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Bild: Sundry Photography / Shutterstock.com

Die Geschichte des größten Online-Händlers begann vor 25 Jahren in einer Garage in Seattle. Heute ist Amazon einer der wertvollsten Konzerne der Börse und Gründer Jeff Bezos der reichste Mensch der Welt. Doch das Unternehmen hat viele Kritiker.

Mit 30 Jahren hat Jeff Bezos bereits eine steile Karriere an der Wall Street gemacht, aber das reicht ihm nicht. Als Vizepräsident der Investmentbank D.E. Shaw & Co steht ihm zwar die Finanzwelt offen, doch Bezos ist fasziniert vom Internet und er hat eine große Vision. Gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau MacKenzie trifft er eine gewagte Entscheidung und tauscht sein Büro in einem New Yorker Wolkenkratzer gegen eine Garage in Seattle. Hier beginnt die Geschichte von Amazon, dem größten Online-Händler der Welt.

«Unsere Vision ist es, das kundenorientierteste Unternehmen der Welt zu sein, wo Menschen alles finden können, was sie im Internet kaufen wollen», lautet Bezos' Leitbild für Amazon. Davon ist er anfangs aber noch weit entfernt: Am 5. Juli 1994 gründen Jeff und MacKenzie Bezos einen Online-Buchhandel. Das Unternehmen heißt zunächst Cadabra, wird jedoch rasch in Amazon umbenannt. Laut der Bezos-Biographie «Der Allesverkäufer» von 2013 klang Cadabra zu sehr nach Kadaver.

Nach rund einem Jahr Anlaufzeit wurde am 16. Juli 1995 das erste Buch an einen externen Kunden verkauft, ein mehr als 500 Seiten dicker Wälzer über das Denken. Heute ist ein Exemplar davon am Eingang des Amazon-Hauptgebäudes in Seattle ausgestellt. Was mit Büchern begann, entwickelte sich über die Jahre zum größten Internetkaufhaus der Welt. Heute ist Amazon noch viel mehr als das und hält mit seinen Cloud-Services, die etwa Start-ups IT-Anwendungen und Speicherplatz im Netz bieten, unzählige Firmen am Laufen. Mit Whole Foods betreibt der Konzern zudem seine eigene US-Supermarktkette.

Und Bezos hat noch lange nicht genug: Im Streaming-Geschäft versucht Amazon mit seinem Prime-Dienst Marktführer Netflix Konkurrenz zu machen; mit dem Aufbau einer eigenen Lieferlogistik setzt der Konzern Paketzusteller wie UPS, Fedex oder DHL unter Druck. Niemand weiß so recht, welche Branchen Bezos als nächstes aufmischen wird. Anfang Juni erst führte Amazon eine Lieferdrohne vor, die bereits in einigen Monaten die ersten Pakete zustellen soll. Das vollautomatische und vollelektrische «Prime Air»-Fluggerät soll zunächst testweise kleinere Haushaltswaren wie etwa Zahnpasta oder Rasierer bringen.

An der Börse hatte der rasant expandierende Bezos-Konzern wegen chronisch roter Zahlen indes lange Zeit einen schweren Stand. Doch seit Bezos zuverlässig Gewinne liefert, ist er zum Liebling der Wall Street geworden. Im ersten Quartal liefen die Geschäfte prächtig: Dank des florierenden Internethandels und boomender Cloud-Dienste wuchs der Überschuss im Jahresvergleich um überraschend starke 125 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar (3,2 Mrd Euro) - so viel verdiente Amazon noch nie zuvor in einem einzelnen Vierteljahr.

Im vergangenen September gelang es Amazon als zweite Aktiengesellschaft nach dem iPhone-Giganten Apple, zeitweise die magische Marke von einer Billion Dollar beim Börsenwert zu knacken. Der Konzern war damit mehr wert als die zwölf größten Dax-Unternehmen zusammen. Im Frühjahr folgte ein Ritterschlag von US-Staranleger Warren Buffett, dessen berühmte Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway erstmals Amazon-Aktien kaufte. Der 88-Jährige Börsen-Guru hatte Bezos zuvor schon in höchsten Tönen gelobt. Was dieser mit seinem Konzern geschafft habe, «komme einem Wunder nah».

Der Gründer zahlt sich der Ansturm der Anleger auf sein Unternehmen auch persönlich aus, da er der größte Aktionär ist. Seit Jahren dominiert der 55-Jährige deshalb die Reichenlisten. Dem «Bloomberg Billionaires Index» zufolge beträgt sein Vermögen derzeit rund 120 Milliarden Dollar. Damit blieb er trotz einer teuren Scheidung von MacKenzie, durch die diese Aktien im Wert von aktuell knapp 40 Milliarden Dollar erhielt, der reichte Mensch der Welt.

Abseits der Börse hat Amazon jedoch längst nicht nur Fans. Dem Konzern wird vorgeworfen, mit seiner großen Marktmacht und seinen Niedrigpreisen den Einzelhandel zu zerstören. Auch der traditionelle Buchhandel in Deutschland sieht sich bedroht. Amazon macht den stationären Läden die Umsätze streitig: Seit Jahren schon verkauft niemand hierzulande mehr Bücher als der Online-Riese.

Der Druck aus dem Internet trug auch zur Fusion der Buchhandelsketten Thalia und Mayersche bei, die im Januar ein Zusammengehen verkündeten. Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen im Buchhandel seien Allianzen notwendig, betonte Thalia-Chef Michael Busch. Sonst werde der klassische Buchhandel im Wettbewerb mit internationalen Online-Anbietern den Kürzeren ziehen.

Auch wegen umstrittener Arbeitsbedingungen gibt es immer wieder Kritik an Amazon - etwa von der Gewerkschaft Verdi. Amazons mächtigster Feind sitzt indes im Weißen Haus. US-Präsident Donald Trump schießt immer wieder gegen den Konzern, den er unter anderem für die Finanznöte der US-Post verantwortlich macht. Als Hauptgrund für Trumps Argwohn gilt jedoch eher, dass er mit der US-Zeitung «Washington Post» auf Kriegsfuß steht, die häufig kritisch über ihn berichtet. Das Blatt befindet sich im Privatbesitz von Bezos.

dpa

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