Das neue optionale Abonnement namens WhatsApp Plus bietet exklusive Designs, Klingeltöne und erweiterte Organisationsfunktionen für rund 2,49 Euro im Monat.
Fast genau ein Jahrzehnt ist es her, dass WhatsApp die legendäre Gebühr von knapp einem Euro pro Jahr abschaffte, um unter der Flagge von Facebook, heute Meta, den Planeten zu erobern. Nun schließt sich der Kreis, wenn auch mit einem modernen Anstrich. Unter dem Namen WhatsApp Plus experimentiert der Konzern derzeit mit einem optionalen Abonnement, das vor allem eine Zielgruppe anspricht: Nutzer, denen das Standardgrün schon lange zu langweilig ist.
Die Entdeckung dieses neuen Modells durch Experten wie den Social-Media-Berater Matt Navarra schlug in den letzten Tagen hohe Wellen. Meta bestätigte den Testlauf gegenüber TechCrunch und macht damit deutlich, dass man sich an den Erfolgskonzepten von Snapchat+ und Instagram Plus orientiert. Es ist die sogenannte Plus-ifizierung der sozialen Medien, bei der funktionale Grundbedürfnisse kostenlos bleiben, aber die digitale Selbstdarstellung ihren Preis hat.
Was steckt hinter der Bezahlschranke?
Das neue Paket ist in erster Linie kosmetischer Natur. Ein Meta-Sprecher erklärte dazu, dass WhatsApp Plus für Nutzer entwickelt wurde, die mehr Möglichkeiten zur Organisation und Personalisierung ihrer Erfahrung suchen. In der Praxis bedeutet das vor allem optische Spielereien. Wer bereit ist zu zahlen, erhält Zugriff auf exklusive Chat-Designs, angepasste App-Icons und individuelle Klingeltöne.
Doch es gibt auch eine funktionale Komponente, die Power-User aufhorchen lässt. Während Nutzer in der kostenlosen Version nach wie vor darauf beschränkt sind, lediglich drei Chats am oberen Rand der Liste zu fixieren, hebt WhatsApp Plus dieses Limit an. Abonnenten können bis zu 20 Konversationen anpinnen. In einer Welt, in der wir hunderte Kontakte und dutzende Gruppen pflegen, könnte dies für viele der entscheidende Grund sein, zum Portemonnaie zu greifen. Hinzu kommen benutzerdefinierte Listen, mit denen sich die Flut an Nachrichten besser kanalisieren lässt.
Der Preis der Ästhetik
Obwohl Meta noch keine endgültigen Preise für den globalen Markt festgesetzt hat, geben erste Tests in verschiedenen Regionen einen Hinweis auf die Marschrichtung. In Europa wird derzeit ein Preis von etwa 2,49 Euro pro Monat diskutiert. Für den pakistanischen Markt wurden Beträge um die 229 PKR gesichtet, was umgerechnet weniger als einen Euro bedeutet. Um den Übergang schmackhaft zu machen, bietet WhatsApp den Testern derzeit einen kostenlosen Probemonat an.
Es ist ein interessantes psychologisches Experiment: Ist die visuelle Individualisierung eines Werkzeugs, das wir täglich hunderte Male öffnen, monatliche Kosten in Höhe eines Espresso wert? Meta scheint davon überzeugt zu sein, zumal ähnliche Modelle bei der Konkurrenz bereits Millionen von Abonnenten angezogen haben.
Ein Blick in die Bilanz: Warum jetzt?
Die Einführung von WhatsApp Plus kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Messenger für Meta endgültig zur Goldgrube gereift ist. Lange Zeit galt WhatsApp als Sorgenkind in Sachen Monetarisierung, doch diese Zeiten sind vorbei. Im Rahmen der Ergebniskonferenz für das vierte Quartal 2025 gab Meta bekannt, dass der Umsatz der App-Familie um beeindruckende 54 Prozent auf 801 Millionen Dollar gestiegen ist. Das ist ein Wachstum, das maßgeblich durch bezahlte Nachrichtenlösungen auf WhatsApp getrieben wurde.
Noch beeindruckender ist die Nachricht, dass der jährliche Umsatz von WhatsApp die Marke von zwei Milliarden Dollar überschritten hat. Das Unternehmen verdient sein Geld bisher vor allem durch Click-to-WhatsApp-Anzeigen und die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden. Ein Endkunden-Abo ist da nur der nächste logische Schritt, um die Einnahmen weiter zu diversifizieren. Interessant bleibt jedoch, dass WhatsApp Plus bisher keine Werbefreiheit verspricht. Die Anzeigen in der Status-Funktion, die Meta im letzten Jahr eingeführt hat, bleiben wohl auch für zahlende Kunden bestehen.
Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe möglich
Die Geschichte von WhatsApp ist eine Geschichte der Wandlungen. Von der werbefreien, simplen SMS-Alternative hin zum Alleskönner mit Bezahlfunktionen, Kanälen und nun eben Premium-Features. Mit über drei Milliarden Nutzern weltweit ist der Hebel, den Meta hier ansetzt, gewaltig. Selbst wenn nur ein winziger Bruchteil der Nutzerschaft das Plus-Modell abonniert, entstehen daraus Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe.
Derzeit befindet sich das Feature noch in einer frühen Testphase in ausgewählten Märkten. Es ist also gut möglich, dass sich der Funktionsumfang bis zum globalen Rollout noch verändert.