Viele Technologie-Startups in Deutschland stehen vor einer entscheidenden Herausforderung: der Finanzierung ihres Wachstums.
Eine aktuelle Untersuchung von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass fehlendes Risikokapital für einen Teil der jungen Unternehmen sogar zum Standortproblem werden könnte.
Viele Startups suchen frisches Kapital
Fast jedes zweite Startup in Deutschland plant im laufenden Jahr, neues Kapital aufzunehmen. Im Durchschnitt wollen die Unternehmen rund vier Millionen Euro einsammeln, um ihre Entwicklung voranzutreiben.
Die Mehrheit der Gründerinnen und Gründer zeigt sich dabei grundsätzlich optimistisch: Rund 64 Prozent glauben, dass sie die geplante Finanzierung erfolgreich abschließen können. Gleichzeitig äußern 13 Prozent Zweifel, während etwa ein Viertel noch unsicher ist, ob die Kapitalbeschaffung gelingen wird.
Ein Teil der Unternehmen denkt über Wegzug nach
Trotz dieser Zuversicht sehen viele Startups strukturelle Probleme im deutschen Finanzierungsumfeld. Laut der Bitkom-Umfrage erwägt etwa ein Viertel der jungen Technologieunternehmen, Deutschland zu verlassen, weil sie hier nicht ausreichend Kapital finden.
Nur 17 Prozent der befragten Startups halten das aktuelle Angebot an Venture Capital in Deutschland für ausreichend.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst warnt vor den möglichen Folgen: „Mit jedem Startup, das Deutschland verlässt, verlieren wir Arbeitsplätze und Wertschöpfung, aber vor allem auch innovative Ideen und Lösungen.“
Trotz der Schwierigkeiten wünschen sich viele Gründer weiterhin Investoren aus dem eigenen Land. Rund drei Viertel der Startups würden ihre Finanzierung am liebsten über Kapitalgeber aus Deutschland sichern.
Auch Investoren aus anderen EU-Staaten gelten für viele Unternehmen als attraktive Option. Mehr als die Hälfte der Befragten bevorzugt europäische Geldgeber oder kann sich eine Finanzierung aus der EU zumindest gut vorstellen.
Internationale Investoren mit Abstand dahinter
Kapital aus den USA wird zwar von einigen Startups in Betracht gezogen, spielt jedoch eine deutlich geringere Rolle. Nur ein kleiner Teil der Gründer würde amerikanische Investoren bevorzugen, während ein größerer Anteil sie lediglich als mögliche Alternative sieht.
Noch zurückhaltender fällt die Haltung gegenüber chinesischen Investoren aus. Zwei Drittel der befragten Startups schließen eine Finanzierung aus China grundsätzlich aus.
Börsengang bleibt für viele eine Perspektive
Neben Risikokapital betrachten einige Startups auch den Börsengang als langfristige Finanzierungsoption. Dabei halten sich heimische und internationale Börsen fast die Waage.
Ein Teil der Unternehmen kann sich vorstellen, künftig an einer deutschen Börse zu notieren, während nahezu ebenso viele einen Gang an internationale Handelsplätze in Erwägung ziehen.
Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen
Aus Sicht von Bitkom-Präsident Wintergerst braucht Deutschland zusätzliche Maßnahmen, um die Finanzierungsmöglichkeiten für Startups zu verbessern. Dazu gehören unter anderem stärkere Initiativen für Wachstums- und Innovationskapital sowie Anreize für institutionelle Investoren, stärker in Venture-Capital-Fonds zu investieren.
Auch Reformen in der privaten Altersvorsorge könnten nach Ansicht des Branchenverbands dazu beitragen, mehr Kapital für junge Technologieunternehmen bereitzustellen.
Die Studie zeigt deutlich, dass Finanzierung ein zentraler Faktor für den Erfolg deutscher Startups bleibt. Zwar wollen viele Unternehmen weiter in Deutschland wachsen, doch fehlendes Risikokapital könnte langfristig dazu führen, dass innovative Firmen ihren Standort ins Ausland verlagern.