Pünktlich zum chinesischen Neujahrsfest hat Alibaba sein neues KI-Flaggschiff vorgestellt. Qwen3.5 soll eigenständig Aufgaben auf dem Desktop und Smartphone erledigen. Dabei sei es deutlich günstiger als der Vorgänger.
Alibaba hat am Montag das Sprachmodell Qwen3.5 veröffentlicht und setzt damit auf einen Trend, der die KI-Branche derzeit stark beschäftigt: autonome Agenten, die ohne menschliche Aufsicht mehrstufige Aufgaben erledigen. Laut dem Unternehmen ist das neue Modell 60 Prozent günstiger im Betrieb und bei großen Arbeitslasten achtmal leistungsfähiger als sein unmittelbarer Vorgänger.
Das Modell erscheint in zwei Varianten: als Open-Weight-Version unter dem Namen Qwen3.5-397B-A17B, die heruntergeladen, angepasst und auf eigener Infrastruktur betrieben werden kann, sowie als gehostete Variante namens Qwen-3.5-Plus über Alibabas Cloud-Plattform Model Studio.
Agenten, die Apps selbst bedienen
Besonders betont Alibaba die sogenannten „Visual Agentic Capabilities”: Das Modell kann Benutzeroberflächen visuell interpretieren und eigenständig in mobilen und Desktop-Anwendungen navigieren, also auf Schaltflächen klicken, Formulare ausfüllen und Workflows ausführen, ohne dass dafür eigene Programmierschnittstellen nötig sind. „Built for the agentic AI era”, schrieb Alibaba in seiner Mitteilung.
Technisch setzt das Modell auf eine Hybrid-Architektur, die von den 397 Milliarden Parametern je nach Aufgabe nur 17 Milliarden aktiv einsetzt MLQ. Das soll Geschwindigkeit und Effizienz verbessern. Gleichzeitig versteht das Modell nativ Text, Bilder und Videos bis zu zwei Stunden Länge.
Benchmark-Vergleiche ohne unabhängige Prüfung
Alibaba veröffentlichte Benchmarks, laut denen Qwen3.5 mit führenden US-Modellen mithalten oder diese übertreffen soll. Die Vergleiche beziehen sich dabei nicht auf die jeweils neuesten Versionen der US-Konkurrenten. wie die South China Morning Post anmerkt. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht möglich. Das ist bei selbstveröffentlichten Benchmarks chinesischer wie westlicher KI-Unternehmen inzwischen die Regel.
Trotz der geringeren Parameterzahl schneidet Qwen3.5 laut den eigenen Messungen besser ab als der bisherige Vorgänger Qwen-3-Max-Thinking, der mehr als eine Billion Parameter hatte.
Intensiver Wettbewerb in China
Die Konkurrenz auf dem chinesischen Markt schläft allerdings nicht. ByteDance hatte bereits am Samstag Doubao 2.0 veröffentlicht, ein Upgrade seines Chatbot-Dienstes, der in China mit fast 200 Millionen Nutzern die größte Nutzerbasis aller Chatbot-Apps hat. Auch ByteDance positionierte die Neuerungen explizit im Kontext von KI-Agenten.
DeepSeek wiederum soll in den kommenden Tagen ein Modell der nächsten Generation veröffentlichen, was Investoren und Branchenbeobachter mit Spannung verfolgen, nachdem DeepSeeks Durchbruch vor einem Jahr einen globalen Kursrutsch bei Technologieaktien ausgelöst hatte.
Laut dem technischen Leiter des Qwen-Teams, Lin Junyang, sollen im Verlauf des chinesischen Neujahrsfests weitere Open-Weight-Modelle folgen.