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it fokus richtet sich an die technischen Entscheider in mittelständischen und großen Unternehmen. Leser sind in erster Linie Leiter und Mitarbeiter der Fachabteilungen Anwendungsentwicklung, Methoden & Verfahren, Qualitätssicherung und Netzwerktechnik. Dementsprechend technisch fundiert berichtet it fokus.

 

Seit Anfang 2008 ist it fokus unter der Rubrik „it tech-nologie“ im it management integriert. Die it fokus-Artikel können Sie nach wie vor an dieser Stelle lesen.

Effizientes Management heterogener Speicherumgebungen: Zwei Säulen für das Speichermanagement PDF  | Drucken |  E-Mail
30. October 2007

Konsolidierte Speicherumgebungen sind ein zentraler Bestandteil heutiger IT- Infrastrukturen.

Gerade in verteilten Unix- und Windows-Systemumgebungen stehen IT-Verantwortliche großer und mittlerer Unternehmen heutzutage häufig vor der Herausforderung, schnell wachsende, inhomogene und komplexe Speicher-netzwerke verwalten zu müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass flexible Geschäftsprozesse eine zunehmend flexible, zuverlässige und performante Bereitstellung von Speicherkapazitäten erfordern – und das oft auf der Basis nachprüfbarer Service Level Agreements und bedarfsgerecht bereitgestellten Speicherklassen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bieten sich verschiedene Konzepte an. Wesentliche Bestand-teile sind dabei die Definition von Speicherklassen, um die unterschiedlichen Geschäftsanforderungen an die gespeicherten Daten abbilden zu können, sowie ein effizientes Betriebskonzept der bestehenden Speicherumgebung. Für die Implementierung eines solchen effizienten Speichermanagements empfiehlt sich ein strukturierter Ansatz, der ein ITIL-basiertes Prozessmanagement mit einem an die Erfordernisse einer Serviceorganisation ausgerichteten Betriebsorganisation, sowie den Einsatz von aktuellen Infrastruktur-Komponenten und Management- Werkzeugen verbindet.

Prozessmanagement

Die Grundlage für den prozessorientierten Ansatz moderner IT-Betriebsmodelle sind die Empfehlungen der IT Infrastructure Library (ITIL). Das Speichermanage-ment als Bestandteil des System Managements sollte sich daher an dem ITIL-Prozessmodell orientieren. Üblicherweise existieren keine speziell für den Speicherbetrieb entwickelten Prozesse, allerdings sollten die Anforderungen des Speichermanagements an das Prozessdesign berücksichtigt werden. Um das Speichermanagement an den Geschäftsanforderungen ausrichten zu können, wäre es sinnvoll, Service Level beziehungsweise Operation Level Agreements (SLA/OLA) zu definieren und die Qualität des erbrachten Services an festgelegten Key Performance Indikatoren (KPI) zu überprüfen und zu reporten.

Zentrale Storage-Management-Prozesse sind zum Beispiel:
Capacity und Performance Management:
Ein erfolgreiches Kapazitätsund Performancemanagement kann durch technische und organisatorische Anpassungen optimiert werden. Dazu gehören eine ‚tiered storage’-Infrastruktur mit unterschiedlichen Performanceklassen, sowie organisatorische Regeln für die Zuordnung der geschäftsbezogenen Daten zu den Performanceklassen. Die technische Möglichkeit zur Migration zwischen unter-schiedlichen Speicherklassen ist unabdingbar. Die technische Realisierung dieser Anforderung ist unter Umständen nicht trivial und erfordert möglicherweise eine grundsätzliche Änderung in der Speicher-Infrastruktur. Sinnvolle Service Level im Capacity und Performancemanagement wären zum Beispiel Bereitstellungszeiten für Speicherkapazitäten und zugesagte Antwortzeiten für einzelne Speicherklassen.

Availability Management:
Die Verfügbarkeit der zentralen Speicher-Infrastruktur ist von entscheidender Bedeutung für den IT- Betrieb. Der Ausfall zentraler Speicherkomponenten kann einen Ausfall mehrerer unternehmenskritischer Geschäftsprozesse nach sich ziehen. Um die festgelegten Verfügbarkeitsanforderungen sicher zu erreichen, müssen technische sowie organisatorische Aspekte berücksichtigt werden. Dazu zählen die technischen Merkmale der eingesetzten Infrastruktur-omponenten zur Vermeidung von ‚single point of failures’ wie auch die effektive Überwachung der eingesetzten Komponenten. Um die geforderte Wiederherstellzeit im Fehlerfall zu erreichen, sollten hinreichende ‚underpinning contracts’ mit den jeweiligen Hardwareherstellern getroffen werden. Hierbei richten sich die Anforderungen nach den unterschiedlichen Geschäftsansprüchen an die zu speicherndenDaten. Daher ist es auch im Verfügbarkeitsmanagement sinnvoll, unterschiedliche Speicher-klassen mit unterschiedlichen Verfügbarkeitsanforderungen zu definieren. Für jede Speicherklasse würden dann Service Level, zum Beispiel hinsichtlich Gesamt-verfügbarkeit des Services und Wiederherstellzeiten, definiert.

Incident & Problem Management:
Ebenso wie die Verfügbarkeit ist die effiziente Bearbeitung und Lösung von Störungen im zentralen Speichermangegement von enormer Wichtigkeit für die Sicherstellung des gesamten IT-Betriebes und zur optimalen Geschäfts-unterstützung. Hier ist insbesondere die Integration in die unternehmensweiten System Management Tools und Prozesse von entscheidender Bedeutung. Weitere Prozesse, wie zum Beispiel Configuration Management, Continuity Management und Change Management, sollten beim Implementieren eines ITIL-basierten Speichermanagements ebenfalls berücksichtigt werden. In vielen IT-Prozessen, zum Beispiel dem Change Management, ist speicherspezifischer Fachskill erforderlich, um die Abhängigkeiten zwischenSpeicherbetrieb und dem übrigen IT-Infrastruktur-Betrieb berücksichtigen zu können. Ein entscheidender Aspekt bei der Ausgestaltung der Prozesse ist die Ausprägung der Schnittstellen zu anderen Bereichen des IT-Betriebes, insbesondere zum Servermanagement. So sollte der Planungsprozess für die erwartete Kapazitäts- und Performanceentwicklung die Entwicklung im Serverbetrieb berücksichtigen, das Configuration Management sollte Abhängigkeiten (zum Beispiel World-Wide Names der Server-Hostadapter) beachten, und auch auch die Key Performance Indikatoren, beispielsweise im Performancemanagement, sollten darauf ausgerichtet sein, eine ganzheitliche Sicht auf den IT-Betrieb zu gewährleisten. Die Berücksichtigung der Schnittstellen zwischen Server- und Speicherbetrieb ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Erstellung effizienter IT-Prozesse. Um die Erfüllung der vereinbarten Service Level und der festgelegten Key Performance Indikatoren für den Speicherbetrieb sicherstellen zu können, ist die Einführung eines Service-Managers sinnvoll. Dieser steuert sowohl den täglichen Betrieb als auch alle Verbesserungsmassnahmen bezüglich technischer Architektur und Betriebsorganisation. Hinsichtlich der Endbenutzer beziehungsweise Servicenehmer ist er neben dem Service Desk der zentrale Ansprechpartner (siehe Bild 1).

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Technische Anforderungen

Speicherbereitstellung muss nicht nur kostengünstig sein, sondern soll auch flexibel an die Anforderungen des Unternehmens ausgerichtet sein und sich schnell an wandelnde Anforderungen anpassen können. Dafür werden zunehmend Speicher-Virtualisierungstechniken eingesetzt, die in heterogenen System-umgebungen helfen, einheitliche, flexible und auf die Geschäftsanforderung bezogenen Speicher bereitzustellen. Es gibt unterschiedliche technische Ansätze für Speichervirtualisierung, allen gemeinsam ist jedoch eine Entkoppelung der physikalischen Speicherhardware von dem für das Serversystem bereitgestellten Speicher (siehe Bild 2).

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Im täglichen Speicherbetrieb schafft das wesentliche Vorteile, die die zusätzliche Virtualisierungsebene in der Speicherinfrastruktur rechtfertigen. Dazu gehören die einheitliche Speicherbereitstellung für heterogene Speichersysteme, die Migration von Daten beim Austausch von Speichersystemen und zur Unterstützung eines hierarchischen Speicherkonzeptes sowie die flexible Speicherhandhabung bei der Bereitstellung (zum Beispiel Vergrößern des Volumens). Speichervirtualisierung hat mittlerweile einen Reifegrad erreicht, der die Anwendung in nahezu allen Umgebungen ermöglicht und als ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil für eine effiziente Speicherinfrastruktur gilt. Der tägliche Betrieb einer heterogenen Infrastruktur stellt hohe Ansprüche an das Speichermanagement. Einerseits sollen durch homogene Prozesse gleichartige Arbeitsabläufe für alle Infrastruktur-Komponenten geschaffen werden, andererseits sieht sich der Speicher-Administrator mit unterschiedlichen Funktionalitäten und darüberhinaus völlig heterogenen Management-Oberflächen konfrontiert. Um dieses Dilemma zu lösen, existiert ein einheitlicher Standard der Storage Networking Industry Association (SNIA) zum Management von Speichersystemen, der sogenannte SMI-S Standard (Storage Management Initiative- Specification). Dieser Standard schafft offene Schnittstellen zur Durchführung von Tätigkeiten der Speicheradministration, wodurch der Einsatz von homogenen Tools zum Betrieb einer heterogenen Umgebung ermöglicht wird. SMI‑S hat sich als Standard bei den führenden Herstellern von Speicherkomponenten mittlerweile durchgesetzt, so dass ein unternehmensweiter Einsatz von SMI-S basierenden Managementtools möglich ist. Durch den Einsatz eines derartigen Tools, wie zum Beispiel IBM Total Storage Productivity Center, kann die Administration und der Betrieb der Speicher-umgebung essentiell vereinfacht werden. So entsteht durch die Integration aller Infrastruktur-Komponenten eine Gesamtsicht auf die Speicherinfrastrukur, die eine Darstellung nicht nur der physikalischen, sondern auch der logischen Topologie der Speicherumgebung ermöglicht. Außerdem erlauben einheitliche und konsistente Bedienungsmechanismen ebenso einheitliche und konsistente Arbeitsabläufe für heterogene Systemumgebungen. Neben speziellen Tools zum Speichermanage-ment, wie zum Beispiel TPC, ist es für die Durchführung übergeordneter System-Management-Funktionalitäten erforderlich, eine Integration der Speichermanage-ment-Tools in die System-Management-Landschaft des IT-Betriebs zu realisieren. Beispiele hierfür sind Monitoring (Incident Management), Service-Desk-Funktionalitäten, Configuration Management, ChangeManagement, sowie die Erstellung von Reports zur Verifzierung der für die Speicherumgebung festgelegten Key Performance Indikatoren (siehe Bild 3).

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Zusammenfassung und Ausblick

Ein erfolgreiches und effizientes Speichermanagement basiert auf zwei Säulen:

1. Eine am Bedarf der Geschäftsanforderungen orientierte Speicherinfrastruktur mit der Möglichkeit zur Speichervirtualisierung mit konsistenten Tools für ein homogenes Management heterogener Strukturen.

2. An die Geschäftsanforderungen und an die Bedürfnisse des Speichermanagements angepasste Betriebsprozesse.

Sind diese beiden Säulen erfolgreich implementiert, können die zukünftigen Anforderungen an das Speichermanagement, die sich aus den Änderungen der Geschäftsanforderungen ergeben, bewältigt werden. Denn steigende Anfor-derungen an die Flexibität der Geschäftsprozesse erfordern eine zunehm-ende Flexibilisierung der gesamten Informationstechnologie. Aus Sicht der fachlichen Anwendungsseite wird darauf zunehmend durch den Einsatz von Service-Orientierten Softwarearchitekturen (SOA) reagiert. In diesem Konzept werden funktionale Komponenten als atomare, flexibel einsetzbare und wiederverwend-bare Services bereitgestellt. Der resultierende Infrastruktur-Bedarf an Rechen-leistung und Speicher für eine derartige Anwendung richtet sich nach der Nutzung des Services und damit nach dem Geschäftsaufkommen eines Unternehmens. Für die IT-Infrastruktur bedeutet dies, dass entstehende Lastspitzen dynamisch und äusserst flexibel abgebildet werden müssen. Um dieser Anforderung zu genügen, wäre der Einsatz von Automatisierungslösungen im IT-Infrastrukturbereich sinnvoll. Im Sinne eines effizienten Speichermanagements ist die Automatisierung der nächste Schritt, der nach der Virtualisierung der Speicher-Infrastruktur, der Verabschiedung geschäftsrelevanter Service Level und der Implementierung der erforderlichen Betriebsorganisation erfolgen kann. Durch Einrichtung automatisierter Abläufe kann der Speicherbetrieb von manuellen Aufwänden entlastet und so die Betriebskosten nochmals signifikant gesenkt werden. Beispiele für automatisierbare Geschäftsvorfälle im Speicherbetrieb sind:
 

 - Bereitstellung von Speicher

 - Integration neuer Server in das SAN

 - Migration von Datenbeständen

 - Vergrößerung des Volumens bei Engpässen

Eine Realisierung der Automation kann zum Beispiel auf der Basis des TPC for advanced provisioning erfolgen. Ein derartiges Tool bietet den Vorteil, dass es sich nahtlos in eine bestehende Storage Management-Umgebung integrieren lässt, ohne die bereits etablierten Prozesse und Arbeitsabläufe zu verändern.

Stefan Pahl Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe September/Oktober 07 des it fokus.

 
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