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Blockchain

In gemeinschaftlichen Datenraumprojekten wie Gaia-X oder CATENA-X stellen sich immer häufiger zwei zentrale Fragen: Wie können sich Plattformprojekte zu einem schnell skalierbaren Ökosystem entwickeln, an dem sich alle Teilnehmenden der Wertschöpfungskette gleichermaßen beteiligen können?

Und: Wie können Kooperations-plattformen trotz dieser Komplexität wirtschaftlich effizient sein? Zumal der Daten- und Informationsaustausch einfach, selbstbestimmt und gleichzeitig sicher handhabbar sein sollte.   

„Wir sind davon überzeugt, dass digitale Kooperationsplattformen dann erfolgreicher sind, wenn allen Teilnehmenden von Anfang an klar ist, was sie zum Gelingen der Plattform beitragen und wie sie entsprechend am Gesamterfolg beteiligt werden“, sagt Dr. Nik Scharmann, der das strategische Vorausentwicklungsprojekt „Economy of Things“ bei Bosch Research als Projektdirektor leitet. „Bei gemeinschaftlichen Vorhaben, bei denen der Handel digitaler Güter im Fokus steht, sollten alle Stakeholder drei grundlegende Dinge gemeinsam definieren: Zum einen, zu welchen Bedingungen Beiträge zum Aufbau und zur Nutzung der Plattformen geleistet werden können. Zweitens, welche Nutzungs- oder Mitbestimmungsrechte jeder einzelne Akteur heute hat und künftig haben wird und zum Dritten, wie sich ein System insgesamt wirtschaftlich effizient und auf europäischen Werten basierend weiterentwickeln kann“, so Nik Scharmann weiter.

Werden Nutzungsrechte digital abgebildet, spricht man von krypto-ökonomischen Tokens, der Ansatz in Summe wird als Tokenomics bezeichnet. Bosch sieht grundsätzlich Potenziale bei der Einführung von Tokens und Tokenomics als Mechanismen, um digitale Beteiligungen und Mitbestimmung umzusetzen. „Große Kooperationsprojekte rund um Datenplattformen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass klassische Organisationsstrukturen nicht hilfreich sind, um langfristig wirtschaftlich effizient zu arbeiten. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass eine vollständig dezentralisierte digitale Plattform keine Organisation ersetzen kann. Deshalb ist es unser Ziel in Forschungsprojekten, technische Dezentralisierung und zentrale Steuerungsorgane im Sinne eines optimalen ökonomischen Systems zu kombinieren“, erklärt Nik Scharmann.

Tokenomics spielen insbesondere dann eine Rolle, wenn verstärkt IoT- und KI-Komponenten Teil von kooperativen Datenraumprojekten sind. „Alle, die sich wie Bosch mit AIoT beschäftigen, also der Kombination von Vernetzung (IoT) und künstlicher Intelligenz (KI), müssen grundlegend umdenken, wenn es um Interaktionen im digitalen Raum geht. Denn alle Akteure sind auf eine Vielzahl an Beiträgen aus der Community angewiesen: Von der Bereitstellung von Daten um eine KI zu trainieren, über das Ableiten von Erkenntnissen bis hin zum Betrieb einer technischen Infrastruktur, die effizient arbeitet und gleichzeitig den hohen Anspruch an Datenschutz und -sicherheit erfüllt. Anreiz- und Vergütungssysteme wie Tokenomics sind daher maßgeblich dafür, dass globale digitale Kooperationen für alle Teilnehmenden des Ökosystems erfolgreich sind“, sagt Nik Scharmann.

Bis 2025 sollen alle Bosch-Produkte entweder KI enthalten beziehungsweise mit ihrer Hilfe entwickelt oder hergestellt werden. Dabei ist bereits jetzt absehbar, dass alltägliche Zahlungsmittel wie Bargeld oder SEPA-Überweisungen unzureichend für die meisten Anwendungsfälle sind. „Wir sind überzeugt, dass programmierbare Verträge und programmierbares Geld wesentliche Elemente des Handelns zwischen Mensch und Maschine und auch zwischen Maschine und Maschine werden“, sagt Nik Scharmann. Auch hier zeigt sich die Bedeutung von Tokenisierung und Tokenomics für digitale Wertschöpfungsströme. Der Grundgedanke ist einfach: Wenn viele Dinge in der Lage sein sollen, schnell und zuverlässig Geschäfte im digitalen Raum zu vollziehen, dann müssen Währungsmittel für Kleinstbeträge in hoher Geschwindigkeit transferiert werden können. Mit Kleinstbeträgen sind solche gemeint, die weniger als 0,01€ betragen. Dies könnte bei zukünftigen komplexen und hochautomatisierten bis autonomen Transaktionen von Ding zu Ding der Fall sein. „Deshalb brauchen wir ein kleinteiligeres Tauschmittel im Digitalraum. Ganz im Sinne der ‚Economy of Things‘ wären dann viele spezialisierte Akteure – wie bspw. hochautomatisierte Algorithmen zur Klassifizierung oder Optimierung von Datensätzen – miteinander zu einem großen Arbeitsergebnis verkettet. Dieses Ergebnis kann beispielsweise ein Erkenntnisgewinn aus Produktionsdaten sein, mit dem sich Herstellungsprozesse nachhaltig verbessern ließen“, erklärt Nik Scharmann.

Ein praktisches Beispiel für Tokenomics kommt aus dem Bereich Machine Learning: Kollaboratives Lernen auf Basis dezentraler Technologien bietet die Möglichkeit, Kunden datenbasierte Services anzubieten und so wiederkehrende Umsätze zu generieren. Eine Anwendung dafür ist Predictive Maintenance bei Maschinen oder Geräten. An sich nichts Neues, wohl aber der dezentrale Ansatz mittels Distributed Ledger Technologies (DLT) wie Blockchain, um Erkenntnisse aus kryptografisch abgesicherten Daten zu gewinnen, ohne dabei die Datensicherheit und den Datenschutz aller Beteiligten zu gefährden. Beim kollaborativen Lernen geht es darum, dass mehrere Stakeholder zusammenkommen und am Gewinn durch Machine-Learning-Algorithmen beteiligt werden: Die Entwickler eines Algorithmus, die Anbieter von kryptografisch abgesicherten Daten und die Abnehmer von Erkenntnissen tragen zu einem Wirtschaftskreislauf im digitalen Raum bei. Dabei wird innerhalb eines Datenraums kein eigenes Währungsmittel erzeugt, sondern ein Nutzungsrecht für die Erkenntnisse ausgegeben. Dieses kann dann entweder als Tauschmittel im Datenraum genutzt oder an Börsen eingetauscht werden.

Aus wissenschaftlicher Sicht müssen in Summe Herausforderungen der Kryptologie, Ökonomie, Rechtswissenschaften und Softwareentwicklung gemeistert werden, um eine resiliente Grundlage des Wirtschaftens in kooperativen digitalen Räumen zu erarbeiten. „Wir schaffen durch Tokenisierung und Tokenomics einen Wirtschaftskreislauf im Digitalraum, von dem alle Teilnehmer profitieren können, wenn sie wertekonform agieren“, so Nik Scharmann.

www.bosch.com
 


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