Die Lizenz- und Preisänderungen bei VMware nach der Broadcom-Übernahme sowie Kritik aus der Branche an der EU-Freigabe des Deals haben viele Unternehmen aufgerüttelt.
IT-Verantwortliche überdenken derzeit ihre Infrastrukturstrategien, prüfen Produktpakete sowie Lizenzmodelle und beschäftigen sich grundlegend mit Abhängigkeiten von zentralen Plattformanbietern. Denn wenn ein Kernbaustein der IT wie VMware plötzlich teurer wird oder sich die Konditionen grundlegend ändern, wird Unternehmen deutlich, wie groß ihre Abhängigkeit ist – und die Suche nach Alternativen beginnt.
In dieser Phase gewinnen Open-Source-Ökosysteme zunehmend an Bedeutung: nicht nur als kurzfristigen Ausweg, sondern als Teil eines strukturellen Wandels in der IT-Infrastruktur. Im Mittelpunkt stehen dabei langfristige Stabilität, Auswahlmöglichkeiten und digitale Souveränität.
Ein Wendepunkt, ausgelöst durch Unsicherheit
Unternehmen, die seit Jahren auf VMware setzen, sehen sich inzwischen mit steigenden Kosten und sinkender Flexibilität konfrontiert. Die Dominanz von VMware auf dem Markt führt laut dem EU-Cloudverband CISPE dazu, dass neue Lizenzbedingungen potenziell fast jede europäische Organisation betreffen, die Cloud-Technologie nutzt.
Gleichzeitig wächst gerade in Deutschland – nicht zuletzt durch die zunehmende KI-Nutzung – der Druck, IT-Umgebungen nicht nur sicher, sondern auch souverän und interoperabel zu gestalten. Die steigenden Investitionen in Künstliche Intelligenz, mit denen der Bitkom in 2026 rechnet, gehen Hand in Hand mit einem wachsenden Bedarf an leistungsfähiger Infrastruktur, etwa durch den Ausbau von Rechenzentren. Mehr als jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) nutzt inzwischen KI und knapp jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) plant oder diskutiert den Einsatz entsprechender Technologien.
Regulatorische Anforderungen wie die DSGVO, KRITIS und branchenspezifische Vorgaben wie DORA erhöhen diesen Druck noch weiter. Unternehmen müssen klar dokumentieren, wo Daten verarbeitet werden, wer Zugriff hat und wie Abhängigkeiten von Drittanbietern sowie Exit- und Notfallpläne abgesichert sind.
Für viele CIOs und IT-Verantwortliche ist all das der Auslöser, ihre Virtualisierungs- sowie Containerstrategien neu zu bewerten und verstärkt auf Plattformen zu setzen, die mehr Unabhängigkeit bieten. Die VMware-Übernahme wirkt damit wie ein Katalysator für eine Entwicklung hin zu mehr digitaler Souveränität, was in Deutschland und Europa ohnehin an Relevanz gewinnt.
Warum Open Source zum neuen Standard wird
Open-Source-Software wird vor diesem Hintergrund zunehmend als wichtiger Bestandteil der Infrastruktur eines Unternehmens angesehen. Entsprechend wächst das Interesse an Open-Source-basierter Virtualisierung, Container-Management und Linux-basierter Infrastruktur. Unternehmen wünschen sich Transparenz und Resilienz durch offene, community-getriebene Weiterentwicklung. Globale Communities treiben Sicherheitsfunktionen, Automatisierung und KI-gestützte Optimierung kontinuierlich voran. Von diesem schnellen Entwicklungstempo profitieren Unternehmen, ohne auf die Release-Zyklen oder die Roadmap eines einzelnen Anbieters angewiesen zu sein.
Gleichzeitig eröffnet Open Source einen kosteneffizienteren Weg zur Skalierung. Ohne einschränkende Lizenzmodelle oder erzwungene Upgrade-Bundles können Unternehmen ihre IT-Landschaften im Einklang mit Budgetvorgaben und technischen Anforderungen über verteilte Umgebungen hinweg ausbauen. Moderne Workloads erstrecken sich zunehmend über Edge-, Cloud- und On-Premises-Umgebungen. So nutzen 29 Prozent der Unternehmen laut dem Cloud-Report vom Bitkom eine Hybrid-Cloud, also sowohl private als auch öffentliche Cloud-Dienste. 41 Prozent setzen auf eine Multi-Cloud und beziehen Cloud-Dienste von unterschiedlichen Anbietern. In diesen Hybrid- und Multi-Cloud-Architekturen unterstützen Open-Source-Standards die Portabilität von Workloads und bieten die entscheidende Flexibilität.
Eine offene Infrastruktur wird für viele Unternehmen zur tragfähigen Grundlage, um langfristige Kontrolle und Agilität zu verbinden. Open Source verschafft Organisationen die Möglichkeit, Umgebungen so anzupassen, dass sie jegliche Compliance- und Souveränitätsanforderungen erfüllen. Vor allem bietet sie auch die Sicherheit, dass geschäftskritische Systeme nicht durch kurzfristige Preisänderungen oder strategische Produktanpassungen beeinträchtigt werden.
Die Zukunft ist offen, modular und souverän
Der Aufschwung von Open Source ist keine kurzfristige Reaktion auf Marktverwerfungen. Vielmehr steht er für einen globalen Wandel hin zu mehr Transparenz und Resilienz. Während Unternehmen ihre IT-Landschaften für KI, Edge Computing und den Einsatz souveräner Cloud-Modelle modernisieren, bieten offene Ökosysteme eine robuste Grundlage für langfristige Innovation und operative Unabhängigkeit.
Organisationen sind künftig vor allem dann gut aufgestellt, wenn sie auf Plattformen setzen, die auf Flexibilität und Vertrauen beruhen. Open Source verkörpert diese Prinzipien und liefert die Architektur, die moderne Infrastrukturen brauchen, um nachhaltig zu wachsen und zuverlässig zu funktionieren.
Autor: Holger Pfister, VP DACH, SUSE