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Vodafone

Quelle: Tobias Arhelger - Shutterstock.com

Vodafone hat in Deutschland wichtige Teile seines 5G-Mobilfunknetzes auf die nächste Entwicklungsstufe umgestellt, die ohne die Vorgängertechnik LTE auskommt.

«Als erster Netzbetreiber legen wir bei 5G die LTE-Stützräder beiseite und starten mit einem 5G-Kernnetz», sagte der Deutschland-Chef von Vodafone, Hannes Ametsreiter, am Montag.

Die neue Version «5G Standalone», die ohne einen LTE-Anker auskommt, zeichnet sich vor allem durch äußerst kurze Datenlaufzeiten aus. Diese geringe Latenz ist zum einen für kommerzielle Anwender interessant, die damit beispielsweise aus der Ferne technische Geräte ohne jeden Zeitverzug steuern können. Damit könnten etwa Bagger aus der Ferne quasi in Echtzeit gesteuert werden.

Private Nutzer profitieren etwa bei Online-Computerspielen von den kurzen Datenlaufzeiten, weil sie ohne Zeitverzug reagieren können. Bei längeren Laufzeiten sind die Gamer im Nachteil, weil sie beispielsweise in einem Ballerspiel vom Gegner längst abgeschossen wurden, bevor ihre Reaktion in dem Spiel technisch umgesetzt wird. Mit einer geringen Latenz werden auch Anwendungen der «Augmented Reality» erleichtert, bei der virtuelle Inhalte in eine reale Umgebung in Echtzeit eingeblendet werden.

Vodafone ist nicht der einzige Provider, der sich mit dem Thema auseinandersetzt: Die Deutsche Telekom testet «5G Standalone» bereits seit Februar in Garching bei München, hat bislang aber noch keinen größeren Live-Betrieb in der Fläche angekündigt. Wettbewerber Telefónica (O2) hat den Start des «reinen» 5G-Betrieb für dieses Jahr in Aussicht gestellt.

Der Ausbau von «5G Standalone» bei Vodafone betrifft alle Mobilfunk-Stationen in Deutschland im 3,5 Gigahertz-Bereich. Das sind rund 1 000 Antennen im in 170 Städten und Gemeinden. Die bislang verfügbaren 5G-Netze setzen nur eine abgespeckte Version des ultraschnellen Übertragungsstandards um.

«5G Standalone» ermöglicht aber auch ganz neue Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehört die Funktion des «Network Slicings». Dabei kann ein physisches Netz in mehrere virtuelle Netze mit unterschiedlichen Anforderungen, garantierten Bandbreiten und Latenzen unterteilt werden. So könnte beispielsweise einem TV-Team in einem voll besetzten Bundesliga-Stadion ein eigenes virtuelles Mobilfunknetz zugewiesen werden, mit dem ein kabelloser Kamera-Einsatz möglich wäre. Damit wäre der Sender nicht mehr auf feste Standorte mit Kabelanschluss angewiesen, sondern könnt viel flexibler agieren, weil für die drahtlose Datenübertragung der Videosignale aus den mobilen Kameras ein garantierte Bandbreite zur Verfügung steht. Entsprechende Feldversuche laufen zwischen Vodafone und dem TV-Sender Sky.

Während bei «5G Standalone» die Datenlaufzeiten gemessen in Millisekunden signifikant besser ausfallen, spielt die neue Ausbaustufe bei der Bandbreite (gemessen in Megabit pro Sekunde) dagegen bislang keine Rolle. In bestimmten Szenarien fällt die Bandbreite im «reinen» 5G-Netz sogar geringer aus als im «5G Non-Standalone»-Netz. Noch höhere Übertragungsraten sind dann für weitere 5G-Ausbaustufen vorgesehen. Kunden mit 5G-Tarifen können bei Vodafone selbst entscheiden, ob sie im bestehenden 5G-Netz mit LTE surfen wollen oder in dem neuen Netz.

Mit dem Ausbau des 5G-Netzes bei allen 3,5-GHz-Stationen geht Vodafone in Vorleistung, denn zu Beginn werden nur wenige Anwender davon profitieren können. Bislang unterstützen nur wenige Smartphones wie das Oppo Find X3 Pro den neuen Standard. Dazu muss allerdings die Software des Gerätes aktualisiert werden. Allerdings werden auch Modelle von Samsung, Huawei und anderen Herstellern erwartet, die «5G Standalone» nutzen können. Experten gehen davon aus, dass auch das neue iPhone von Apple, das traditionell im Herbst auf den Markt kommt, für den neuen Standard vorbereitet sein wird.

Mit der neuen Technik rücken auch die verteilten Rechenzentren in den Blickpunkt. Um die Datenlaufzeiten möglichst gering zu halten, bauen die Provider diese Kapazitäten nicht zentral aus, sondern die Daten werden immer näher beim Kunden verarbeitet. Dieses Konzept wird auch als «Edge Computing» bezeichnet, weil sich die Rechner «am Rande des Netzes» befinden.

Bei Vodafone sind die sehr geringen Latenzzeiten direkt zu Beginn in Frankfurt/Main und Umgebung spürbar, weil hier das erste 5G-Kernnetz beheimatet ist. Bis 2023 will das Unternehmen insgesamt zehn 5G-Rechenzentren in Betrieb nehmen. Noch in diesem Jahr werde das zweite 5G-Rechenzentren in Berlin ans Netz, sagte Vodafone-Technikchef Gerhard Mack. Kurze Zeit später werde ein drittes 5G-Rechenzentrum in München live gehen. «Die weiteren 5G-Rechenzentren folgen bis 2023. Dann ist in ganz Deutschland der Datenaustausch nahezu in Echtzeit möglich.»

dpa


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