Betriebsausfall droht

Deutsche Firmen sind für den Ernstfall schlecht gerüstet

Internet-Ausfall

Deutschland sieht sich zunehmend mit einer Mischung aus digitalen Attacken, Sabotageakten und geopolitischen Spannungen konfrontiert. Laut Bitkom sind viele Unternehmen auf solche Szenarien nur unzureichend vorbereitet sind

Unternehmen könnten nur kurze Zeit weiterarbeiten

Ein länger anhaltender Ausfall zentraler Infrastrukturen hätte für zahlreiche Betriebe gravierende Folgen. Im Durchschnitt könnten Unternehmen ihren Betrieb bei einem Internetausfall weniger als einen Tag aufrechterhalten. Ein erheblicher Teil müsste sogar sofort schließen, während nur wenige davon ausgehen, länger als zwei Tage arbeitsfähig zu bleiben.

Anzeige

Gleichzeitig wächst die Sorge vor einer Verschärfung der sicherheitspolitischen Lage in Europa. Viele Unternehmen rechnen mit einer Zunahme hybrider Angriffe, ein großer Teil erwartet sogar eine ernsthafte nationale Krise in den kommenden Jahren. Die Ergebnisse unterstreichen aus Sicht von Bitkom die Notwendigkeit, die Widerstandsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft deutlich zu stärken.

bitkom internet

Anzeige

Kritische Infrastrukturen als zentrale Schwachstellen

Besonders gefährdet sehen Unternehmen Bereiche wie Energieversorgung, Finanzsystem und Kommunikationsnetze. Störungen in diesen Sektoren würden unmittelbare Auswirkungen auf nahezu alle Branchen haben. Auch Wasser- und Lebensmittelversorgung, Gesundheitswesen sowie Transport gelten als sensible Bereiche, deren Ausfall schnell weitreichende wirtschaftliche Folgen auslösen könnte.

Damit rücken nicht nur Cyberangriffe, sondern auch physische Sabotageakte stärker in den Fokus. Entscheidend ist nach Einschätzung vieler Unternehmen, kritische Daten und Infrastrukturen besser zu schützen und unnötige Transparenz über sensible Netze zu vermeiden.

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.

Großes Gefahrenbewusstsein, aber geringe Vorbereitung

Obwohl sich zahlreiche Unternehmen selbst als potenzielle Ziele hybrider Angriffe sehen, bleibt das tatsächliche Schutzniveau gering. Nur ein kleiner Teil hält sich für gut vorbereitet, während viele deutliche Defizite einräumen oder bislang kaum Maßnahmen umgesetzt haben.

Zwar existieren in einzelnen Bereichen Vorsorgestrategien – etwa alternative Kommunikationswege, Datensicherungen oder Homeoffice-Konzepte. Doch umfassende Notfallpläne, regelmäßige Krisenübungen oder Notstromlösungen sind deutlich seltener verbreitet. Zwischen Risikowahrnehmung und konkreter Absicherung klafft somit eine spürbare Lücke.

Personelle Ausfälle als unterschätztes Risiko

Neben technischen Störungen könnten im Krisenfall auch Mitarbeitende fehlen, etwa durch Einsätze im Zivilschutz oder bei der Bundeswehr. Viele Unternehmen haben jedoch keinen klaren Überblick über mögliche Ausfälle in der Belegschaft. Damit entsteht ein zusätzliches organisatorisches Risiko, das bislang häufig unterschätzt wird.

Ein weiteres Problem sehen Unternehmen in der Informationslage. Nur wenige fühlen sich derzeit ausreichend durch Behörden informiert, gleichzeitig wird im Ernstfall vor allem auf staatliche Stellen als verlässliche Quelle gesetzt. Entsprechend groß sind die Erwartungen an Politik und Sicherheitsorgane.

Gefordert werden unter anderem klarere Informationen, verbindliche Sicherheitsstandards, stärkere Förderung von Schutzmaßnahmen sowie regelmäßige Krisenübungen. Auch eine aktivere Rolle staatlicher Institutionen im Cyberraum findet in Teilen der Wirtschaft Zustimmung.

Resilienz wird zur strategischen Aufgabe

Die Ergebnisse der Bitkom-Befragung zeigen, dass hybride Bedrohungen längst kein theoretisches Szenario mehr sind. Gleichzeitig fehlt es vielerorts noch an strukturierten Vorbereitungen, klaren Zuständigkeiten und belastbaren Notfallkonzepten.

Für Unternehmen wie für staatliche Institutionen wird es daher entscheidend sein, Widerstandsfähigkeit systematisch aufzubauen – technisch, organisatorisch und gesellschaftlich. Nur so lässt sich verhindern, dass einzelne Angriffe schnell zu flächendeckenden Krisen eskalieren.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

Anzeige

Artikel zu diesem Thema

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.