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Rechenzentrum und Klima

Die Nutzung von externen Cloudanbietern steigt seit Jahren weltweit stetig an. Um die zunehmende Nachfrage abdecken zu können, werden Provider ihr Angebot auch in Europa zukünftig signifikant erweitern.

Prognosen zu Folge ist aufgrund wachsender Datenmengen bis ins Jahr 2040 mit Investitionen für den Bau neuer Rechenzentren auf dem EU-Festland von rund 50 Milliarden Euro zu rechnen.

Die in Betrieb genommene Leistung europäischer Rechenzentrumsmärkte ist im zweiten Quartal 2021 um 3,9 Prozent im Vergleich zu Q1 2021 gestiegen. Auch der Strombedarf deutscher Rechenzentren stieg in den letzten Jahren um 33 Prozent auf 16 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr an.

Die Zahl der Rechenzentrumsaktivitäten wird weiterhin stark steigen. Statt ein paar Dutzend großer Rechenzentren steigen Anbieter auf viele kleine Zentren mit rechenintensiven Speicherkapazitäten um. Der Trend entwickelt sich also konstant in Richtung kundennaher, dezentralisierter Strukturen, die große Rechenzentren ergänzen.  Warum Anbieter ihre Aktivitäten dabei nach Europa verlagern, hat verschiedene Gründe.

Die Arbeitswelt im Wandel: Weg von zentralisierten Strukturen

Die technischen Anforderungen an die zukünftige Arbeitswelt verändern sich stetig. Durch Edge Storage, werden Daten am Rande der Cloud verarbeitet. Informationen können dadurch so nah wie möglich an Quelle gehalten zu werden. Dezentralisierten Rechenzentren ermöglichen die Verarbeitung und Speicherung von Daten in örtlicher Nähe zu ihrem Ursprung. Das ist sinnvoll, weil die meisten Daten regional generiert und bearbeitet werden.

Indem die IT-Architektur von vornherein dezentralisiert aufgebaut wird, verringert sich die Transferzeit der anfallenden Daten. Das verbessert die Datenanalyse in Echtzeit und verringert Latenzzeiten deutlich. Letzteres bewerkstelligen Unternehmen, indem sie interkontinentale Entfernungen, die Daten bei ihrer Verarbeitung zurücklegen müssen, einsparen.

Entwicklungen wie Big Data, Industrie 4.0 oder die wirtschaftliche Implementierung von künstlicher Intelligenz werden den Cloud-Traffic noch weiter erhöhen. Für viele digitalisierte und automatisierte Prozesse ist eine verzögerungsfreie Echtzeit-Datenverarbeitung also von essenzieller Bedeutung.

 

EU-Datenschutz führt zu mehr Rechenzentren in Europa

Für innereuropäische Rechenzentrumsaktivitäten sind die rechtlichen Vorgaben der EU-Datenschutz-Grundverordnung von maßgeblicher Bedeutung. Sie dient dazu, einen einheitlichen Rahmen für einen besseren Datenschutz herzustellen.

Unternehmen, die mit personenbezogenen Nutzerdaten arbeiten, müssen besondere, im Ausland teilweise nicht geltende, Vorgaben zur Erhebung und Verarbeitung beachten. Personenbezogene Daten dürfen keine direkten Identifikationsmerkmalen aufweisen. So werden sie pseudonymisiert. Die Datenschutzgrundverordnung räumt EU-Bürgern zwecks Transparenz zusätzliche Auskunftsrechte ein. Daten sind dadurch einfacher abrufbar. Dennoch unterliegen sie strengen Anforderungen bezüglich ihres Speicherorts und der Zugriffsgeschwindigkeit.

Seit dem Inkrafttreten der DSGVO wird die Erhebung und Speicherung personenbezogener Daten von EU-Bürgern im Ausland unterbunden. Darum steigen immer mehr Unternehmen von eigenen Rechenzentren auf externe (Cloud-) Anbietern um. Diese verfügen häufig bereits über entsprechende Strukturen. Solche Colocation-Anbieter garantieren Unternehmen einen wirtschaftlichen, flexiblen und DSGVO-konformen Umgang mit Daten.

Cloud-Anbieter investieren darüber hinaus in europäische Standorte, um eine rechtliche Absicherung bei der Verarbeitung von Daten zu haben. Seitdem der EU-US-Privacy-Shield außer Kraft getreten ist, gibt es für amerikanische Unternehmen keine Rechtsgrundlage, auf der ein Umgang mit europäischen Daten aufbaut. Agieren außereuropäische Cloud-Anbieter bei der Datenverarbeitung gemäß der DSGVO, so garantieren sie, dass europäische Kundendaten auch im Ausland stets nach den aktuellen Gesetzen behandelt werden.

Das Klima als Standvorteil in Europa

Das richtige Klimatisierungskonzept spielt eine wichtige Rolle. Die für Datentransferprozesse erforderliche Systemkühlung macht einen Großteil des Stromverbrauchs in Rechenzentren aus. An einem Standort mit niedrigen Außentemperaturen verringern sich Kühlungskosten. Diese Orte überzeugen durch das beständige, kalte Klima.  Rechenzentren an solchen Standorten zu errichten (oder Kapazität in Anspruch zu nehmen) gestaltet Aktivitäten energieeffizienter als an Orten mit heißem Klima. Aufgrund dessen sind Länder im Raum Skandinavien attraktive Standortoptionen für Rechenzentrumsbetreiber. Kunden in ganz Europa sollten von den optimierten Kosten zu profitieren. Bei der Standortwahl müssen weiterhin Risiken potenzieller Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen mit einbezogen werden. Die richtige Standortwahl beugt Datenverlusten oder Sachschäden vor. Da das Klima dennoch nur bedingt des menschlichen Einflusses obliegt, bleibt immer ein Restrisiko. Die Natur ist schließlich unberechenbar.

Rechenzentren in Deutschland punkten durch Investitionen und Agilität

Rechenzentren verbrauchen sehr viel Strom. Eine Verlagerung nach Europa ließe eine dezentralisierte Struktur mit verschiedenen Standorten zu. Dennoch folgt auf mehr Rechenzentrumsaktivität auch immer ein erhöhter Stromverbrauch: So gingen 20 Prozent des gesamten Energiebedarfs der Stadt Frankfurt am Main im Jahr 2018 von insgesamt 60 Rechenzentren aus. Damit war deren Stromverbrauch größer als der des Frankfurter Flughafens. Das bedeutet, dass Investitionen in die Stromnetze notwendig sind, um die Zukunftsfähigkeit des Standorts weiterhin aufrecht zu erhalten. Die Energiekonzerne Avacon, Mainova und Tennet kündigten im August 2020 an, dass sie bis 2027 750 Millionen Euro in das Frankfurter Stromnetz investieren wollen, um den künftigen Bedarf decken zu können. Diese Investitionen setzen ein Zeichen: Deutsche Standorte stellen sicher, dass sie ihre Infrastruktur stets weiterentwickeln und bieten Rechenzentrumsbetreibern kontinuierlich einen attraktiven, agilen und effizienten Ort für ihre Geschäftsaktivitäten.

Fazit

Der Ausbau Europas als Rechenzentrumsstandort ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Die zukünftigen infrastrukturellen Anforderungen, um den immer größer werdenden Datenströmen gerecht zu werden, sind immens. Für eine flächendeckende Echtzeitdatenverarbeitung und Reduzierung von Latenzzeiten sind neue Kapazitäten unerlässlich. Um vor dem Hintergrund einer fehlenden Grundlage den europäischen Markt gesetzeskonform zu versorgen, ist Europa als Standort für viele Anbieter interessant. Dadurch wird ein außereuropäischer Datenaustausch umgangen und die Verarbeitung beleibt regional. Rechenzentrumsbetreiber finden auf europäischem Boden optimale klimatische Bedingungen vor. Das Tempo des Wachstums in diesem Sektor zukünftig noch anziehen – ebenso wie die Investitionen in die technische und standortbezogene Infrastruktur. Bei der Speicherung werden Algorithmen bestimmen, wann Daten effizient von lokalen Rechenzentren in große, zentrale Rechenzentren migriert werden können.

David Friend, CEO
David Friend
CEO, Wasabi Technologies

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