Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsplätze weltweit, doch sie muss kein unkontrollierbarer Faktor bleiben.
Eine Studie der Rutgers University zeigt, dass Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen eine entscheidende Rolle dabei spielen können, den Einsatz datengetriebener Technologien aktiv mitzugestalten (via Pressetext).
Arbeitskampf als Signal gegen unregulierte Technologie
Ein zentrales Beispiel liefert die US-Medienbranche. Die Gewerkschaft Screen Actors Guild-American Federation of Television and Radio Artists setzte sich im Jahr 2023 intensiv mit dem Einfluss von KI auseinander. Ein 118 Tage andauernder Streik machte deutlich, wie ernst Beschäftigte die Auswirkungen neuer Technologien auf ihre Arbeit nehmen.
Im Fokus stand dabei nicht nur der Schutz vor Arbeitsplatzverlust, sondern auch die Frage, wie KI konkret eingesetzt wird, etwa bei der Erstellung von Inhalten oder der Nutzung digitaler Abbilder von Personen.
Neue Strategien für mehr Einfluss
Die Forscherinnen Emma May und Britt Paris zeigen in ihrer Untersuchung, dass Arbeitnehmer neue Wege finden müssen, um Einfluss auf technologische Entwicklungen zu nehmen. Dazu gehört unter anderem:
- der Aufbau von kollektiven Strukturen rund um Technologiefragen
- die Entwicklung von Richtlinien, die stärker auf den Menschen ausgerichtet sind
- die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg
Ein Problem besteht derzeit darin, dass KI oft noch nicht klar als Verhandlungsthema in Tarifgesprächen definiert ist. Dadurch bleiben viele Fragen zur Nutzung und Kontrolle von Technologien ungeklärt.
Die Studie macht deutlich, dass sich die Rolle von Gewerkschaften erweitert. Es geht längst nicht mehr nur um Löhne oder Arbeitszeiten, sondern zunehmend auch um den Umgang mit digitalen Systemen und automatisierten Prozessen.
Die Autorinnen argumentieren, dass Technologien wie KI stärker in den Rahmen kollektiver Verhandlungen eingebunden werden müssen. Nur so können Beschäftigte mitbestimmen, wie diese Systeme ihren Arbeitsalltag beeinflussen.
Globale Zusammenarbeit gewinnt an Bedeutung
Ein weiterer Aspekt ist die internationale Dimension. Technologische Entwicklungen machen nicht an Landesgrenzen halt, weshalb auch Arbeitnehmerorganisationen stärker global zusammenarbeiten müssen. Gemeinsame Strategien könnten helfen, Standards zu setzen und den Einfluss großer Technologiekonzerne auszugleichen.
Gewerkschaften können eine aktive Rolle bei der Gestaltung der digitalen Arbeitswelt übernehmen – und möglicherweise auch müssen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie ihre Handlungsspielräume erkennen und nutzen.
Langfristig könnten solche Initiativen nicht nur Arbeitsbedingungen verbessern, sondern auch politische Veränderungen anstoßen. Ziel wäre eine Technologieentwicklung, die sich stärker an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht ausschließlich von wirtschaftlichen Interessen geprägt wird.