Lookout setzt mit App-Richtlinien Rahmen für mehr Datenschutz bei mobiler Werbung

Apps mit aggressiver Werbung mindestens 80 Millionen mal heruntergeladen – 5 Prozent aller Apps betroffen.

Apps mit aggressiver und den Datenschutz verletzender Werbung sind im vergangenen Jahr zunehmend zum Problem geworden. 5 Prozent aller Apps setzen auf aggressive Werbung, insgesamt wurden diese Apps mindestens 80 Millionen Mal heruntergeladen. Lookout, ein Experte für mobile Sicherheit, hat deshalb Werberichtlinien für Apps entwickelt. Sie sollen den individuellen Datenschutzbedürfnissen von Nutzern ein stärkeres Gewicht verleihen und gleichzeitig eine wirksame Selbstregulierung des mobilen Ökosystems ermöglichen und so dessen Innovationsfähigkeit hochhalten. Die Richtlinien mit dem Titel „A Framework for Encouraging Innovation While Protecting Privacy” unterstützen Entwickler und Werbevermarkter dabei, neue Werbeformate auszuprobieren und gleichzeitig strenge Datenschutzvorgaben einzuhalten.
 
Werbung auf Smartphones und Tablets ist die Grundlage für den Boom kostenloser Apps, da sie dem Entwickler Einnahmen verschafft und so eine Refinanzierung ermöglicht. Allein dieses Jahr sollen  damit 2,4 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden, für 2015 rechnen die Analysten von Juniper Research sogar mit 7,1 Milliarden. Jedoch sind die Grenzen unklar, wie Apps und Werbung die persönlichen Informationen von Endnutzern behandeln müssen und Werbung außerhalb der App darstellen dürfen. Deshalb haben einige mobile Werbevermarkter, so genannte Anzeigennetzwerke, zuletzt ein aggressiveres Verhalten an den Tag gelegt. So blenden sie z.B. Werbung in der Benachrichtungsleiste ein, verändern Browser- und Desktopeinstellungen oder greifen auf persönlich identifizierbare Informationen zu – darunter auch die E-Mail-Adresse –, ohne den Nutzer darauf hinzuweisen oder dieses Verhalten transparent zu machen.
 
Auch Google Play ist betroffen
 
Lookout hat zahlreiche kostenlose Apps auf ihren Umgang mit Nutzerdaten und ihr Verhalten hin untersucht und dabei zehn aggressive Anzeigennetzwerke identifiziert.  Sie liefern Werbung für knapp 20.000 und damit fünf Prozent der untersuchten Apps aus. Diese betroffenen Apps wurden mindestens 80 Millionen Mal heruntergeladen. Vergleicht man verschiedene App Stores, zeigen sich deutliche Unterschiede. Die meisten Apps mit aggressiven Anzeigennetzwerken gibt es beim chinesischen Anbieter Anzhi (11,8 Prozent) und bei der russischen Seite Androidz (10,3 Prozent).  Aber auch Nutzer von Google Play bleiben nicht davon verschont: 17 Prozent aller Personalisierungsapps, z.B. Wallpaper oder Widgets, haben aggressive Werbung eingebunden. Bei Comics trifft dies auf 13 Prozent der Apps zu, bei Arcade & Action-Spielen auf 10 Prozent und in der Kategorie Unterhaltung noch auf 8 Prozent.
 
„Mobile Geräte sind innerhalb kürzester Zeit zur dominierenden Plattform geworden. Sie haben das Leben der Menschen verändert und haben ein boomendes Geschäft für Unternehmen und App-Entwickler ermöglicht“, sagt Kevin Mahaffey, CTO und Mitgründer von Lookout. „Damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen alle Akteure im mobilen Ökosystem individuelle Datenschutzwünsche respektieren und die User Experience als hohes Gut wahren.“
 
„Angesichts der gespeicherten Informationen sind mobile Geräte unsere persönlichsten Gegenstände. Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass ihre Daten nicht missbraucht werden”, sagt Jules Polonetsky, Ko-Vorsitzender des Future of Privacy Forums, eines des US-Think Tanks, der sich dem verantwortungsvollen Umgang mit Daten verschrieben hat. „Viele Jahre lang waren PC-Nutzer von Programmen geplagt, die Pop-ups erzeugen, unerwünschte Toolbars installieren oder die Startseite verändern. Die Geschäftsmodelle für mobiles Marketing sind noch in der Entwicklung, und diese Richtlinien machen sehr klar, welche Maßnahmen nicht akzeptabel sind. Das ist eine gute Nachricht für alle Nutzer und verantwortlich handelnde Unternehmen.“
 
Lookouts Forderungen an Werbevermarkter und Anzeigennetzwerke
 
Durch die klaren Unterscheidungen zwischen zwingenden Auflagen und Empfehlungen setzt Lookout mit den Werberichtlinien für Apps Prioritäten und bringt Klarheit in das Verhältnis von Werbung und Datenschutz. Mit den Richtlinien will Lookout der Branche auch ein Mittel zur effizienten Selbstregulierung an die Hand geben und eine Debatte über Datenschutz-Best Practices anstoßen. Sie umfassen die Bereiche der Datenerfassung, der Nutzerkontrolle darüber, der Anzeigenauslieferung sowie der Erfassung und Übertragung persönlich identifizierbarer Daten. Die Richtlinien fordern Werbetreibende auf, folgende Anforderungen zu berücksichtigen:
 
  • Bereitstellung umfassender und lesbarer Datenschutzinformationen sowie von FAQ für App-Publisher, damit diese leichter eine fundierte Entscheidung für einen Werbepartner treffen können
  • Bereitstellung eines klar erkennbaren Opt-ins oder Opt-outs in der App, wenn das Anzeigennetzwerk auf persönliche Informationen wie die Telefonnummer, die E-Mail-Adresse oder den Namen zugreifen will
  • Klare Zuweisung zur verantwortlichen App, wenn Werbung außerhalb der App angezeigt wird; Vermarkter, die Browsereinstellungen verändern oder einen Link auf dem mobilen Desktop erstellen, müssen einen leicht auffindbaren und wirksamen Opt-in/Opt-out ermöglichen, bevor sie solche Änderungen vornehmen
  • Keine Nutzung dauerhafter, unveränderlicher Geräteinformation, sondern von unabhängigen und/oder zeitlich begrenzter Daten für die Geräteidentifizierung, die dieselbe Funktionalität für gezielte Werbung ermöglichen
  • Keine Sammlung vertragsspezifischer, d.h. insbesondere SIM-Karten-bezogener Daten, es sei denn die Sammlung ermöglicht einen wichtigen Service für den Nutzer
  • Sichere Übertragung identifizierender Daten, inklusive gerätespezifischer und persönlicher Informationen
 
Die vollständigen Richtlinien können Sie unter Mobile App Advertising Guidelines  herunterladen.
 

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