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it fokus

it fokus richtet sich an die technischen Entscheider in mittelständischen und großen Unternehmen. Leser sind in erster Linie Leiter und Mitarbeiter der Fachabteilungen Anwendungsentwicklung, Methoden & Verfahren, Qualitätssicherung und Netzwerktechnik. Dementsprechend technisch fundiert berichtet it fokus.

 

Seit Anfang 2008 ist it fokus unter der Rubrik „it tech-nologie“ im it management integriert. Die it fokus-Ar-tikel können Sie nach wie vor an dieser Stelle lesen.

Kennzahlen für mehr Organisation PDF  | Drucken |  E-Mail
06. Juni 2008

Ohne Kennzahlen droht den Unternehmen ein Blindflug. Application Lifecycle Management heißt das Zauberwort, mit dem Organisationen mehr Schwung in ihre Prozesse rund um die Software-Entwicklung bringen. Ein neuer Ansatz bei der Software-Entwicklung unterstützt Unternehmen, mit aussagekräftigen Kennzahlen die Projektsteuerung zu optimieren und gleichzeitig die Software-Qualität zu verbessern.

Am falschen Ende gespart

Noch immer tun sich Unternehmen schwer, Entwicklungsprojekte gezielt zu steuern, zu überwachen und Ergebnisse auszuwerten. Dabei nehmen die Herausforderungen künftig weiter zu: immer mehr Entwicklungsabteilungen sind global aufgestellt und an Standorten rund um die Erde verteilt. Weiterhin kommen ständig neue Technologien wie beispielsweise Social Networks und Web 2.0 auf den Markt, die in die Software einfließen sollen. Gleichzeitig führen gekürzte Budgets da-zu, dass IT-Abteilungen mit weniger Ressourcen auskommen müssen. Diese Sachzwänge führen schließlich dazu, dass meist am falschen Ende gespart wird und ungenügend geprüfte Software zum Einsatz kommt.

Den durch mangelhafte IT-Strukturen verursachten Schaden schätzt die Corporate Quality GmbH auf bis zu 100 Milliarden Euro in Deutschland. Die dadurch bedingten Umsatzeinbußen beziffert die Unternehmensberatung auf etwa 20 Milliarden Euro. Abhilfe schafft nur, wer konsequent alle Managementprozesse sowie Qualitätssicherungs- und Testverfahren im Entwicklungszyklus durch geeignete Software-Lösungen unterstützt.

Vielzahl von Teildisziplinen

Wer sich heute für den Einsatz einer ALM-Lösung entscheidet, kann unter einer ganzen Reihe von Angeboten wählen. Diese Pakete decken die verschiedenen Disziplinen über jeweils separate Programme ab. Die einzelnen Prozessschritte des Application Lifecycle – von der Anforderungserhebung über die Erstellung bis hin zum Test – werden von den Herstellern häufig als getrennte Disziplinen implementiert. Für das Anforderungs- und Projektmanagement, für die Testverfahren, die Qualitätssicherung oder das Change Management sind jeweils separate und ei-genständige Lösungen vorhanden. So besteht das Application Lifecycle Management heute aus einer Vielzahl von Teildisziplinen, die jedoch miteinander nicht durchgängig verbunden sind.

Hoher Aufwand

In der Praxis bedeutet dies, dass ein Report mit wichtigen Kennzahlen aus dem Projektmanagement sich nicht automatisch in Verbindung mit Kenngrößen aus der Qualitätssicherung setzen lässt. Eine transparente Gesamtsicht auf den kompletten Entwicklungsprozess von der ersten Idee und den ersten Code-Artefakten bis hin zur Produktivsetzung ist nur möglich, wenn diese Daten manuell und mit hohem Aufwand miteinander verbunden werden. Da dieser Prozess zeitaufwändig ist, kann es vorkommen, dass bei der Präsentation des Reportings die vorgestellten Kennzahlen schon wieder überholt sind. Auch ist mit diesen Systemen nur eine Betrachtung einzelner Entwicklungsprojekte möglich. Wer dagegen Kennzahlen mit einem organisationsübergreifenden Fokus benötigt, wird mit einem erheblich größeren Aufwand rechnen müssen.

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Aus Erfahrung entstanden

Schon vor einigen Jahren haben die Leiter von Forschung und Entwicklung bei Borland erkannt, dass sich nur durch einen disziplinübergreifenden Ansatz die Qualität und die Steuerbarkeit von Software-Projekten verbessern lassen. Mit der Bezeichnung Open ALM verfolgt Borland die Philosophie, unterschiedliche Werkzeuge – eigene Produkte, die von fremden Herstellern bis hin zu Open-Source-Produkten – zu einer durchgängigen Lösung für Qualitäts- und Testmanagement zu vereinen. Dieser Ansatz erlaubt es, die Entwicklung neuer Software als geschlossenen Kreislauf von nacheinander folgen-den Phasen abzubilden.

Der Zyklus vereint alle wichtigen Einzelprozesse wie beispielsweise Projektmanagement, Anforderungsdefinition und -management, Testmanagement sowie das Änderungs- und Konfigurationsmanagement. Die enge Integration der Einzelthemen hat auch zur Folge, dass sich Medienbrüche bei der Kommunikation oder dem Reporting wirksam vermeiden lassen. Die Konsequenz daraus sind beschleunigte Arbeitsabläufe und eine geringere Fehlerquote. Das Open ALM-Prinzip erlaubt schließlich auch die projektübergreifende Betrachtung und macht es möglich, organisationsweite Kennzahlen und Metriken zu verarbeiten.

Frühe Tests erhöhen Software-Qualität

Auf welche Aspekte sollen Unternehmen jedoch besonders achten, wenn sie Software-Projekte erfolgreich umsetzen möchten? Ein zentraler Aspekt ist das anforderungsbasierte Testen neuer Software. In der Praxis besteht bei Unternehmen die Qualitätssicherung bei Software-Entwicklungsprojekten häufig darin, dass die neue Anwendung vor ihrem Einsatz zu spät oder gar nicht getestet wird.

Um Fehler bei der Software-Entwicklung und eine verzögerte Auslieferung zu vermeiden, müssen Architekten und Entwickler die wichtigsten Kriterien und Zielsetzungen hinsichtlich der Qualität bereits bei Projektstart definieren. Insbesondere in der Phase der Anforderungsdefinition lassen sich die Weichen stellen, um nach-haltig zu verhindern, dass spätere Software-Fehler zu einem Scheitern des Projektes führen. Entwickler identifizieren mit Hilfe anforderungsbasierter Testverfahren (Requirements Based Testing, RBT) Fehlerquellen sehr gezielt und effizient und tragen nachhaltig dazu bei, die Projektzeiten zu verkürzen und Kosten einzusparen.

Integrierte Lösungen

Mit einer integrierten Lösung für Anforderungs- und Test-Management definieren Anwender ihre Qualitätskriterien bereits zu Beginn eines Software-Entwicklungsprojektes. Diese Anforderungen werden ab-geleitet aus Geschäftsszenarien und stehen allen Projektbeteiligten über eine Testmanagement-Lösung zur Verfügung. Nach Festlegung der Anforderungen, des Designs und der Code-Artefakte starten die Testläufe und es erfolgt der Abgleich mit den zuvor festgelegten Kundenbedürfnissen sowie den Anwendungs- und Test-fällen.

Das Qualitätsmanagement ist an dieser Stelle von Anfang an fester Bestandteil des Anwendungs-Lebenszyklus. Die Qualitätssicherung plant die entsprechenden Unit-, Funktions- und Peformance-Tests und setzt diese um. So ist es möglich, die Unternehmensziele und Qualitätserwartungen mit den Projektvoraussetzungen, Entwicklungsaktivitäten und Softwaretests in Einklang zu bringen. Eine zentrale Lösung für das Qualitätsmanagement hat hier den Vorteil, dass auch heterogene und verteilte Testumgebungen über eine einzige Qualitätsplattform steuerbar sind.

Änderungen zentral steuern

Ein weiterer wichtiger Teilbereich inner-halb des ALM ist das Change & Configuration Management als das zentrale Rückgrat der Entwicklung. Funktionen zur Kontrolle einzelner Produktversionen, zur Dokumentation von Änderungen sowie ein integriertes Rechtesystem für geprüfte Freigaben unterstützen den Entwickler dabei, alle wichtigen Änderungen im Software-Delivery-Prozess zu steuern und zu kontrollieren. Nur sehr wenige am Markt verfügbare Lösungen beherrschen hierbei auch verteilte Entwicklungsprozesse über mehrere Standorte hinweg – ein Feature, das in der heutigen global ausgerichteten Wirtschaftswelt immer wichtiger wird.

Mehr Transparenz im Projektmanagement

Ein weiteres Erfolgskriterium für Software-Projekte ist das Projektmanagement: Hier geht es insbesondere darum, den Verantwortlichen Hilfsmittel an die Hand zu geben, um auch mehrere parallel laufende Projekte zu steuern und zu überwachen. Mit Hilfe des Projektmanagements lassen sich beispielsweise Mitarbeiter entsprechend ihrem Fachwissen gezielt einem Projekt zuordnen. Auch sind Kapazitäten und Budgets besser planbar. Darüber hinaus sammeln Projektleiter mit diesem Werkzeug alle Daten aus Evaluationsprozessen. Eine Analyse der Kosten, Vorteile und Risiken potenzieller Investitionen in laufende und geplante IT-Projekte erhöht die Transparenz und ermöglicht bessere Entscheidungen, da diese konsequent an den konkreten Erfordernissen des Unternehmens ausgerichtet sind. Das wiederum erhöht dauerhaft die Rendite in eine Software-Investition.
Automatisierte Kennzahlensysteme

Gesteuert durch die Unternehmensanforderungen nach mehr Effizienz und Qualität innerhalb der Entwicklungsabteilung, zeichnet sich eine Entwicklung zur ganzheitlichen Verknüpfung von Einzeldisziplinen und deren logische Auswertung ab. Künftig werden alle für die Planung, Entwicklung und Überwachung von Software-Projekten erforderlichen Werkzeuge und Methoden in einer offenen Integrationsplattform verfügbar sein. Projektmanager sowie die Unternehmensführung erhalten so umfassende und stets aktuelle Berichte zu Kosten und Risiken von IT-Projekten. Weitere Vorteile sind eine höhere Transparenz einzelner Projekte und eine gesteigerte Budget-Sicherheit. Auch werden Projekte so deutlich leichter steuerbar und sind schneller an geänderte Bedingungen anpassbar.

Für eine wirksame Steuerung der Softwareentwicklung ist der Einsatz von Kennzahlensystemen erforderlich, denn ohne konkrete Zahlen ist auch ein Reporting nicht möglich. Erst mit diesen Metriken können Verantwortliche den Grad der Zielerreichung ermitteln und Abweichungen von der Planung analysieren. In verschiedenen Abstufungen sollten relevante Kennzahlen für weitere Projektbeteiligte abrufbar sein.

Ein übergeordnetes Werkzeug in Form eines durchgängigen Frameworks sollte diese Zahlen automatisch ermitteln, verdichten und die Kennzahlen rollen-spezifisch zur Verfügung stellen. Manuell ist eine solche Erhebung von Metriken wirtschaftlich nicht effizient umzusetzen, wenngleich eine solche Erfassung in den meisten Unternehmen eher die gelebte Praxis ist.

Die Zukunft von ALM

Künftige ALM-Lösungen werden über ein zentrales Datawarehouse verfügen, in dem alle Daten, die während der unter-schiedlichen Phasen des Entwicklungsprozesses erhoben werden, gespeichert sind. Dadurch erhalten alle Prozessbeteiligten eine einheitliche und vor allem eine hoch aktuelle Sicht auf wesentliche Kenn-zahlen eines Entwicklungsprozesses. Anforderungen, Qualitätsprozesse, Messverfahren und Testläufe stehen dann in einem geschlossenen Regelkreis. Abweichungen von vordefinierten Parametern fallen den Projektbeteiligten schneller auf und so lassen sich schließlich auch Software-Fehler effizient ausmerzen.

Matthias Zieger

 
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