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Digitalisierung

Selten lagen Krise und Chance so nah beieinander wie im vergangenen Jahr seit dem Ausbruch von Covid-19 in Deutschland. Während die physische Wirtschaft in vollem Lauf bremste, beschleunigte die Digitalisierung rasant.

Das Jahr 2020 markierte für viele Fertigungsunternehmen eine Zäsur – auch bei der Digitalisierung. Die Covid-19-Krise hat die Defizite von Unternehmen schonungslos offengelegt – von unzureichenden Homeoffice-Infrastrukturen bis zu instabilen Lieferketten. Mit dem Beginn der Impfkampagne ist zwar Licht am Ende des Tunnels, aber noch halten die Beschränkungen an.

Gerade Mittelständler und familiengeführte Unternehmen stehen vor zwei gegensätzlichen Herausforderungen – einerseits müssen sie Kosten optimieren und ihre Liquidität sichern, andererseits die digitale Transformation und neue Geschäftsmodelle für die Zeit und das Wachstum nach der Krise voran treiben. Wie können Mittelständler diesen Spagat bewältigen, gerade wenn sie international agieren?  Der IT-Dienstleister Tata Consultancy Services (TCS) hat sechs Handlungsfelder identifiziert:

1. Cloud Computing: Heute Kosten senken, morgen Wachstum unterstützen

84 Prozent der Unternehmen nutzen bereits die Cloud, elf Prozent mehr als noch 2017. Das ergab eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research und TCS. Dabei ist Cloud-Nutzung keine Frage der Unternehmensgröße. Auch bei Mittelständlern ist die Technologie mittlerweile Standard – und nimmt weiter zu. „In den vergangenen Monaten haben sich die Cloud-Einführungen verdrei- bis verfünffacht“, sagt Santu Mandal, Head - Manufacturing Business Unit bei TCS in Deutschland. „Zwar haben die Unternehmen auch vor der Pandemie bereits IT-Leistungen über das Internet genutzt, aber noch nicht in der Breite.“

Als Gründe für Cloud-Einführungen werden meist niedrigere Kosten genannt, denn es entfallen die anfänglich hohen Investitionen für Server und weitere Infrastruktur. Mandal weist aber noch auf einen anderen Vorteil hin: „Cloud-Lösungen sind von überall aus über das Internet bedienbar. Gerade seit dem Pandemiebeginn arbeiten viele Menschen nicht mehr im Büro, sondern überwiegend zu Hause. Dank Cloud-Lösungen haben sie trotzdem jederzeit Zugriff auf Anwendungen und Daten.“

2. Shared Service Center: Redundanzen vermeiden

Viele Unternehmen sind in den Vorjahren schnell gewachsen, haben in neue Märkte expandiert oder Unternehmensbereiche hinzugekauft. Durch historisch gewachsene Strukturen werden ähnliche Tätigkeiten an mehreren Stellen oder Standorten im Unternehmen erledigt und die Systeme sind nicht aufeinander abgestimmt.

So fehlt den Unternehmen der Überblick, was in den einzelnen Ländern passiert. Mit einem Shared Service Center in Deutschland oder dem europäischen Ausland lassen sich Tätigkeiten wie Buchhaltung oder Personalverwaltung zentralisieren und die Transparenz erhöhen. Durch effektivere Prozesse sollen auch die Kosten sinken.

3. Software: Zurück zum Standard

In der Vergangenheit wurden Softwarelösungen stark für das jeweilige Unternehmen angepasst. Inzwischen haben Unternehmen jedoch die Vorteile von Standards erkannt und kundenspezifische Anpassungen werden ersetzt. Bei den in vielen Unternehmen geplanten S/4HANA-Transformationen kommen stärker vorkonfigurierte Branchenlösungen und modulare Erweiterungen zum Einsatz. Dadurch profitieren die Firmen von einheitlichen und durchgängigen Geschäftsprozessen sowie besserer Nutzung der Daten, etwa mit bereits enthaltenen Analysefunktionen, der „Embedded Intelligence“.

4. Globalisierung: Risiken besser streuen

Viele Mittelständler sind zwar bereits mit Produktionsstandorten im Ausland vertreten. Doch für zukünftiges Wachstum müssen sie diese Länder noch stärker als Absatzmarkt sehen. Unternehmen sind nach wie stark von einzelnen Märkten wie China abhängig und müssen stärker diversifizieren, um Risiken besser zu streuen. Dafür benötigen sie leicht erweiterbare IT-Lösungen. Zudem müssen die Firmen innovativ bleiben und ihre Produkte auch preislich wettbewerbsfähig sein. Vorreiter sind Automobilzulieferer, die etwa in China, Indien oder Mexiko produzieren und ihre Produkte weltweit vertreiben.

5. Agil gewinnt

Agile Methoden wie Scrum oder Kanban verändern die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Projekte durchführen. Die Ansätze bringen mehr Flexibilität, Nutzerorientierung und auch Motivation in die Projektteams. Kein Wunder also, dass ihre Bedeutung kontinuierlich steigt. Jedes zweite Unternehmen (51 Prozent) nutzt agile Methoden regelmäßig. Vorreiter sind allerdings Großunternehmen mit 61 Prozent, bei kleineren Unternehmen sind es mit 46 Prozent deutlich weniger. „Das Veränderungstempo ist rasant und die Technologien in den Unternehmen verändern sich. Das sollten auch die Projektmanagement-Methoden – unabhängig von der Unternehmensgröße“, so Santu Mandal. „Agile Methoden sind ein Schlüssel, um neue Lösungen schneller einzuführen und von deren Nutzen zu profitieren.“

6. Automatisierung und KI: Interesse ja, Einsatz nein

Robotic Process Automation (RPA), intelligente Chatbots und Künstliche Intelligenz (KI) sind die Grundlage für bessere Nutzererfahrung, schnellere Markteinführungen von Produkten und Services, höhere Umsätze und neue Geschäftsmodelle für die digitale Welt. Gerade in den vergangenen Monaten stellten viele Unternehmen fest: Künstliche Intelligenz und Automatisierung können auch in Krisenzeiten dazu beitragen, die Produktivität und Geschäftskontinuität zu sichern. KI erkennt bereits heute Fehler in hochpräzisen Fertigungsprozessen, beugt Compliance-Verletzungen im Einkauf vor oder reduziert die Komplexität von Geschäftsprozessen in SAP-Lösungen. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter von Routineaufgaben entlastet.

Vorreiter sind auch hier allerdings Großunternehmen: Ein Viertel (25 Prozent) von ihnen setzt bereits KI ein. Bei Unternehmen mit 100 bis 199 Mitarbeitern sind es derzeit lediglich acht Prozent. „Um selbstlernende Systeme zu nutzen, braucht es spezielles Wissen und entsprechende Experten“, so TCS-Experte Santu Mandal. „Und beides fehlt häufig in den mittelständischen Unternehmen.“ Denn während sich in großen Unternehmen zum Teil ganze Abteilungen mit KI beschäftigen, müssen sich im Mittelstand einige wenige Mitarbeiter um das gesamte Thema Digitalisierung kümmern – einschließlich KI.

Aber mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Unternehmen mit 100 bis 199 Mitarbeitern steht der Technologie aufgeschlossen gegenüber. „Das ist eine positive Nachricht“, sagt Santu Mandal. „Die Technologie ist ein entscheidender Baustein für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Branchenverbänden kann im ersten Schritt helfen, die Technologie zu verstehen und zu erkennen, welche Möglichkeiten sie bietet. Auch sollten Unternehmen einen Blick auf vorkonfigurierte KI-Services von Public-Cloud-Anbietern werfen. Sie ermöglichen die Nutzung, ohne dass im großen Umfang eigene Investitionen getätigt werden müssen.“

Ausblick

„Dank ihrer hervorragenden Produkte sind die meisten Mittelständler trotz Krise gut aufgestellt“, sagt Santu Mandal. „Andere werden es eventuell nicht schaffen. Entscheidend ist die Innovationsfähigkeit, auch durch den Einsatz neuer Technologien. Gerade diesen zögern viele Unternehmen jedoch hinaus.“ Das bestätigen die Ergebnisse der jährlich von Bitkom Research im Auftrag von TCS durchgeführten Studie: Zwar wächst seit Beginn der Erhebungen 2016 kontinuierlich der Anteil der Unternehmen, die neue Technologien einführen – Vorreiter sind allerdings Großunternehmen.

„Technologie ist und bleibt jedoch nur ein Teilaspekt der Digitalisierung. Der Wandel gelingt ausschließlich mit Menschen, die Veränderungen anstoßen, mittragen und gestalten“, ergänzt Santu Mandal. Verantwortliche nehmen diese Aufgabe ernster als in den vergangenen Jahren: Erstmals nutzt mehr als jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) nun Methoden aus dem Changemanagement, um seine Beschäftigten zu unterstützen und den Wandel aktiv zu gestalten.

www.tcs.com/de


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