Transparenz in Gefahr

Der SBOM-Rückzug der USA ist ein Weckruf für Europa

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Bildquelle: peterschreiber.media/Shutterstock.com

Die Meldung, dass US-Behörden die Anforderung an eine „Software Bill of Materials“ (SBOM) für ihre Lieferanten de facto aussetzen, ist weit mehr als eine beiläufige IT-Nachricht.

Es ist ein fundamentaler strategischer Weckruf für jede Organisation in Europa, die auf US-amerikanische Cloud- und Software-Anbieter setzt. Dieses Manöver offenbart auf dramatische Weise die Grenzen des Vertrauens und unterstreicht die unbedingte Notwendigkeit echter digitaler Souveränität.

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Was ist hier genau passiert? Die US-Regierung hat damit begonnen, eine ihrer wichtigsten eigenen Sicherheitsvorgaben zu untergraben. Eine SBOM ist wie eine Zutatenliste für Software. Sie schafft eine grundlegende Transparenz darüber, welche Open-Source-Bibliotheken und Drittanbieter-Komponenten in einem Produkt enthalten sind. Ohne diese Transparenz agieren Unternehmen im Blindflug. Sie können nicht eigenständig prüfen, ob eine neu entdeckte Schwachstelle wie Log4j sie betrifft, da sie nicht wissen, ob die verletzliche Komponente überhaupt in ihrer gekauften Software steckt.

Für europäische Unternehmen ist diese Entwicklung fatal, und zwar aus zwei Gründen:

  1. Die Erosion des Vertrauens: Wenn nicht einmal mehr die US-Regierung selbst volle Transparenz von ihren Software-Lieferanten einfordert, wie können wir in Europa dann noch naiv auf die Marketing-Versprechen dieser Anbieter vertrauen? Es zeigt, dass im Zweifel wirtschaftliche oder administrative Interessen Vorrang vor nachprüfbaren Sicherheitsstandards haben. Das Vertrauen, das viele europäische Firmen in die Sicherheitsarchitektur von US-Hyperscalern und Software-Giganten gesetzt haben, bekommt damit tiefe Risse.
  2. Die Bestätigung des Jurisdiktionsproblems: Dieses Vorgehen ist ein weiteres Beispiel dafür, dass europäische Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen im US-Kontext zweitrangig sind. Ähnlich wie der CLOUD Act den Zugriff auf Daten europäischer Kunden ermöglicht, zeigt diese Entscheidung, dass wir als Europäer keinen Einfluss auf die Sicherheitskultur und die Transparenzpflichten unserer Anbieter haben, wenn diese einer fremden Rechtsordnung unterstehen.

Kontrolle durch Transparenz zurückgewinnen

Genau an diesem Punkt verlässt die Debatte um digitale Souveränität die akademische Ebene und wird zu einer drängenden, operativen Notwendigkeit. Es geht nicht um Protektionismus, sondern um Risikomanagement. Echte Souveränität bedeutet, sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen und die Kontrolle zurückzugewinnen. Das erfordert Partner, deren Geschäftsmodell auf radikaler Transparenz basiert – nicht, weil eine Regulierung es vorschreibt, sondern weil es Teil ihrer DNA ist.

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Martin Hager

Martin

Hager

Gründer und Geschäftsführer

Retarus

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