| Energie-effiziente Systeme: Kostenreduzierer? | | Drucken | |
| 06. Juni 2008 | |
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Alle wichtigen IT-Hersteller promoten seit Monaten die grüne IT oder die Vorteile der Energie-Einsparung im Betrieb und in der Klimatisierung. Auf der CeBIT war neben allgemeinen Aussagen nichts konkretes zu erfahren. So wurde ein konkretes Klienten-Projekt zum Anlass genommen, diese Erwartungen der Anwender und die Ansprüche der Hersteller genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Unternehmensleitung und mit ihr die IT-Verantwortlichen müssen nicht nur ihrem Umwelt-Gewissen folgen, sondern unter dem Strich muss auch die Gewinn- und die Verlustrechnung stimmen. Wenn grüne IT teurer ist, als der bisherige IT-Betrieb, so muss man wissen, wie man den finanziellen Effekt optimiert. Welche Parameter spielen bei dieser Investitionsentscheidung eine Rolle, wie sind sie zu gewichten und an welchen Stellhebeln kann der IT-Verantwortliche drehen? Mit führenden Herstellern wurde der Vergleich von Server-Modellen älterer und aktuellerer Bauart hinsichtlich der Auswirkungen auf die Energienutzung, aber auch auf die Finanzen des Unternehmens, untersucht. Noch liegen uns keine vollständigen Parameter von allen vor. Man kann aber bereits bestimmte Einflüsse deutlich erkennen und die alten und neuen Geräte miteinander vergleichen. Kriterien, auf die es ankommt Von Alternativen, wie Outsourcing, On-Demand- oder Cloud-Computing wird dieser Beitrag absehen, denn deren Wirkungen sind bereits bekannt. Im Einzelnen bedeutet dies:
° Leistungsfähigkeit:
° Rechnerlast:
° Architektur:
° Softwarekosten:
° Wartung:
° Herstellung:
° Recycling:
° Klimaanlage:
° Abschreibungsdauer:
° Umstellungszeitpunkt:
° Interner Zinsfuß:
° Energiepreis:
° Klimakosten:
° Virtualisierung:
° Umstellungsprojekt:
° Personalkosten:
° Steuerliche Effekte: Beispielrechnung Wenn man unter Beachtung der genannten Punkte die Zahlen sprechen lässt, ergibt sich eine typische Rechnung mit folgender Struktur. Zugrunde gelegt ist ein Rechenzentrum von 100 Servern. Die Alten haben pro Stück 4.500 Euro gekostet, die Neuen sollen 4.300 Euro kosten. Daraus ergibt sich ein jährliches Abschreibungsvolumen von 90.000 beziehungsweise86.000 Euro. Die auf die Invest-Summe entfallende Zinslast wird mit einem internen Satz von 6 Prozent berechnet, woraus sich über die gesamte Dauer ein jährlicher Betrag in halber Höhe, also 13.500 Euro beziehungsweise 12.900 Euro ergibt. Der Stromver-brauch leitet sich aus der Leistungsaufnahme von 400 Watt bei den alten und 280 Watt bei den neuen Servern ab. Er beträgt beim neuen Gerät 30 Prozent weniger als beim alten – immer gleiche Arbeitsleistung unterstellt. Das sind pro Stunde 40/28 kWh. Die Auslastung beider Serverparks ist gleich und wird über das Jahr mit 30 Prozent der maximalen Kapazität angenommen – einem hohen, in der Praxis seltenen Wert. Rein informatorisch sei gesagt, dass der Volllast-Betrieb zwischen 50 und 70 Prozent und der Halblast-Betrieb unter 20 Prozent der maximalen Kapazität beanspruchen. Hier steckt das Potential für die Virtualisierung, die im folgenden Beitrag untersucht wird. Beide Rechen-zentren werden im Mittel 14 Stunden täglich mit Volllast betrieben und den Rest der Zeit mit halber Last. Für die Wochenenden wird das gleiche Lastprofil angenommen, da das Rechenzentrum im Zuge der Globalisierung immer in Bereitschaft sein muss. Die halbe Last führt leider nicht zu einem linearen Minderverbrauch an Strom, sondern nur zur Einsparung von einem Drittel des Energieverbrauches. Alle diese Werte muss man über die ganzen 8.760 Stunden eines Kalenderjahres rechnen, da die Server in aller Regel niemals abgeschaltet werden. Damit ergeben sich 5.110 Volllast-Stunden und 3.650 Halblast-Stunden mit einem gemeinsamen Stromverbrauch von 313.913 beziehungsweise 219.739 kWh im Jahr. Faustregel Für die Klimatisierung des Rechenzentrums gilt in der Regel die Faustformel, dass zwei Drittel der Rechnerenergie benötigt werden, um die unerwünschte Abwärme zu neutralisieren. Daraus folgt, dass der gesamte Energieverbrauch pro Jahr bei einem Preis von 13 Cent pro Kilowattstunde mit 67.987 Euro zu Buche schlägt. Bei der effizienten Variante sind es dagegen nur 51.282 Euro pro Jahr, eine Einsparung von 16.735 Euro pro Jahr. Wenn man dies der Neuinvestition von 430.000 Euro gegenüber hält, nimmt sich das Verhältnis nicht besonders günstig aus. Es ist jedoch noch mehr zu beachten. Die genutzte System-Software wird heute noch in aller Regel nach Prozessoren oder Leistungsstärke der Rechner bezahlt. Anders sieht es mit einigen Nebenkosten aus: Die Klimatechnik wird etwas weniger beansprucht, kann jedoch kaum geringer dimensioniert werden. Aber vielleicht reicht ihre Kapa-zität jetzt aus, um weitere Anlagen zu kühlen, so dass wir eine Beschaffung hinausschieben können. Das kann diesem Projekt mit einer geringfügig ver-minderten Zurechnung an Abschreibungen, Zinsen und Wartungskosten zugute gehalten werden. Dieser Minderbedarf wird vorsichtig pauschalmit 5.000 Euro pro Jahr bewertet. Die Kosten für Personal, Raumfläche und Sicherheit werden nicht verändert, bergen aber Potential bei der Virtualisierung. Weniger gut geht es bei den weiteren Kostenpositionen zu: Die Umstellung der Anlage erfordert in diesem Fall nur geringe Kosten, die vor allem in der Planung und im tat-sächlichen physischen Austausch liegen. Bei Virtualisierung kommen deutlich höhere Kosten hinzu. Faustregel Nun ist noch zu bewerten, wie sich die vorzeitige Außer-Dienst-Stellung der Altgeräte auswirkt. Sie haben erst zwei Jahre ihres nutzbaren Lebens hinter sich und damit stehen 370.000 Euro unabgeschrieben in den Büchern. Diese müssen zu Lasten der neuen Anlage gebucht werden. Allerdings wird gehofft, dass die alten Server zu einem Fünftel ihres Buchwertes verkauft werden können. Vielleicht nimmt sie auch der Lieferant der neuen Anlagen in Zahlung oder sie lassen sich versteigern. Einen höheren Erlös von vornherein anzusetzen, wäre aber kaum mit kaufmännischer Vorsicht zu vereinbaren. Damit mindert sich der abzuschreibende Restwert auf 216.000 Euro, der nun auf die Lebensdauer der neuen Anlage verteilt werden muss. Im Beitrags-beispiel geschieht dies über deren gesamte angenommene Abschreibungszeit von fünf Jahren – also mit 43.000 Euro pro Jahr. Damit ist eine ursprüngliche Investition statt in fünf Jahren erst in sieben Jahren zurückgeführt. Nicht jede Unternehmensleitung wird das akzeptieren, da es der gewöhnlichen Nutzungs-dauer widerspricht und die Gewinne und damit auch die Steuern künstlich aufbläht. Andererseits würde grüne IT noch teurer. Auch die Zinsen für diesen Restwert müssen wiederum mit 6 Prozent vom halben Betrag fünf Jahre lang mit jeweils 6.480 Euro berücksichtigt werden. Fazit Rechnet man alles zusammen, so kostet der Rechnerpark trotz Energie-ersparnis jährlich rund 28.000 Euro oder 6 Prozent mehr als der alte Betrieb. Dies ist ein Betrag, den die IT-Leitung meist nicht auf die eigene Kappe nehmen kann, sondern bei dem sie das Controlling, den CFO oder gar die Geschäftsleitung mit einbeziehen muss. Nun kann man an den einzelnen Stellhebeln versuchen, das Endergebnis zu verbessern. Zum Beispiel sollte als Erstes der Energiepreis genau ermittelt werden um auch für die nächsten fünf Jahre einen möglich verlässliche Annahme zu treffen. Allein die angenommene Verteuerung um einen Cent pro Jahr bewirkt in diesem Beispiel Mehrkosten von jährlich rund 3.700 Euro. Von wesentlicher Bedeutung sind auch die wirklichen Lastverhältnisse, denen die Rechner im Einzelfall ausgesetzt sind. Dabei spielt es keine geringe Rolle, ob sie ihren Energieverbrauch eng gekoppelt mit der Last einschränken oder nur wenig steuerbar sind. Neueste Prozessoren und Rechnerdesigns bieten hier überraschend viele und sensible Möglichkeiten. Ganz erheblich würde sich auswirken, wenn man die alten Geräte nicht schon nach zwei Jahren sondern später austauscht. Im Idealfall hat man gerade das Ende der alten Abschreibungsperiode erreicht und kann infolgedessen ohne diese Altlast wechseln. Alleine dieser Effekt würde das Ergebnis dieses Beispiels drastisch umkehren und zu einer jährlichen Ersparnis von über 20.000 Euro anstelle der Mehrkosten führen. Wie oben mehrfach angedeutet, wirkt sich eine Umstellung von vielen schlecht ausgelasten Servern auf weniger Geräte mit höherem Workload sehr positiv aus. Aufgrund von virtualisierten Anwendungen kann man damit unterUmständen eine bedeutende Anzahl der Server entbehren. Im Idealfall ersetzt man eine ganze Serverfarm durch einen einzigen großen Rechner, der als Host Hunderte bis über tausend Server beherbergt. Diesem Vergleich wird ein weiterer Beitrag im nächsten Heft gewidmet, der die einzelnen Kriterien im Detail untersucht. JOCHEN MICHELS Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe Juni 2008 des it management. |
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