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Ein europäisches Zentrum zur Krisenprävention soll in Zukunft die Ausbildung für den Ernstfall und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Rettungsdiensten, Feuerwehr, Behörden und Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) verbessern.

Während in Italien wiederholt Erdbeben wüten, ist Deutschland immer wieder von Überflutungen betroffen. Im Jahr 2012 sorgte gar ein Vulkanausbruch für europaweite Flugverbote. Egal ob Naturereignisse, Terrorattacken, technische Defekte oder menschliches Versagen – Katastrophen treten plötzlich ein und legen Versorgungs- und Transportwege lahm. Im Ernstfall entscheiden gute Ausbildung, schnelle Entscheidungsfähigkeit und vernetztes Handeln über Menschenleben und die Höhe des finanziellen Schadens. Zur Verbesserung der Schutzkonzepte gründete ein Konsortium unter der Federführung des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS den »2E!SAC – Verein zur Verbesserung der Resilienz vitaler Infrastrukturen in Europa e.V.«

Der Verein dient dem Zweck des nachhaltigen Forschungstransfers: Mit vereinten Kräften wollen die derzeit noch neun Gründungsmitglieder die Voraussetzungen zur Einrichtung eines europäischen Zentrums zur Krisenprävention schaffen. Die Schutzkonzepte zur Prävention müssen ständig an technische, politische und wirtschaftliche Änderungen angepasst werden. Die Krisen machen auch vor Grenzen nicht Halt, so ist eine funktionierende europaweite Zusammenarbeit von Rettungsdiensten, Feuerwehr, Behörden und Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) von höchster Relevanz.

Das Fraunhofer IAIS forscht seit mehr als zehn Jahren im Bereich »Schutz kritischer Infrastrukturen« und hat in mehreren nationalen und EU-Forschungsprojekten unter anderem ein Entscheidungssystem für KRITIS-Betreiber und ein Trainingssystem für Krisenstäbe im Zivilschutz entwickelt. In dem im EU-Projekt CIPRNet entwickelten CIPRTrainer simulieren die Wissenschaftler zum Beispiel eine Cyberattacke auf das Stellwerk der Bahn oder Überflutungen im deutsch-holländischen Grenzgebiet. In What-if-Analysen spielen die Trainees in Viererteams alternative Handlungsszenarien durch. Die Konsequenzen ihrer Maßnahmen sehen sie in einer Simulation auf der Basis realer Geodaten auf dem Bildschirm.

Gründung von Knotenpunkten: Europaweite Vernetzung soll Krisen vorbeugen

Von solchen ausgefeilten und an die Realität angepassten Trainingssystemen könnten in Zukunft Anwender wie Polizei, Feuerwehr, KRITIS-Betreiber sowie Behörden profitieren: In einer Machbarkeitsstudie haben die Forscher aufgezeigt, wie ein europäisches Zentrum zur Krisenprävention umgesetzt werden kann. »European Infrastructures Simulation and Analysis Centre« – kurz EISAC – wird es heißen. Mittels Knotenpunkten in den beteiligten EU-Ländern vernetzen sich die Einrichtungen untereinander. Langfristig sollen den Anwendern damit Simulationen, Analysen, Training und Dienstleistungen der Forschungspartner umfassend zur Verfügung stehen. Die Tools und Technologien werden länderspezifisch angepasst und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gefördert. In Italien steht bereits die Gründung des ersten Knotens an.

Kompetenznetzwerke dienen dem Transfer von Forschungsergebnissen

»Für den Transfer von Forschungsergebnissen im Bereich Schutz Kritischer Infrastrukturen braucht man einen langen Atem: In Europa sind die institutionelle Verankerung und die gesetzlichen Grundlagen der Krisenprävention in den Ländern sehr heterogen«, sagt Dr. Erich Rome, Initiator am Fraunhofer IAIS und Vorstandsvorsitzender des Vereins 2E!SAC. Allein in Deutschland gibt es um die 50 Institutionen, die sich mit präventiver Sicherheit beschäftigen. Krisenschutz ist hier Ländersache, während er in Italien zum Beispiel zentralistisch organisiert ist. »Die USA haben den Nutzen von umfangreichen Modellen und Simulationen von Krisensituationen längst erkannt und Kompetenzzentren eingerichtet. Mit der Gründung von europäischen Knotenpunkten, die an Forschungseinrichtungen oder andere Institutionen gekoppelt sein können, zielt unsere Arbeit darauf ab, ebensolche Kompetenznetzwerke zu schaffen«, ergänzt Rome.

Gründungsmitglieder des Vereins sind neben Fraunhofer für Deutschland auch die ENEA und Università Campus Bio-Medico di Roma (Italien), TNO und Deltares (Niederlande), CEA (Frankreich), University of Cyprus (Zypern), Acris GmbH (Schweiz) und Tecnalia (Spanien). Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen.

Weitere Informationen:

Projektwebseite CIPRNet
www.iais.fraunhofer.de

 

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