Engpässe bei Qualität und Zusammenarbeit

Softwareentwicklung: Vibe Coding als neuer Standard

Künstliche Intelligenz verändert die Softwareentwicklung grundlegend. Eine aktuelle Studie der The Adaptavist Group zeigt, dass Entwickler dank sogenanntem „Vibe Coding“ deutlich produktiver arbeiten.

Gleichzeitig wächst jedoch die Herausforderung, den steigenden Umfang des erzeugten Codes zuverlässig zu prüfen, zu koordinieren und abzusichern.

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Mehr Code in kürzerer Zeit

Immer mehr Entwickler setzen bei ihrer täglichen Arbeit auf KI-gestützte Programmierwerkzeuge. Laut der von The Adaptavist Group unter 240 Softwareentwicklern in den USA und Großbritannien durchgeführten Untersuchung nutzen inzwischen 83 Prozent entsprechende Werkzeuge.

Die Produktivitätsgewinne fallen deutlich aus: 87 Prozent der Befragten berichten von Zeitersparnissen, 74 Prozent erstellen mehr Programmcode als zuvor und 71 Prozent sehen eine Verbesserung der eigenen Arbeitsqualität.

Mit der steigenden Geschwindigkeit wächst allerdings auch die Menge an Code, die überprüft, dokumentiert und langfristig gepflegt werden muss. Genau hier entstehen nach Einschätzung der Studie neue Engpässe.

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Zusammenarbeit wird wichtiger statt überflüssig

Obwohl KI viele Aufgaben automatisiert, nimmt der Bedarf an Abstimmung innerhalb der Entwicklungsteams nicht ab. Im Gegenteil: Mehr als sieben von zehn Befragten geben an, dass der Koordinationsaufwand im Team durch den KI-Einsatz zunimmt. Gleichzeitig empfinden viele die Planung und Nachverfolgung von Entwicklungsaufgaben als komplexer.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Nutzung von Projektmanagement-Werkzeugen wider. Rund drei Viertel der Entwickler greifen seit dem Einsatz von KI häufiger auf entsprechende Lösungen zurück, um die zunehmende Dynamik in den Projekten besser steuern zu können.

Die Studie kommt damit zu dem Ergebnis, dass nicht allein leistungsfähige KI-Werkzeuge über den Erfolg entscheiden. Ebenso wichtig werden klare Prozesse, Transparenz und eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Teams.

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Code-Qualität bleibt eine Herausforderung

Während die Entwicklung schneller wird, halten die Qualitätssicherungsprozesse vieler Unternehmen offenbar nicht Schritt. Zwar betrachten die meisten Entwickler strukturierte Prüfprozesse als unverzichtbar, dennoch zeigt die Umfrage deutliche Lücken.

Elf Prozent der Befragten geben an, KI-generierten Code grundsätzlich ohne abschließende Qualitätskontrolle produktiv einzusetzen. Weitere 30 Prozent tun dies zumindest gelegentlich. Nur knapp die Hälfte berichtet von zusätzlichen Kontrollmechanismen speziell für KI-generierten Programmcode. In 14 Prozent der Unternehmen existieren nach Angaben der Entwickler überhaupt keine ergänzenden Prüfverfahren.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Vier von zehn Entwicklern legen die Nutzung von KI-Werkzeugen am Arbeitsplatz nicht immer vollständig offen. Als Gründe nennen sie unter anderem die Sorge vor negativer Bewertung oder strengeren internen Vorgaben. Dadurch wird es für Unternehmen schwieriger, einheitliche Standards für den KI-Einsatz zu etablieren.

Produktivitätsgewinn mit Nebenwirkungen

Neben den Vorteilen sehen die Befragten auch Risiken. Mehr als die Hälfte geht davon aus, dass KI-gestützte Entwicklung technische Schulden begünstigt. Ein Drittel warnt vor einer höheren Wahrscheinlichkeit von Softwarefehlern oder betrieblichen Problemen.

Zudem befürchten 67 Prozent, dass Nachwuchsentwickler weniger Lernmöglichkeiten erhalten, wenn KI einen immer größeren Teil der Programmierung übernimmt. Fast 40 Prozent sehen darüber hinaus mögliche Auswirkungen auf die eigene Arbeitsplatzsicherheit.

Dennoch überwiegt insgesamt die positive Einschätzung. Drei Viertel der Entwickler empfinden ihre Arbeit durch KI als angenehmer, zwei Drittel sehen zusätzliche kreative Möglichkeiten und mehr als drei Viertel sprechen sich für einen breiten Einsatz entsprechender Werkzeuge in Unternehmen aus.

Nächster Entwicklungsschritt bereits in Sicht

Nach Einschätzung vieler Entwickler dürfte „Vibe Coding“ nur eine Zwischenstufe sein. Fast jeder Zweite erwartet, dass künftig sogenannte „Agentic Engineering“-Ansätze an Bedeutung gewinnen. Dabei übernehmen autonome KI-Agenten komplette Entwicklungsabläufe und steuern einzelne Arbeitsschritte weitgehend selbstständig.

Die Ergebnisse der Studie zeigen damit, dass sich der Fokus in der Softwareentwicklung zunehmend verschiebt. Während die Produktivität durch KI deutlich steigt, werden künftig vor allem Governance, Code-Qualität, Sicherheitsprüfungen und eine koordinierte Zusammenarbeit entscheidend dafür sein, ob Unternehmen die neuen Möglichkeiten dauerhaft erfolgreich nutzen können.

(red/Adaptavist)

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