Quantencomputing steht vor dem Durchbruch und stellt die Grenzen technischer Machbarkeit auf den Kopf: Von der Cybersicherheit bis zur Weltwirtschaft.
Da klassische Verschlüsselungsverfahren wie RSA stoßen an ihre physikalischen Grenzen, müssen Unternehmen und Behörden ihre Sicherheitskonzepte fundamental neu denken. Die Experten des Software-Anbiters FTAPI warnen: Wer den Umstieg auf quantenresistente Algorithmen verschläft, gefährdet die Integrität seiner Daten für Jahrzehnte.
Das BSI zieht die Reißleine: Endstation für RSA und ECC
Die Dringlichkeit wird nun von höchster Stelle untermauert: In seiner technischen Richtlinie BSI TR-02102-1 „Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen“ läutet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) das Ende der bisherigen Standards RSA und ECC ein. Ab dem Jahr 2032 gelten diese Verfahren solo nicht mehr als sicher. Hintergrund ist die reale Einschätzung, dass künftige Quantenrechner heutige asymmetrische Verschlüsselungen in Sekunden brechen könnten. Wer Daten mit langfristigen Geheimhaltungsfristen schützen will, muss laut BSI bereits heute auf krypto-agile Hybrid-Lösungen setzen.
Die „Harvest Now, Decrypt Later“-Falle: Ein Risiko in Echtzeit
Das Phänomen „Harvest Now, Decrypt Later“ (HNDL) beschreibt eine der unterschätztesten Bedrohungen der digitalen Gegenwart. Staatliche und kriminelle Akteure fangen bereits heute massenhaft verschlüsselte Datenströme ab und speichern diese auf Vorrat („Harvesting“). Das Ziel: Sobald ausreichend leistungsstarke Quantencomputer verfügbar sind, werden diese historischen Datensätze entschlüsselt („Decrypt Later“).
Diese Falle schnappt besonders bei Informationen zu, deren Vertraulichkeitswert über Jahrzehnte stabil bleiben muss – etwa bei Patientendaten, Bauplänen für kritische Infrastrukturen oder Staatsgeheimnissen. Für Organisationen mit langfristigen Aufbewahrungspflichten bedeutet dies eine unmittelbare Bedrohung ihrer strategischen Resilienz: Ein Geheimnis, das heute gestohlen wird, ist am „Q-Day“ kein Geheimnis mehr. Die Vorbereitung auf diese neue Ära ist daher keine ferne Option, sondern eine Management-Aufgabe mit höchster Priorität.
3 Mythen der Quanten-Sicherheit im Faktencheck
In der öffentlichen Debatte halten sich hartnäckig einige Irrtümer, die einer nüchternen Prüfung nicht standhalten. Der erste und verbreitetste lautet: Post-Quanten-Kryptografie sei lediglich ein IT-Update. Die Realität sieht anders aus. Gefordert ist eine tiefgreifende Strategie für Krypto-Agilität, die es erlaubt, Algorithmen ohne Systemstillstand auszutauschen, wenn neue Schwachstellen bekannt werden.
Ebenso weit verbreitet ist die Annahme, KI und Quantenrechner agierten in getrennten Welten. Tatsächlich beschleunigen Quantenrechner das Training von KI-Modellen exponentiell, was völlig neue Sicherheitsbarrieren erfordert und die Bedrohungslandschaft in einer bislang kaum bedachten Weise verändert.
Der dritte Mythos schließlich besagt, Sicherheit bremse den Nutzer. Das Gegenteil ist das Ziel: Security by Design bedeutet, hochautomatisierte Schutzmechanismen so in Systeme zu integrieren, dass sie unsichtbar im Hintergrund laufen – ohne Komfortverlust, aber mit maximalem Schutz.
„Es reicht nicht mehr aus, technologische Umbrüche lediglich zu verwalten. Echter Gestaltungswille zeigt sich darin, Zukunftsthemen wie das Quantencomputing bereits heute strategisch zu besetzen und die Schockstarre gegenüber dem Unbekannten zu überwinden,” sagt Thomas Händl, Product Initiatives & Business Development bei FTAPI und Founder der CPT.
(ds/FTAPI)