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Internationale IT-Projekte erfordern interkulturelles Fingerspitzengefühl auf mehreren Ebenen – Fehlervermeidung wird unterschiedlich bewertet.

Erfolgreiche IT-Projekte sind nicht selbstverständlich. Das haben viele Unternehmen und IT-Abteilungen schon schmerzhaft erfahren. Meistens sind es nicht die fachlichen oder die technischen Herausforderungen, die ein IT-Projekt gelingen oder scheitern lassen, sondern schlicht kulturelle Aspekte. Diese sind besonders relevant, wenn es um IT-Outsourcing oder IT-Nearshoring geht, die Projekte also in einem internationalen Kontext umgesetzt werden. Neben der firmeneigenen Projektkultur und der Kommunikationskultur der handelnden Projektteams kommen dann auch interkulturelle Unterschiede hinzu. Risikovermeidung beispielsweise wird in anderen Ländern nicht als oberstes Ziel angesehen.

"Deutsche Unternehmen investieren häufig viel in die Risikovermeidung", erklärt Christian Becker, Geschäftsführer der Infobest Gruppe, die mit rund 100 Mitarbeitern Softwarelösungen in Deutschland und Rumänien für internationale Kunden entwickelt. Becker gilt als Fachmann für internationale IT-Projekte und hat auf Basis seiner Erfahrungen rund 20 verschiedene Themen auf der kulturell-kommunikativen Ebene identifiziert, die IT-Projekte erfolgreich werden lassen. "Risikovermeidung ist für viele ein besonders gewichtiges Stichwort", sagt er und verweist auf die deutsche Unternehmenskultur. Hierzulande seien Fehler ein Malus, den es unbedingt zu vermeiden gelte. Deswegen würden deutsche Auftraggeber auch häufig Festpreise für ihre IT-Projekte vereinbaren. "Sie fürchten um das Risiko ausufernder Kosten."

Noch gravierender sei die Einschätzung des Risikos in Japan. Dort gelten Fehler als Schande. Wer Fehler macht, persönlich oder als Unternehmen, verliert sein Gesicht. Entsprechend zurückhaltend werde agiert. Die Planungsphasen dauerten deswegen länger und die Kosten für Risikovermeidungsstrategien seien demzufolge ungleich höher.

Den Gegenentwurf, so der Experte für internationale IT-Projekte, erlebe man in den USA. Unternehmen wie Google seien überhaupt erst durch Fehler und die aus ihnen gewonnenen Erkenntnisse groß geworden. "Amerikanische Unternehmen sind deutlich risikoaffiner. Hier gilt das Motto: Versuch macht klug." Entsprechend sei auch die Belohnungskultur. Die Idee an sich werde häufig belohnt und mit Prämien bedacht, nicht erst deren erfolgreiche Umsetzung. In Deutschland belohnten Unternehmen in der Regel eher Hinweise zur Fehlervermeidung oder zur Prozessoptimierung. "Das sind wichtige kulturelle Unterschiede", meint Becker. Diese müssten in IT-Projekten schon sehr früh bedacht werden. "Welche Kultur passt zu meinem Unternehmen und zu meiner Philosophie? Diese Frage muss sich jeder stellen, der seine IT-Projekte ganz oder teilweise im Ausland umsetzen lassen möchte", verdeutlicht der IT-Experte.

Projekte, so seine Erklärung, bewegten sich immer in einem Zielkonflikt aus den Faktoren Zeit, Budget und Qualität, wobei Qualität häufig mit Fehlervermeidung zu tun habe. Jede Kultur bewerte diese drei Faktoren anders und gehe deswegen in Projekten anders vor. "Das muss von vornherein geklärt werden", so Becker. Nicht nur bei der Auswahl des Ziellandes, sondern vor allem vor dem Hintergrund der eigenen Unternehmensphilosophie und Unternehmensidentität. Die einzusetzenden finanziellen und personellen Ressourcen müssten zu den Zielen angepasst werden. Alle drei Faktoren gingen meist nicht gleichermaßen zusammen. Projektkultur und Projekterfolg habe viel mit Kompromissen zu tun. Welche Kompromisse ein Unternehmen inwieweit eingeht, sei eine Frage guter Projektplanung im Vorfeld. "Risikoaffinität und Risikoaversion sind ein elementarer Teil interkulturellen Projektmanagements."

www.infobest.de

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