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Geld auf TischDas Einkommen deutscher Aufsichtsratschefs ist seit 2011 zwar um rund 25 Prozent auf durchschnittlich 188.000 € gestiegen. Damit liegen die Vorsitzenden im europäischen Vergleich allerdings nur auf dem sechsten Platz. 

  • Vergütung ist gestiegen – spielt aber nicht im europäischen Spitzenfeld
  • Frauenquote nach wie vor nicht erfüllt
  • Wenig internationale Teams in deutschen Aufsichtsräten

Platz eins belegt Deutschland beim Gehaltsunterschied zwischen männlichen und weiblichen Aufsichtsräten: Männer verdienen ein Viertel mehr als ihre weiblichen Kolleginnen. Von denen es nach wie vor kaum mehr im Aufsichtsrat gibt als im Jahr 2011: Waren vor fünf Jahren fast 90 Prozent der Aufsichtsräte männlichen Geschlechts, sind es auch heute noch acht von zehn. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Vergütung und Zusammensetzung europäischer Aufsichtsräte der Personal-, Talent- und Organisationsberatung Korn Ferry Hay Group.

Die Vergütungstabelle für Aufsichtsratsvorsitzende führt die Schweiz mit rund 950.000 € an, gefolgt von Großbritannien (460.000 €), Italien (238.000 €), Frankreich (250.000 €), Schweden (197.000 €) und Deutschland (188.000 €). Am Schluss der Tabelle rangieren Österreich (30.000 €) und Norwegen (63.000 €). Im Durchschnitt bezieht der Chef eines Aufsichtsgremiums in Europa rund 250.000 €, ein einfacher Aufsichtsrat 69.000 €. Bei letzterem ist Deutschland überdurchschnittlich. Wer hier Aufsicht über ein Unternehmen führt, erhält als Vergütung durchschnittlich 90.000 €. Das ist eine Steigerung um 50 Prozent in den vergangenen fünf Jahren.

„Deutsche Aufsichtsräte erhalten nach wie vor keine Spitzenvergütung“, sagt William Eggers, Senior Vice President von Korn Ferry Hay Group und Leiter des Bereichs Executive Reward. „Aber eine deutliche Steigerung, insbesondere bei den ordentlichen Mitgliedern, ist festzustellen. Im Hinblick auf einen immer umfangreicheren Verantwortungsbereich von Aufsichtsräten erscheint dies mehr als gerechtfertigt.“

Hubertus Graf Douglas, Geschäftsführer von Korn Ferry Deutschland, sagt: „Die Geschwindigkeit, in der sich heute unternehmerische Rahmenbedingungen ändern, stellt Unternehmen vor bisher nicht gekannte Herausforderungen. Gleichzeitig erhöht sich die Komplexität aufgrund von Vernetzung, Digitalisierung Globalisierung. Das Risiko von Fehlentscheidungen steigt exponentiell. Eine Situation, die insbesondere die heutigen Aufsichtsräte fordert. Allerdings ist zu konstatieren, dass die Zusammensetzung und Auswahl von Kandidaten für deutsche Aufsichtsräte sich bis heute immer noch nicht mit der Professionalität der Schweizer oder Angelsachsen messen kann. Dort wird intensiv auf Kompetenzen und Profil geachtet, die Auswahlverfahren sind hart. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass auch die Befugnisse der Aufsichts- bzw. Verwaltungsratschefs deutlich umfassender sind.“

Und so decken hundert Prozent der deutschen Aufsichtsgremien Audit ab, 97 Prozent die Nominierung von Spitzenpersonal in den Unternehmen und 70 Prozent übernehmen Verantwortung für das Vergütungsmodell der Top-Manager. Aber nur 17 Prozent der Befragten haben auch ein funktionelles Gremium für Unternehmensrisiken eingerichtet. In Italien gehört das bei 83 Prozent der Aufsichtsräte zum Tagesgeschäft, in der Schweiz immerhin bei 30 Prozent und in Großbritannien bei 29 Prozent.

William Eggers sagt: „Dieses Ergebnis hat mich ganz persönlich überrascht. Denn die Risiken für Unternehmen sind nicht kleiner, sondern in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden. Ich halte es darum für obligatorisch, ‚Risk’ auch in jedem Aufsichtsrat fest zu verankern.“

Frauenquote kaum spürbar gestiegen, nirgends ist der Gehaltsunterschied so groß wie in Deutschland

In keinem Land in Europa verdienen Männer in Aufsichtsräten so viel mehr als Frauen: 25 Prozent Gehaltsunterschied in Deutschland steht einem europäischen Durchschnittswert von acht Prozent gegenüber. Neben Deutschland liegen darüber Frankreich (16 Prozent), Italien (zehn Prozent) sowie Großbritannien, Schweiz und Norwegen (je 9 Prozent). Keinen Unterschied dagegen gibt es in Spanien, in den Niederlanden liegt er deutlich unter fünf Prozent.

„Neben kulturellen Hintergründen ist der Unterschied vor allem mit der Besetzung der Chefposten von Aufsichtsräten begründbar“, sagt William Eggers. „Nach wie vor sind europaweit 97 Prozent der Vorsitzenden männlich. Und diese verdienen bis zu 4,5 mal mehr als ordentliche Mitglieder.“

Von der durch die Bundesregierung vorgegebenen Quote von 30 Prozent weiblicher Aufsichtsrätinnen ist Deutschland noch deutlich entfernt. Waren 2011 nur knapp zehn Prozent der Aufseher weiblich, sind es heute nicht ganz 20 Prozent. William Eggers: „Auch wenn dies einer Verdopplung gleich kommt – Länder wie Italien haben vorgemacht, wie ein echter Kurswechsel funktioniert. Dort ist die Frauenquote von weniger als fünf Prozent auf deutlich über 25 Prozent angestiegen.“ Noch weniger Frauen als in Deutschland nehmen nur in Österreich, Spanien, der Schweiz und Belgien am Aufsichtsratstisch Platz.

Im deutschen Aufsichtsrat sitzen vor allem: Deutsche

Noch schlechter schneidet Deutschland beim Nationalitätenmix im Aufsichtsrat ab. Fast 75 Prozent der Aufsichtsräte sind Deutsche, weniger als zehn Prozent kommen von außerhalb Europas. Weniger interkulturelle Durchmischung kennt nur Großbritannien mit fast 80 Prozent Briten in den Boards. Durch besondere Internationalität zeichnen sich die Schweiz und die Niederländer aus. Weniger als 40 Prozent der Verwaltungsräte in der Schweiz sind auch selbst Eidgenossen, je ungefähr ein Drittel kommt aus Europa oder gar von einem anderen Kontinent. In den Niederlanden sind 50 Prozent der Board-Mitglieder auch Niederländer, knapp 20 Prozent Europäer und mehr als ein Drittel kommen aus dem nicht-europäischen Ausland.

Hubertus Graf Douglas sagt: „Obwohl die deutsche Wirtschaft so international ist wie kaum eine andere der Welt, bedienen sich unsere Unternehmen nach wie vor viel zu wenig den Einschätzungen und Bewertungen aus dem Ausland. Doch als Exportnation sind wir gerade darauf auch in den kommenden Jahrzehnten angewiesen. Auch und gerade weil sich in Übersee Trends abzeichnen, bei denen wir aktuell kaum mithalten können – wenn man zum Beispiel an die Digitalisierung denkt. Unseren Aufsichtsräten würde ein Mehr an Internationalität darum sehr gut tun, damit die von ihnen kontrollierten Firmen technologische Vorreiter und nicht mögliche Nachzügler sein können.“

Über die Studie:

Jedes Jahr untersucht Korn Ferry Hay Group die Vergütung und Zusammensetzung von europäischen Aufsichtsräten. Für diese Untersuchung wurden 383 Unternehmen in zwölf Ländern über alle Branchen hinweg befragt.

www.kornferry.com
 

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