Der Einsatz von neuen innovativen Technologien in Unternehmen bringt den entscheidenden Vorteil, um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Vorteile sind unter anderem schnelle Arbeitsprozesse und niedrige Prozesskosten, neue Marktchancen oder höhere Produktqualität. Im Zuge der digitalen Transformation entstehen auch neue Bedrohungsszenarien durch Cybersecurity-Risiken.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass Cyberkriminalität in den letzten Jahren stetig zugenommen hat: Allein im letzten Jahr lag das Wachstum bei 37,5%. In dem Maße, in dem fortschreitende Technologien die Online-Nutzung erhöhen, wachsen die Möglichkeiten für Cyberkriminelle, aus Sicherheitslücken Kapital zu schlagen. Die Herausforderung für Cybersicherheitsexperten besteht darin, mit der ständigen Weiterentwicklung Schritt zu halten.
Von der zunehmenden Konnektivität, die sich aus der weit verbreiteten Remote-Arbeit ergibt, bis hin zur Einführung neuer Technologien wie 5G und Quantencomputing, die Innovation versprechen: Für Unternehmen und Organisationen bedeutet das, dass sie in Bezug auf ihre Cybersicherheitspraktiken wachsamer sein und entsprechende Ressourcen mobilisieren müssen.
Remote Working – Vorteile und Herausforderungen
Das Umdenken in Sachen Homeoffice bedeutet für viele eine Erleichterung im Arbeitsalltag. Es erfordert gleichzeitig, sich mit Sicherheitsfragen auseinanderzusetzen, da Arbeitnehmer in der Regel nicht gewohnt sind, in Cybersecurity-Kategorien zu denken. Die meisten Firmennetzwerke sind in der Regel durch Firewallsysteme sorgfältig geschützt und die Mehrzahl ausgegebener Geräte mit angemessenem Endgeräteschutz ausgestattet. Die seit März zunehmende Einführung des Remote-Arbeitens verändert die Situation. Mitarbeiter greifen teilweise auf ihre eigenen Rechner und mobilen Geräte zurück und verwenden nicht immer die vom Unternehmen bereitgestellten Geräte, um ihre Arbeit zu erledigen und um auf kritische Unternehmensdaten zuzugreifen. Cyberkriminelle nutzen diese Schwachstellen aus. Nicht nur die Risiken sind größer, auch die angemessene Reaktion im Falle eines Angriffs ist kniffliger. Angestellte, die im Homeoffice arbeiten, haben nicht die Möglichkeit, in der IT-Abteilung vorbeizuschauen, um ein Problem zu lösen. Viele Helpdesks erhalten eine Vielzahl an Anfragen mit der Bitte um Unterstützung bei der Remote-Arbeit, so dass die Reaktionen möglicherweise langsamer ausfallen können.
Trotz des Risikos verlangsamt sich laut Gartners Bericht „The Urgency to Treat Cybersecurity as a Business Decision“ aus diesem Jahr das Wachstum der Ausgaben für Cybersicherheit. Während die Ausgaben für Cybersicherheit im Jahr 2018 um zwölf Prozent wuchsen, wird bis 2023 ein Rückgang auf nur sieben Prozent prognostiziert. Dies wirft die Frage auf, inwiefern Cybersecurity als eine strategische Frage gesehen wird und der Unternehmensführung bewusst ist, dass sie letztendlich verantwortlich sind. Der Lösungsansatz: Unternehmensführung, IT-Entscheidungsträger sowie Cybersecurity-Experten müssen zusammenarbeiten, um die neuen Herausforderungen zu bewältigen und sicherzustellen, dass Unternehmen Bedrohungen vorbeugen und darüber hinaus Cybersecurity zu einem Wettbewerbsvorteil ausbauen.
Organisationen sollten stärker als bisher einen proaktiven Sicherheitsansatz verfolgen und weiterhin Richtlinien entwickeln, die speziell für die Telearbeit konzipiert sind – um die Endgerätesicherheit sicherzustellen und Unternehmensdaten zu schützen. Dazu zählen zum einen nicht-technische Maßnahmen, wie bei Mitarbeitern das Bewusstsein für fragwürdige E-Mails zu schärfen. Zum anderen zählen dazu auch der alleinige Einsatz zugelassener Geräte für geschäftliche Zwecke oder das Implementieren neuer Security-Ansätze wie Zero Trust. Das einfache Prinzip des Zero Trusts ist, nicht auf das erwartete Sicherheitsniveau des Endgeräts zu vertrauen, sondern den Zugriff individuell nach Prüfung des Kontexts bzw. regelbasiert zu gewähren. Der Zugriff kann dabei von einem User oder einem „Ding“ erfolgen, was zum Thema Internet der Dinge (IoT) führt.
Vertrauen in IoT
Das IoT revolutioniert bereits unseren Alltag und ermöglicht spannende Konzepte wie Smart Cities und selbstfahrende Autos. In der Industrie befinden sich Unternehmen im Übergang von ersten Pilotprojekten mit industriellem IoT hin zu umfassender Vernetzung. Gleichzeitig gibt es Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, und der Möglichkeit, dass jedes einzelne Gerät von Cyberkriminellen ins Visier genommen werden könnte. Eine intelligentere, stärker vernetzte Welt ist zukunftsträchtig, aber benötigt Aufmerksamkeit.
Bei so vielen alltäglichen „Dingen“, die mit dem Internet verbunden sind, sind nicht nur Unternehmensinformationen gefährdet. Was passiert, wenn jemand die Steuerung des fahrerlosen Autos übernimmt? Cybersecurity-Experten entwickeln Lösungen für IoT wie beispielsweise das „IoT Threat Modelling“. Unter Verwendung eines Frameworks, das die Hackerperspektive einnimmt, werden so IoT-Entwicklern die Sicherheitsanforderungen von der Konzeptskizze bis zum Deployment verdeutlicht. Auf Grundlage spezifischer IoT-Penetrationstests zur Analyse von Hardware und Software werden die Anwendungen dann gegen Angriffe gehärtet.
Fortschritt mit Quantum Computing
Wie viele neue Technologien bringt auch das Quantum Computing neue Möglichkeiten sowie neue Herausforderungen mit sich. Auch wenn sich die Quantencomputer-Technologie in einem relativ frühen Stadium befindet, beginnen Technologieunternehmen damit, Quantenalgorithmen zu entwickeln, die Geschäftsprozesse beschleunigen können. Teilweise können diese Algorithmen, dann auch auf herkömmlicher IT-Architektur, etwa durch Einsatz von GPUs ausgeführt werden und zu beschleunigten Rechenprozessen führen.
Der Vorteil der Quantencomputertechnologie ist ihre Fähigkeit, bestimmte Aufgaben sehr viel schneller als ein herkömmlicher Computer auszuführen. Im Herbst 2019 gab Google bekannt, dass der Quantencomputer Sycamore die „Quantum Supremacy“ erreicht hat. Der Nachweis war erbracht, dass ein Quantengerät ein Problem lösen kann, das kein normaler Computer in angemessener Zeit lösen kann. Dieser technologische Durchbruch könnte die Branche revolutionieren – von der Beschleunigung der Entwicklung von Medikamenten bis hin zur Optimierung der Transportplanung.
Dieselbe Fähigkeit könnte auch einige der Sicherheitstechnologien in Frage stellen, auf denen nicht zuletzt ein großer Teil der digitalen Wirtschaft beruht: die Fähigkeit der Parallelisierung von Berechnungen kann die Sicherheit der RSA-Verschlüsselung gefährden, mit deren Hilfe Daten sicher übertragen werden. Die Möglichkeit, Verschlüsselungen zu knacken, gibt auch Anlass zu Bedenken, ob das Quantencomputing die Sicherheit von Blockchain beeinträchtigen könnte. Um Blockchain für die Ära des Quantencomputings zuverlässig und sicher zu halten, muss es aus einer Post-Quanten-Perspektive neugestaltet werden.
Sicherheit für 5G
Auch 5G weckt hohe Erwartungen: Der Mobilfunkstandard liefert schnellere Datenübertragungsgeschwindigkeiten und niedrige Latenzzeiten, die IoT-Konzepte in großem Maßstab möglich machen. Als eine neue und verbesserte Generation von Konnektivität wird 5G die Netzwerksicherheit in vielerlei Hinsicht verbessern. Es bietet die neueste Verschlüsselungstechnologie, sicheres Roaming und sichere Identitätsmanagementsysteme.
Die Einführung von 5G war ein wichtiges Gesprächsthema in der Sicherheitswelt – wobei die Huawei-Saga Schlagzeilen machte. Es besteht die Sorge, dass einige der Sicherheitsmängel früherer Mobilfunkgenerationen durch den neuen Standard vererbt werden könnten, insbesondere in der Übergangszeit. Und es gibt Raum für neue Mängel und Schwachstellen in 5G-Infrastrukturen und -Geräten, welche auf Systemen auf Basis dynamischer Software aufbauen. Zudem erschwert die hohe Bandbreite und Geschwindigkeit ein Monitoring sowie Reaktionen auf Bedrohungen in Echtzeit. Da das Ziel darin besteht, 5G als weltweiten Konnektivitätsstandard zu etablieren, ist Sicherheit von großer Bedeutung.
Die Gewährleistung der Sicherheit von 5G-Infrastrukturen und -Geräten wird in Zukunft eine wichtige Rolle für die Cybersicherheit spielen. Parallel dazu entwickeln sich andere Technologien mit dem Potenzial weiter, fortschrittlichere Angriffe durchzuführen. Beispielsweise wird 5G in Zukunft fortschrittliche kryptographische Algorithmen mit 256 Bit unterstützen und damit sicherstellen, dass Kommunikation über 5G ausreichend resistent gegen Bedrohungen durch Quantencomputer ist.
Mit den vielen neuen Bereichen, die es zu schützen gilt, wächst der Cybersicherheitssektor ständig und wird laut IDC bis 2023 voraussichtlich auf ein Marktvolumen von über 50 Milliarden Dollar anwachsen. Dieses Wachstum schafft eine ganze Reihe von Arbeitsplätzen und neue Qualifikationsmöglichkeiten für Cybersicherheitsexperten auf der ganzen Welt. Dazu gehört auch die Ausbildung von Spezialisten, die Unternehmen bei der Bewältigung von Fragen der Cybersicherheit unterstützen können. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und junge Talente zu fördern, lädt Reply jährlich zu Teilnahme an der Reply Cyber Security Challenge ein.







