Hängt die Souveränitätsstrategie ausschließlich von einem einzigen Anbieter in einer einzigen Region ab, entsteht ein Single Point of Failure. Multi-Region- und Multi-Cloud-Architekturen sind zwar betrieblich anspruchsvoller, aber die einzigen, die einen regionalen Ausfall überstehen, ohne gegen Compliance-Vorgaben zu verstoßen.
  • Jede Organisation, die Workloads in einer einzigen Cloud-Region betreibt, sollte eine dokumentierte Antwort auf folgende Frage haben: Was ist mein Plan, wenn mein Anbieter mich auffordert, diese Region zu verlassen?

Die Cloud war nie unsichtbar. Sie bestand schon immer aus Beton, Silizium und Kupfer in einem Gebäude mit einer Adresse. Diese Woche hat uns wieder einmal vor Augen geführt, dass die Infrastrukturplanung mehr als nur Verfügbarkeits-SLAs berücksichtigen muss.

Es ist nun an der Zeit das Thema „Souveränität“ auch im Zusammenhang mit Notfallplänen zu durchdenken!“

Sebastian Scheele Kubermatic

Sebastian

Scheele

CEO und Co-Gründer

Kubermatic

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