Die aktuelle Erhebung des Freelancer-Kompass 2026 zeigt deutlich: Für viele Selbstständige im deutschsprachigen Raum fehlt es an verlässlicher Planungssicherheit.
Altersvorsorge, rechtliche Klarheit und politische Rahmenbedingungen stehen im Fokus der Sorgen. Die größten Defizite liegen nicht in der Leistungsbereitschaft der Freelancer selbst, sondern in strukturellen und regulatorischen Unsicherheiten.
Freelancer sichern sich ihre soziale Absicherung größtenteils selbst. Im Durchschnitt legen sie rund 1.170 Euro pro Monat für die Altersvorsorge zurück, der Median liegt bei 800 Euro. Trotz dieses Engagements blickt mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) mit Sorge auf den Ruhestand, ein Anstieg gegenüber 49 Prozent im Vorjahr. Viele planen sogar, über das gesetzliche Rentenalter hinaus weiterzuarbeiten.
Diese Zahlen gewinnen an Brisanz, weil aktuelle rentenpolitische Diskussionen wie die „Aktivrente“ Selbstständige bisher kaum berücksichtigen. Zwar sieht der Koalitionsvertrag eine stärkere Einbindung von Selbstständigen vor, doch konkrete Regelungen fehlen bislang. Freelancer stehen damit vor der Herausforderung, Eigenverantwortung, freiwillige Vorsorge und staatliche Absicherung sinnvoll zu kombinieren.
Rechtliche Unsicherheit als Bremsklotz
Besonders problematisch ist die Bewertung von Scheinselbstständigkeit: 62 Prozent der Befragten fühlen sich hier rechtlich unsicher, und jeder Vierte berichtet, dass Projekte aus Angst vor Risiken nicht zustande kamen. Auch die Sozialversicherungspflicht (33 Prozent), fehlende Interessenvertretung (31 Prozent) sowie Steuer- und Vorsorgeregelungen (jeweils 30 Prozent) zählen zu den großen Unsicherheitsbereichen.
Thomas Maas, CEO von freelancermap, betont: Wer sich selbstständig macht, übernimmt bewusst Risiko und Verantwortung – braucht aber verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Fehlende Klarheit führt dazu, dass Freelancer wirtschaftliche Entscheidungen nur zögerlich treffen und ihre unternehmerischen Möglichkeiten eingeschränkt sind.
Bürokratie erschwert den Alltag
Neben rechtlicher Unsicherheit belastet die administrative Seite viele Selbstständige. Steuererklärungen empfinden 52 Prozent als besonders aufwendig, gefolgt von Buchhaltung (42 Prozent), Verträgen und rechtlichen Formalitäten (37 Prozent), Sozialversicherungen (25 Prozent) und Registrierungsprozessen (15 Prozent).
Die Kombination aus bürokratischen Hürden und fehlender Rechtssicherheit verschärft die strukturelle Belastung der Freelancer und wirkt sich direkt auf ihre Auftragslage aus. 67 Prozent geben an, dass politische Unsicherheiten einen starken oder sehr starken Einfluss auf ihre wirtschaftliche Planung haben.
Reformbedarf für eine stabile Wissensökonomie
Der Freelancer-Kompass 2026 zeigt: Ohne klare gesetzliche Definitionen, vereinfachte Bürokratie und realitätsnahe Regulierung droht die dauerhafte Schwächung einer zentralen Gruppe der projektbasierten Wissensökonomie. Freelancer brauchen Positivkriterien für Selbstständigkeit, ein reformiertes Statusfeststellungsverfahren und weniger administrativen Aufwand, um echte Planungssicherheit zu erhalten.
Nur so können Selbstständige ihre Altersvorsorge zuverlässig gestalten, wirtschaftlich handeln und ihre Expertise langfristig für Unternehmen und Projekte einbringen.