Mit dem Inkrafttreten des EU AI Act wird 2026 zum Jahr der AI Governance. Die „lästigen“ Themen Datenmanagement und Datenqualität rücken unweigerlich wieder in den Fokus. Grundlage für einen verantwortungsvollen Einsatz von KI sind ein smarter Ansatz und umfassende Frameworks zur Kontrolle.
Und genau da herrscht für viele Unternehmen noch Handlungsbedarf: Wenn es um den Einsatz von KI, Machine Learning, aber auch von Generative oder Agentic AI geht, sehen Experten aus IT- und Fachabteilungen den Mangel an Data Governance als eine der größten Hürden. Dies zeigt eine globale IDC-Studie: Sie belegt, dass fehlende Regeln in Deutschland überdurchschnittlich oft beklagt werden (9 Prozentpunkte über dem globalen Durchschnitt von 44 Prozent).
2026 wird zur Bewährungsprobe: Der EU AI Act sieht erstmals empfindliche Bußgelder bei einer Nichterfüllung der Vorgaben vor. Das bringt weitreichende Herausforderungen und Veränderungen mit sich – von der Pflicht zur Datentransparenz über den breiten Einsatz synthetischer Daten bis hin zu souveränen KI-Architekturen.
Schmerzhafte Strafzahlungen
Ab August 2026 greifen die meisten Verpflichtungen der 2024 beschlossenen EU-KI-Verordnung – spätestens dann können sich Unternehmen KI-Business ohne Datentransparenz nicht mehr leisten. Denn wer etwa Modellherkunft, Datenrechte und Kontrollmechanismen nicht belegen kann, riskiert empfindlich hohe Strafen.
Der Übergang von einer theoretischen Ethik-Übung hin zu einer rechtlichen Verpflichtung betrifft dabei unterschiedlichste Bereiche und Branchen – von HR und Recruitment-Plattformen bis hin zu Underwriting bei Versicherungen. Auditoren erwarten eine vollständige Nachverfolgbarkeit für jeden Schritt im Modell-Lebenszyklus, von den Rohdaten bis zur Implementierung. Sie möchten wissen, aus welchen Quellen Trainingsdaten stammen, wie sie verändert und validiert wurden, welche Algorithmen zur Anwendung kamen und wer wichtige Änderungen freigegeben hat. Im Grunde geht es darum zu rekonstruieren, wie und warum Entscheidungen getroffen wurden. KI-Hygiene wird vor der veränderten regulatorischen Landschaft somit zur neuen KI-Strategie.
Wake-up-Call für die Führungsetage
Um hohe Strafzahlungen zu vermeiden, sind Vorstände und Geschäftsführungen gefordert, Transparenz bei KI-Anwendungen vehementer als bisher einzufordern. Sie müssen beginnen, Fragen zu stellen wie „Können wir belegen, dass unsere Modelle richtlinienkonform sind?“, „Wer ist im Unternehmen verantwortlich für das Thema KI-Risiken?“, „Welche finanziellen Auswirkungen ziehen Verstöße gegen die Compliance nach sich?“.
Diese Fragen sorgen dafür, dass neue Executive-Rollen entstehen: Chief AI Risk Officer, Head of Responsible AI oder AI Governance Lead – Experten, die die Brücke schlagen zwischen Data Science und Risikomanagement.
Synthetische Daten werden Mainstream
Die schärferen Regeln für eine verantwortungsbewusste Nutzung realer Daten steigert auch die Bedeutung von synthetischen Daten und Differential Privacy, also die Minimierung der Wahrscheinlichkeit, dass sich bei Datenbankabfragen die verwendeten Datensätze privaten Personen zuordnen lassen. Beides wird zum Standard für eine sichere und regelkonforme Anpassung von Modellen.
Wenn Privacy, Lineage und Überprüfbarkeit kollidieren, können synthetische Daten eine Brücke bilden. Denn sie ermöglichen ein Trainieren und Testen von Modellen, ohne sensible personenbezogene Informationen preiszugeben. Differential Privacy, föderales Lernen mit getrennten Trainingsdatensätzen auf unterschiedlichen Geräten und Privacy-by-Design-Architekturen entwickeln sich von Innovationsprojekten zu Grundlagen für Compliance.
Qualität vor Quantität: Data Readiness als entscheidender Faktor
Garbage in, Garbage out – das Eingabe-Ausgabe-Prinzip der Informatik ist bekannt. Im Zusammenhang mit KI ließe es sich folgendermaßen übertragen: Erfolg werden nicht die Unternehmen haben, die die meisten Daten sammeln. Entscheidend ist es, die richtigen Daten vorzuhalten und zu nutzen.
Fehlerhafte Modelle, voreingenommene Prognosen und undurchsichtige Entscheidungsfindungen lassen sich auf eine Hauptursache zurückführen: eine ungenügende Datengrundlage. Nur wer Datenherkunft, -qualität und -zugriff gekonnt orchestriert, kann die Vorteile skalierbarer KI-Lösungen ideal ausspielen. Für Unternehmen, die KI großflächig in operative Abläufe integrieren möchten, stellt ein smartes Datenmanagement daher einen zentralen Erfolgsfaktor dar.
Zunahme von souveränen und hybriden KI-Architekturen
2026 geht es nicht mehr darum, wer KI als Erster einsetzt. Entscheidend ist, wer funktionierende Rahmenwerke für die verantwortungsvolle Nutzung aufbaut. Denn solange es keine konsistente KI-Regulierung von staatlicher Seite gibt, müssen Unternehmen selbst Leitplanken etablieren, die Compliance, Governance und ethische Vertretbarkeit sicherstellen.
Gleichzeitig fordern Unternehmen weltweit immer mehr Kontrolle über ihre Daten, Modelle und Infrastruktur. Konzepte wie „Bring your own model“ und „Sovereign AI“, bei denen Organisationen Basismodelle innerhalb ihrer eigenen Governance- und Compliance-Grenzen betreiben, werden zum Standard.
Fazit
KI-Regulierung und AI Governance sind nicht das rote Tuch, als das sie oft gesehen werden. Sie sind ein Beschleuniger für Innovationen und reife KI-Anwendungen. Die Vorteile sind leicht zu erkennen: Governance schafft Ordnung im komplexen Umfeld. Nachvollziehbarkeit verbessert die Reproduzierbarkeit. Und Transparenz baut Vertrauen auf Verbraucherseite auf. Unternehmen, die dies verstehen und für sich nutzen, erfüllen nicht nur Standards, sie setzen sie.
2026 bringt die nächste Entwicklungsstufe in Richtung „erwachsene“ KI, die Innovation, Ethik und Verantwortlichkeit endlich zusammenführt. Voraussetzung ist, dass Unternehmen über ein Datenmanagement-Framework verfügen, das die häufigsten Herausforderungen adressiert: sowohl intern in Form von komplexen Dateninfrastrukturen, ineffizienten Speichern und Produktivitätsengpässen als auch extern im Hinblick auf Know-how-Mangel, steigende Migrationsrisiken und -kosten sowie unübersichtliche Software-Stacks.