Roboter-Ausbildung made in Germany

Teslas Optimus lernt in Deutschland das Arbeiten

Tesla Optimus
Bildquelle: Tesla/YouTube-Screenshot

Bevor Optimus in der Fabrik mitanpacken kann, muss er erst mal verstehen, wie Menschen dort eigentlich arbeiten. Genau dafür sollen jetzt einige Beschäftigte am Standort Grünheide herhalten.

Tesla plant offenbar, ausgewählte Mitarbeiter der Gigafactory Grünheide mit rucksackmontierten Kameras auszustatten, um Bewegungsdaten für das Training des humanoiden Roboters Optimus zu sammeln. Das geht aus einer internen Tesla-Mitteilung hervor, über die zuerst das Handelsblatt berichtet hatte.

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Was genau aufgezeichnet werden soll

Im Mittelpunkt stehen alltägliche Handgriffe: das Greifen von Werkzeug, das Bewegen von Bauteilen, ganze Arbeitsabläufe Schritt für Schritt. Diese Aufnahmen sollen als Grundlage dienen, damit Optimus lernt, vergleichbare Tätigkeiten eigenständig auszuführen. Neu ist das Prinzip für Tesla nicht: In den USA setzt der Konzern bereits sogenannte Data Collection Operators ein, deren Job es ist, genau solche Bewegungen für das Robotertraining vorzuführen.

Offen bleibt bislang, welche konkreten Aufgaben Optimus in Grünheide später einmal übernehmen soll. Auch zu den Modalitäten der Datenerfassung, etwa Freiwilligkeit oder Vergütung, äußert sich der Bericht nicht näher.

Optimus Navigating Around | Tesla

Ein Fall für den Betriebsrat?

Juristisch ist das kein triviales Thema. Systeme, die sich grundsätzlich zur Kontrolle von Verhalten oder Leistung eignen, fallen typischerweise unter die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats. Laut Handelsblatt sei das Vorhaben dort bisher jedoch gar nicht zur Sprache gekommen. Eine Anfrage der Zeitung ließ Tesla unbeantwortet.

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Zweite Baustelle: Reutlingen bereitet die Serienfertigung vor

Während in Grünheide also Trainingsdaten entstehen sollen, wird an einem anderen deutschen Tesla-Standort bereits an der industriellen Zukunft von Optimus gearbeitet. In Reutlingen sucht Tesla derzeit Personal für Entwicklung und Fertigung von Komponenten wie Sensoren, Getrieben und Aktuatoren, inklusive der Produktionsanlagen und Verfahren, die später für die Massenfertigung nötig sind. Den Standort hatte sich Tesla 2025 größtenteils vom insolventen Maschinenbauer Manz gesichert.

Damit deutet sich eine Art Arbeitsteilung zwischen den beiden Standorten an: Grünheide liefert möglicherweise das Praxiswissen menschlicher Fabrikarbeit, Reutlingen soll dafür sorgen, dass sich Optimus überhaupt in großer Stückzahl bauen lässt.

Wie weit ist Optimus wirklich?

Trotz dieser Aktivitäten bleibt schwer zu beurteilen, wie nah eine echte Großserie tatsächlich ist. Aktuell läuft die Fertigung nur als Pilotprojekt im kalifornischen Fremont, Produktionszahlen veröffentlicht Tesla nicht. Die Ambitionen dahinter sind trotzdem gewaltig: Langfristig soll eine Fertigungskapazität von bis zu einer Million Robotern pro Jahr entstehen.


Wachstum und Automatisierung parallel

In Grünheide selbst überschneiden sich gerade mehrere Entwicklungen. Einerseits will Tesla die Model-Y-Produktion spürbar steigern und stellt dafür zusätzliches Personal ein. Andererseits soll ab 2027 eine eigene Batteriezellfertigung an den Start gehen. Kurzfristig bedeutet das: Personalaufbau und Automatisierungspläne laufen nebeneinander her.

Werksleiter André Thierig hatte allerdings bereits durchblicken lassen, dass zusätzliche automatisierte Prozessschritte langfristig dazu führen könnten, für dieselbe Fahrzeugmenge weniger Beschäftigte zu benötigen. Ob und wie Optimus dabei künftig eine Rolle spielt, ist derzeit noch völlig unklar. Einen Zeitplan für einen breiteren Robotereinsatz in Grünheide gibt es nach aktuellem Stand nicht.

Klar ist vorerst nur so viel: Ein Teil der Belegschaft soll dem künftigen Kollegen aus Metall demnächst zeigen, wie ihr Job eigentlich funktioniert. Wie gut Optimus diesen Unterricht annimmt und was das langfristig für die menschlichen Kollegen bedeutet, wird sich erst noch zeigen müssen.

(red)

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