Technik rückt immer näher an den Körper heran. Smarte Brillen, die Musik abspielen, Telefonate ermöglichen oder per Sprachsteuerung Informationen liefern, sind längst keine Zukunftsvision mehr.
Erste Modelle sind bereits im Handel verfügbar. In Deutschland stößt diese Geräteklasse auf vorsichtige Offenheit. Rund vier von zehn Menschen können sich grundsätzlich vorstellen, eine solche Brille im Alltag zu tragen.
Augmented Reality als nächste Entwicklungsstufe
Über reine Audiofunktionen hinaus gelten Augmented-Reality-Brillen als der nächste Schritt. Sie blenden digitale Inhalte direkt ins Sichtfeld ein und erweitern die reale Umgebung um zusätzliche Informationen. Etwa ein Viertel der Bevölkerung zeigt sich offen für diese Technologie. Besonders groß ist das Interesse bei jüngeren Altersgruppen. Unter den 16 bis 29 Jährigen sowie den 30 bis 49 Jährigen kann sich jeweils etwa ein Drittel vorstellen, künftig eine AR-Brille zu nutzen. Mit zunehmendem Alter sinkt die Zustimmung deutlich.
Der Digitalverband Bitkom verweist darauf, dass intensiv an massentauglichen Lösungen gearbeitet wird. Entscheidend für eine breite Akzeptanz seien vor allem Tragekomfort, technische Reife und ein bezahlbarer Preis.
Konkreter Nutzen überzeugt viele
Unabhängig von der technischen Ausprägung erkennen viele Menschen bereits heute einen praktischen Mehrwert in smarten Brillen. Besonders gefragt sind Funktionen, die Informationen zur Umgebung liefern. Fast die Hälfte der Befragten kann sich vorstellen, über eine Brille Hinweise zu historischen Gebäuden abzurufen. Auch Navigationshilfen wie Wegbeschreibungen stoßen auf Interesse. Deutlich zurückhaltender reagieren die Menschen hingegen auf Anwendungen, die Informationen über andere Personen in der Umgebung anzeigen würden.
Datenschutz bleibt ein sensibles Thema
Neben Neugier und Nutzenabwägung spielt das Thema Privatsphäre eine zentrale Rolle. Die Möglichkeit, mit smarten Brillen unauffällig Fotos oder Videos aufzunehmen, bereitet vielen Menschen Unbehagen. Mehr als die Hälfte der Befragten äußert entsprechende Sorgen. Hersteller reagieren darauf mit sichtbaren Hinweisen wie Leuchtsignalen, die aktive Kameraaufnahmen anzeigen sollen. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und das Vertrauen in die neue Geräteklasse zu stärken.
Ausblick auf den Alltag von morgen
Smarte und AR-Brillen stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung. Die Ergebnisse der aktuellen Bitkom-Befragung zeigen jedoch, dass das Interesse vorhanden ist, insbesondere bei jüngeren Nutzergruppen. Ob sich die Technik langfristig im Alltag etabliert, hängt davon ab, wie gut es gelingt, Nutzen, Komfort und Datenschutz in Einklang zu bringen. Erst dann könnten Brillen mit digitalen Zusatzfunktionen einen ähnlichen Stellenwert erreichen wie heutige Smartphones.