Credential Stuffing: Das blühende Geschäft mit der Unsichtbarkeit

Die Angriffe auf Anmeldedaten zu Online-Konten wachsen. Und werden damit zur echten Herausforderung für die IT-Security. Wer jetzt seine Authentifizierungs-Maßnahmen verstärkt, blockiert zwar den Angriff, löst aber nicht das grundsätzliche Problem. Denn es geht um das situative Ausbalancieren zwischen Datenschutz und Nutzerfreundlichkeit.

Um digitale Zugänge zu schützen, gibt es ganz unterschiedliche Strategien. Die Spanne reicht vom ständigen Wechsel diverser Passwörter bis hin zum kompletten Verzicht auf Passwörter.

Dabei zeigt sich aktuell vor allem eines: der IT-Grundschutz hat viel zu lange dem Glauben aufgesessen, ein Passwortwechsel könnte dauerhaft vor Cyberattacken schützen. Denn diese Rechnung wurde ohne die Hauptakteure in diesem Szenario gemacht: der Nutzer, der bekanntermaßen eher lax und unkreativ mit Passwörtern und Anmeldedaten umgeht. Und die Internetkriminellen, die auf Basis immer ausgeklügelterer, technischer Methoden mit immer größerer Leichtigkeit an die begehrten Nutzer-Passwort-Kombinationen gelangen.

Cyberkriminelle greifen schnell massenweise Login-Daten ab

Und die Folgen werden immer präsenter: Credential Stuffing Angriffe nehmen rapide zu. Dieser englische Fachbegriff beschreibt eine Methodik, worüber Angreifer versuchen gestohlene Nutzer-Passwort-Kombinationen zu testen, um damit deren Online-Konten zu missbrauchen (z.B. für Online-Shopping oder Online-Banking) und die funktionierenden Logins gewinnbringend zu veräußern. Dabei bedienen sie sich einer großen Menge von Anmeldedaten, die oft durch Datenlecks bereits im Internet gelandet sind. Im Gegensatz zu Angriffen auf einzelnen Firmen zeichnet sich Credential Stuffing zudem dadurch aus, dass möglichst schnell möglichst viele Login-Daten von Nutzern samt unterschiedlicher Zugangswege gekapert werden können. Hinzu kommt, dass die Nutzerdaten zunehmend automatisiert und in Bruchteilen von Sekunden über sogenannte Botnetze ausgetestet werden. Diese Netzwerke greifen dabei meist völlig unbemerkt für den Nutzer auf dessen Online-Konto zu (z.B. von Spotify oder Netflix), und lösen ungewollte Aktivitäten aus.

Vorgehensweise Credential Stuffing

Quelle: Auth0

Branchenexperten werten Credential Stuffing als eine der größten Herausforderungen für die IT-Sicherheit für das laufende Jahr 2020. Gerade Firmen mit hohen Online-Transaktionen, wie beispielsweise die Reise,- oder Bankenbranche kann eine Credential Stuffing – Attacke hohen wirtschaftlichen Schaden zufügen (rund 6 Mio. US$ pro Firma/Jahr laut Ponemon Institute).

Allein Auth0 verzeichnet auf seiner Identitätsplattform, die zig Millionen Kunden-Logins (zum Beispiel von Unternehmen wie Siemens oder HolidayCheck) zentral sichert, täglich Angriffe von rund 50.000 IP-Adressen auf die begehrte „Login-Ware“. Das sind insgesamt betrachtet rund 67 Prozent des gesamten Server-Traffics.

IT-Entscheider müssen ihre Perspektive ändern

Die große Mehrheit der Security-Entscheider und Entwickler sieht sich allerdings eher machtlos gegenüber diesem Cybertrend. Nicht nur, dass sie Probleme dabei haben Masse und Unsichtbarkeit in den Griff zu bekommen. Vielmehr passen ihre Perspektive und ihr Lösungsverständnis im Kontext von IAM-Management nicht mehr zur Art der aktuellen Herausforderung. Denn insbesondere

Credential Stuffing Angriffe machen deutlich, dass es für die IT-Sicherheit heute nicht mehr um „one size fits all“ gehen kann, sondern darum, wie die digitale Identität des Kunden in Abhängigkeit von dessen Anwendungsverhalten geschützt werden kann. Gleichzeitig darf die User Experience nicht gefährdet werden, sondern muss möglichst reibungslos funktionieren. Die zentrale Frage ist also nicht: welche Identitätslösung brauchen wir, sondern vielmehr, wie sichern wir das individuelle Nutzerverhalten möglichst verlässlich ab.

Statische Authentifizierung löst nur einen Teil des Problems

Ein guter Weg, Credential Stuffing einzudämmen, ist sicherlich die Multifaktor-Authentifizierung.

Denn um ein MFA-geschütztes Konto erfolgreich hacken zu können, brauchen die Angreifer neben der Nutzer-Passwort-Kombination zudem einen Zugriff auf das Endgerät, das für den zweiten Faktor verwendet wird. Das wiederum würde für die Übeltäter allerdings massiven Zeit- und Arbeitsaufwand nach sich ziehen. Um nicht zu sagen, es würde einen solchen „Groß-Angriff“ nahezu unmöglich machen. Nachteil allerdings: die erhöhte Sicherheit der Login-Daten wird immer dann mit einer reduzierten User Experience bezahlt, wenn MFA quasi standardisiert über jeden Login gestülpt wird. Denn wer sich erst kompliziert anmelden muss, um auf einen Online-Service wie eine Reisebuchung zugreifen zu können, der lässt es lieber ganz bleiben, und sucht nach einfachen Wegen.

Zielführender wäre eine adaptive Authentifizierung. Hier werden je nach Nutzungsszenario, bestimmte Sicherheitsmechanismen in Gang gesetzt. Greift ein Nutzer beispielsweise immer über dieselbe IP-Adresse auf einen Service zu, braucht er eine „schwächere“ Authentifizierungsstufe, als wenn er aus einem anderen Land oder von einem anderen mobilen Gerät auf diesen Service abruft. Hingegen, wenn es um sensible Transaktionen, wie Online-Bankgeschäfte geht, steigen die Authentifizierungs-Anforderungen für ihn.

Authentifizierung muss flexibel auf das Nutzungsszenario eingehen

Die Kunst ist es hier, über den Anwendungskontext auf das Sicherheitsniveau zu schließen. Mit anderen Worten die digitalen Identitäten in jeder Situation mit dem entsprechenden Schutzlevel zu versehen, ohne die User Experience zu beeinträchtigen. Damit hätte die IT-Sicherheit einen systematischen Hebel, der erst greift, wenn bei Prüfung der Login -Daten Anomalien auftreten.

Diese können bei Auth0 über Signals IP dingfest gemacht werden. Die intelligente Bedrohungsanalyse bewertet die Vertrauenswürdigkeit von IP-Adressen, auf Basis einer Datenbank mit bekannten Bedrohungen, welche auf zahlreiche Datenquellen zugreift und sie analysiert. Sie soll vor allem dabei helfen, Credential-Stuffing-Angriffe zu verhindern, die erbeutete Log-ins von anderen Seiten für Anmeldeversuche verwenden. Auth0 Signals kann solche Anmeldeversuche komplett blockieren.

Auth0 Signals IP

Quelle: Auth0

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