Anzeige

Anzeige

VERANSTALTUNGEN

Software Quality Days 2019
15.01.19 - 18.01.19
In Wien

CloudFest 2019
23.03.19 - 29.03.19
In Europa-Park, Rust

SMX München
02.04.19 - 03.04.19
In ICM – Internationales Congress Center München

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Cyber Attack Totenkopf„Es gibt kein klares Fehlerbild“ lautete die Aussage der Telekom, als rund 900.000 deutsche Haushalte keinen Zugriff mehr auf das Internet hatten. Nun scheint klar: die Telekom hat es zum einen verpasst, ihre Router, die von taiwanischen Dienstleistern hergestellt wurden, intensiv auf Schwachstellen zu prüfen. Ein Kommentar von  Lion Nagenrauft, Cyber Security Analyst, iT-Cube Systems.

Zum anderen haben Sie es versäumt festzustellen, dass veröffentlichte Schwachstellen für andere Routermodelle auch bei Telekom-Routern Probleme verursachen können. Im konkreten Fall wurde eine Schwachstelle innerhalb des Fernwartungsprotokolls bei Routern weltweit ausgenutzt. Für die Schwachstelle wurde am 07. November 2016 ein Metasploit-Modul veröffentlicht, d.h. ein Stück Software, das die Schwachstelle ausnutzen kann. In dem Fall des Metasploit-Exploits sollten Passwörter des WLANs der Router Modelle Eir D1000 Wireless ausgespäht werden. Im Fall der Telekom sind die Router daraufhin scheinbar durch die Last der weltweit infizierten Systeme abgestürzt.

Telekom Router

Abbildung 1: Screenshot einer Schwachstellen-Datenbank – der Eintrag wurde am 08.11.2016 dort veröffentlicht.

Die ersten Störungen wurden Sonntagnachmittag, am 27. November 2016 bekannt – 20 Tage nachdem das Metasploit-Exploit veröffentlicht wurde. Bereits in der Nacht zum Montag gab die Telekom bekannt, man gehe von einem Angriff „von außen“ aus.

Als erste Meldungen veröffentlicht wurden, dass Port 7547, also der Port der Fernwartungsschnittstelle, betroffen ist, haben wir auf unserem Testsystem den Port entsprechend für potentielle Angreifer geöffnet, um die Pakete der Angreifer mitzuschneiden.

Telekom Router

Abbildung 2: Auf unserem Testsystem haben wir die Angriffe mitgeschnitten. Der Parameter „NewNTPServer1“ wird für Code-Execution Angriffe missbraucht.

Es hat nicht einmal fünf Minuten gedauert und drei verschiedene Angreifer waren bereits in unserem Honeypot gelandet. Honeypots werden verwendet, um Informationen über Angreifer und deren Angriffsmuster zu sammeln sowie um alle Aktionen eines Angreifers zu protokollieren.

Nun ist mittlerweile klar, es ist kein Angriff gegen die Telekom direkt, sondern gegen bestimmte Routersysteme weltweit. Und der Angriff dauert an. Aber welchen Zweck hat er?

Telekom Router

Abbildung 3: String Analyse der Schadsoftware. Port 7547 wird von der Schadsoftware deaktiviert, um weitere Angriffe abzublocken und den Herstellern die Fernwartungsmöglichkeit zu nehmen.

Der Angriff soll verwundbare Router mit Schadsoftware infizieren, um diese in dem Botnetz „Mirai“ zu bündeln. Wir vermuten, dass nicht nur die Angreifer mit eigenen Systemen nach verwundbaren Routern suchen, sondern dass infizierte Router ebenfalls nach neuen Opfern suchen. Diese Vermutung basiert auf Angreifern die in unserem Honeypot gelandet sind, die dynamische DSL IP-Adressen besitzen, z.B. „85.102.4.123.dynamic.ttnet.com.tr“ und „189.58.196.6.dynamic.adsl.gvt.net.br“. Bei Telekom Routern hat diese Übermacht an Angreifern letztendlich wohl zu dem Ausfall der Router geführt. Tatsächliche Infektionen der Geräte der Telekom in Deutschland konnten bisher laut Telekom nicht nachgewiesen werden.

Wieviel Geräte weltweit betroffen sind und ob der Angriff in Deutschland mit den jüngsten Updates vorüber ist, kann bisher noch nicht bestätigt werden. Laut Angaben der Telekom sind fast eine Millionen Geräte in Deutschland von dem Angriff betroffen. Schlussendlich lässt sich nur konstatieren, dass jedes Gerät, das in irgendeiner Form mit dem Internet verbunden ist, potentiell Ziel eines Angriffs werden kann – und zwar schneller, als einem lieb ist.

Zusammenfassung:
Die Telekom hat es verpasst, einen der größten Angriffe der deutschen IT-Geschichte auf ihre Kunden zu verhindern. Sie hätte die veröffentlichte Schwachstelle in den Eir D1000 Wireless Router prüfen müssen, um festzustellen, ob ihre Routermodelle ebenfalls Auswirkung durch die Schwachstelle zu erwarten war. Dafür hätte Sie fast 20 Tage Zeit gehabt.

Der Fall zeigt, wie wichtig es in der heutigen Zeit ist, sogenannte Threat Intelligence Methoden einzusetzen, damit die Hersteller über neue eventuell relevante Bedrohungen informiert werden und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen können.

Neben der Telekom sind nach unseren Analysen vermutlich ebenfalls die Provider Türk Telekom, Talktalkgroup, Dodo, Movistar und andere betroffen. Bei diesen Providern gibt es allerdings, im Gegensatz zur Telekom, tatsächliche Infektionen der Router mit Schadsoftware.

Telekom Router

Abbildung 4: Verschiedenste Angreifer versuchten, den Port 7547 auf unserem Honeypot anzusprechen.

 

 

 
GRID LIST
Roboter fährt Auto

Die Autobranche gibt bei KI Gas – und sollte weiter hochschalten

Künstliche Intelligenz (KI) wird unser Leben massiv verändern und sich zu einem der…
IoT Security

Mangelnde IoT-Sicherheit führt zu Verlusten in Unternehmen

In einer globalen Umfrage von DigiCert zum Internet der Dinge (State of IoT Survey 2018)…
Compliance

Compliance ist Haupttreiber von Data Governance

Das Business Application Research Center (BARC) veröffentlicht “How To Rule Your Data…
Machine Learning

Großes Potenzial für Machine Learning in Europa

Cloudera hat eine neue Marktstudie zum Thema „Machine Learning” (ML) vorgestellt. Die…
Analytics

Wie wird Data Analytics in Unternehmen genutzt?

Eine neue Studie von Infosys belegt, dass die Mehrheit der Unternehmen Analytics…
Bug Backdoor

Cyberalbtraum Fernzugriff: Neue Backdoor-Programme boomen

Fernzugriff und Erpressung – dafür wurden die meisten der bisher im Jahr 2018 neu…
Smarte News aus der IT-Welt