Die Bedrohungslage in der Cybersicherheit hat sich durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz grundlegend verändert. Während Angreifer zunehmend raffinierte Methoden nutzen, um Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen, setzen viele Unternehmen weiterhin auf klassische Endpunktsicherheitslösungen.
Was einst das Rückgrat der Verteidigung war, wird heute zur Schwachstelle – denn der isolierte Fokus auf einzelne Geräte ist in modernen digitalen Ökosystemen nicht mehr ausreichend. Moderne Sicherheitsarchitekturen müssen mehr leisten als einzelne Geräte zu schützen – sie müssen die gesamte digitale Umgebung verstehen und absichern. Warum reicht herkömmlicher Endpunktschutz also nicht mehr aus?
1. Endpunktschutz sieht nur einen Teil des Ganzen
Klassische Endpoint Detection and Response (EDR)-Systeme überwachen lediglich die Aktivitäten auf einem spezifischen Gerät. Doch viele Bedrohungen werden erst im Zusammenspiel mit anderen Systemen sichtbar. Wenn ein verdächtiger Prozess startet, ist ohne übergreifenden Kontext oft unklar, ob er legitim ist – oder das Ergebnis eines versteckten Angriffs, etwa über das Netzwerk.
Ohne Einblick in vorherige Netzwerkaktivitäten oder parallele Cloud-Zugriffe bleiben Sicherheitsteams im Unklaren. Wer heute nur den Endpunkt betrachtet, sieht nur einen Ausschnitt – in einer Welt, in der Angreifer sich domänenübergreifend bewegen. Erst die intelligente Korrelation von Endpunkt-, Netzwerk- und Cloud-Telemetrie liefert ein vollständiges Bild.
2. Tool-Silos kosten Zeit – und erhöhen das Risiko
Ein zentrales Problem in heutigen Security Operations Centern ist die Fragmentierung der Tools. E-Mail-Sicherheit, EDR, Identitätsmanagement und Netzwerkanalyse laufen oft auf separaten Plattformen – was zu einem ineffizienten Kontextwechsel und potenziell gefährlichen Verzögerungen im Ernstfall führt.
Sicherheitsteams müssen in der Lage sein, Alarme und Anomalien schnell domänenübergreifend zu analysieren. Der Trend geht deshalb klar in Richtung Konsolidierung: Plattformen, die Daten nicht nur sammeln, sondern in Zusammenhang bringen und verwertbare Einblicke liefern.
3. Signaturbasierte Erkennung scheitert an neuen Angriffsmethoden
Viele EDR-Systeme arbeiten weiterhin mit statischen Signaturen bekannter Bedrohungen. Doch moderne Angreifer nutzen polymorphe Malware, tarnen sich durch normales Verhalten oder verwenden legitime Tools in kompromittierten Umgebungen – das sogenannte „Living off the Land“.
In einer Zeit, in der neue Angriffsmuster zur Regel geworden sind, braucht es verhaltensbasierte Erkennung. Selbstlernende KI erkennt Abweichungen vom Normalzustand in Echtzeit und identifiziert so auch unbekannte Bedrohungen, bevor sie Schaden anrichten.
4. Analysten brauchen Ursachen – keine isolierten Alarme
Konventionelle Systeme erzeugen tausende Einzelsignale, aber erzählen keine Geschichte. Welche Verbindung führte zur Kompromittierung? Was wurde ausgelöst? Und was war die Ursache?
Manuelle Analyse kostet wertvolle Zeit und ist fehleranfällig. Moderne Plattformen automatisieren deshalb die Korrelation über verschiedene Domänen hinweg, liefern Mustererkennung, Ursachenanalysen und kontextbezogene Bewertungen. Das erhöht die Effizienz und verbessert die Reaktionsqualität erheblich.
5. Endpunkte sind nur ein Teil des Angriffswegs
Angreifer denken in Pfaden – nicht in Produkten. Ein typischer Angriff beginnt mit einer Phishing-Mail, führt über kompromittierte SaaS-Konten in die Cloud und von dort in Endpunkte oder OT-Umgebungen. Wer nur den Endpunkt überwacht, verpasst entscheidende Hinweise.
Deshalb brauchen Unternehmen Sicherheitslösungen, die alle Angriffsflächen in einer konsolidierten Sicht zusammenführen. Entsprechende Anbieter ermöglichen genau das – durch die intelligente Verknüpfung von Prozessdaten aus Endpunkten mit Netzwerk- und Cloud-Telemetrie. So entsteht echte Transparenz über alle Domänen hinweg.
Fazit
Die Zeit isolierter Sicherheitslösungen ist vorbei. Angreifer nutzen die Dynamik verteilter Systeme und KI-gestützter Taktiken – moderne Sicherheitsarchitekturen müssen diese Komplexität abbilden. Der Endpunkt bleibt wichtig, aber nicht als alleinstehender Datenpunkt. Er ist heute Teil eines größeren, intelligenten Ökosystems, das Kontext liefert – und damit echte Verteidigung ermöglicht.
(lb/Darktrace)