KI statt Chef

Mark Zuckerberg schickt seinen KI-Klon in Meetings

Mark Zuckerberg
Bildquelle: FotoField/Shutterstock.com

Meta trainiert einen KI-Avatar des Konzernchefs auf Basis seiner Stimme, seines Erscheinungsbilds und seiner Aussagen. Mitarbeiter sollen so das Gefühl bekommen, näher am Gründer zu sein.

Meta-Chef Mark Zuckerberg arbeitet Berichten zufolge daran, einen KI-Klon seiner selbst entwickeln zu lassen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf mehrere mit dem Vorhaben vertraute Personen. Der Avatar soll auf Zuckerbergs Stimme, sein Erscheinungsbild sowie seine Eigenheiten, seinen Tonfall und öffentliche Aussagen trainiert werden. Ziel ist laut dem Bericht, dass Mitarbeiter durch die Interaktion mit der KI-Version ihres Chefs ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl entwickeln sollen.

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Ob das Experiment gelingt, könnte weitreichende Folgen haben. Laut dem Bericht plant Meta, das Konzept anschließend auf Creators auszuweiten, die dann eigene KI-Avatare von sich erstellen dürfen, um mit ihren Followern zu interagieren. Einen Vorgeschmack lieferte das Unternehmen bereits 2024 mit einer Live-Demo. Auf Instagram können Creator-KI-Versionen bereits automatisiert auf Kommentare antworten. Nutzer können zudem eigene, KI-generierte Chatbots erstellen, allerdings hat Meta jüngst damit begonnen, Minderjährigen den Zugang zu diesen Funktionen zu sperren.

KI-Avatare von CEOs: Trend mit offenen Fragen

Metas Vorhaben steht nicht allein. Laut einer Studie des IBM Institute for Business Value, für die Anfang 2025 weltweit 2.000 CEOs befragt wurden, setzen bereits 61 Prozent der Führungskräfte KI-Agenten aktiv ein oder bereiten deren großflächige Einführung vor. Auf dem Markt haben sich entsprechende Anbieter etabliert, die Führungskräften sogenannte digitale Zwillinge verkaufen: virtuelle Abbilder, die Videobotschaften, Onboarding-Gespräche oder Investorenupdates autonom übernehmen sollen.

Die Praxis zeigt aber, dass die Technologie noch weit von einem reibungslosen Einsatz entfernt ist. Aktuelle Sprachmodelle neigen dazu, Aussagen zu erfinden oder Nuancen falsch zu gewichten. Bei einem Avatar mit dem Namen und Gesicht eines echten Managers kann das schnell zu Fehlinformationen oder ungewollten Aussagen führen. Hinzu kommen rechtliche Unklarheiten: Wer haftet, wenn ein KI-Zuckerberg Mitarbeitern etwas Falsches erklärt oder eine Entscheidung kommuniziert, die nie so getroffen wurde? Nicht zuletzt ist auch die psychologische Dimension ungeklärt. Ob Mitarbeiter ein KI-Abbild ihres Chefs als authentisch empfinden oder eher als befremdlich, ist bislang kaum erforscht.

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Zuckerberg soll persönlich in das Training des Avatars eingebunden sein. Gleichzeitig engagiere er sich stärker im technischen Tagesgeschäft von Meta. Laut Financial Times verbringt er mittlerweile fünf bis zehn Stunden pro Woche damit, selbst an KI-Projekten des Unternehmens zu coden und an technischen Reviews teilzunehmen.

Ob und wann der KI-Klon tatsächlich in Meetings eingesetzt wird, ließ Meta bislang offen. Das Unternehmen hat sich zu dem Bericht nicht öffentlich geäußert.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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