Schnäppchenjagd mit Nebenwirkungen

Wenn die Shopping-Daten zur Staatsangelegenheit werde

Shopping

Günstige Preise und schnelle Verfügbarkeit machen internationale Online-Marktplätze attraktiv. Doch hinter scheinbaren Schnäppchen können Risiken für Datenschutz und digitale Selbstbestimmung stehen.

Datensammlung über das Notwendige hinaus

Darauf weist der deutsche E-Commerce-Anbieter Websale hin, der vor einem allzu sorglosen Umgang mit Shopping-Apps warnt. Denn viele Anwendungen aus dem Umfeld großer Online-Marktplätze verlangen Berechtigungen, die für einen einfachen Einkauf nicht erforderlich sind. Neben Adressdaten können Zugriffe auf Kontakte, Mikrofon oder Zwischenablage angefordert werden. Solche Funktionen dienen weniger dem Bestellprozess als vielmehr der Erstellung umfassender Nutzerprofile, die für personalisierte Werbung oder andere Auswertungen genutzt werden können.

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Hinzu kommt, dass manche Apps eine Verknüpfung mit Social-Media-Konten fördern. Dadurch lassen sich zusätzliche Informationen über Interessen, soziale Kontakte und Verhalten gewinnen. Aus Sicht von Websale entsteht so ein detailliertes digitales Abbild der Nutzerinnen und Nutzer, dessen weitere Verwendung kaum nachvollziehbar ist.

Rechtliche Grauzonen bei internationalen Datenflüssen

Datenschutzfragen betreffen nicht nur einzelne App-Berechtigungen, sondern auch den Umgang mit gespeicherten Informationen. Beschwerden europäischer Datenschutzorganisationen richten sich unter anderem gegen mögliche Datenübertragungen in Staaten mit anderen rechtlichen Rahmenbedingungen. Dort können nationale Gesetze Unternehmen verpflichten, gespeicherte Daten an Behörden weiterzugeben, während europäische Schutzmechanismen nur eingeschränkt greifen.

Auch innerhalb westlicher Infrastrukturen bestehen Unsicherheiten. Werden Daten über internationale Cloud-Dienste verarbeitet, können unter Umständen ausländische Behörden Zugriff verlangen. Selbst dann, wenn sich die Server physisch in Europa befinden. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist oft schwer erkennbar, welche rechtlichen Bedingungen tatsächlich gelten.

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Digitale Souveränität als Verbraucherthema

Nach Einschätzung von Websale zeigt sich hier ein grundlegendes Problem: Datenschutz ist nicht nur eine technische Frage, sondern betrifft unmittelbar die persönliche Kontrolle über Informationen. Wer umfangreiche Berechtigungen erteilt oder intransparenten Datenflüssen zustimmt, verliert schnell den Überblick darüber, wo eigene Daten gespeichert sind und wie sie genutzt werden.

Das Unternehmen verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung unabhängiger Infrastrukturen und klarer Zuständigkeiten bei der Datenverarbeitung. Ziel sei es, Informationen möglichst unter europäischen Rechtsbedingungen zu halten und unnötige Zugriffe zu vermeiden.

Worauf Verbraucher achten können

Sicheres Online-Shopping beginnt bereits vor dem Kauf. Nutzerinnen und Nutzer sollten prüfen, welche Berechtigungen eine App verlangt und ob diese für den jeweiligen Zweck plausibel sind. Ebenso wichtig sind transparente Angaben zum Datenschutz, nachvollziehbare Anbieterinformationen und ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten.

Am Ende steht eine einfache Abwägung: Ein niedriger Preis kann verlockend sein, doch der Wert der eigenen Daten ist oft höher. Wer Angebote kritisch prüft und nur notwendige Informationen preisgibt, stärkt seine digitale Selbstbestimmung – und reduziert mögliche Risiken beim Einkauf im Netz.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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